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Rubrik: Ruqyah
Autor: tauhid.net

Die Behandlung durch einen Raqi

Der Heiler sollte einen guten Charakter haben und eine vorbildliche Lebensweise. Zum Heilen braucht er Ikhlas (Aufrichtigkeit), richtige Aqidah (Glaubenslehre), muss dem Vorbild des Propheten s.a.w. folgen, muss Gottesfurcht haben, vorbildlich im Gottesdienst sein, sich von Verbotenem fernhalten, Erfahrung haben, konstant im Gottgedenken sein und Geduld haben. Seine Gebete sollten von Allah in einigen schwierigen Situationen bereits beantwortet sein, was zeigt, dass diese Person von Allah akzeptiert ist, und er eine bestimmte Gewissheit im Glauben hat, denn je stärker der Glaube des Raqi, desto effektiver die Heilung.

Der Heiler sollte so viel wie möglich versuchen, nur ein Mittler zu sein und sich auf den Koran zu konzentrieren, und Allah wirken zu lassen. Das bedeutet, er konzentriert sich auf die Rezitation des Koran, bis er fühlt, wie Allah selbst das Böse mit Seinem Wort anspricht. Man stelle sich vor, wie Allah Zauberei und übeltuende Dschinn hasst, und versuche, das zu hassen, was Allah hasst.

Der Heiler sollte ein Verständnis bestimmter Arten von psychischen Störungen und allgemeinen Krankheiten besitzen, um eine korrekte Diagnose machen zu können. Wenn er nicht einwandfrei das Vorhandensein von ‘Ain, Dschinn oder Magie diagnostizieren kann, sollten andere vertrauenswürdige Fachleute konsultiert werden.

Der Beruf des Raqi – eine Berufung

Es gibt einige Leute, die sich in Ruqyah auskennen, aber nur wenige, die es „professionell“ praktizieren. Die Anforderungen sind extrem hoch! Nicht nur hat man jedemenge verzweifelte und auch teils etwas „durchgeknallte“ Charaktere zu jeder Tag- und Nachtzeit auf der Matte stehen, man bringt auch die Satane gegen sich auf, die ständig darauf aus sind, den Heiler und dessen Familie zu attackieren, neben irgendwelchen Zauberern, die sich an einem rächen oder auch einfach nur mal testen wollen, wie gut der Raqi inzwischen ist.

Daneben hat man noch damit zu kämpfen, keine Riya zu entwickeln, sollte sich der Erfolg einstellen und die Leute zu einem strömen, und die Ikhlas zu behalten, es rein für Gott zu tun, und nicht, um damit Lob und Verehrung zu ernten, oder auch Geld, wenn man sieht, dass viele Leute bereit sind, für eine Heilung große Summen zu zahlen!

Normalerweise sucht sich niemand aus, ein Raqi zu werden. Allah sucht sie sich aus, und schickt sie gewöhnlich durch eine sehr schwere Schule. Oft wurden Raqis früher selber Opfer von Hexerei, oder ihre Familienangehörigen hatten Probleme, und so wurden sie gezwungen, über Ruqyah zu lernen und Allah ließ sie andere Heiler kennenlernen, bei denen sie Erfahrung sammelten.

Ich rede jetzt nicht über jene, die Ruqyah rein zum Geldverdienen betreiben und die Leute abzocken, oder „Gelegenheits-Raqis“ (wie ich selber einer bin). Ich rede von jenen, die Allah für diesen Beruf berufen hat:
Es sind gemeinhin die besten der Ummah! Die tägliche Konfrontation mit den Satanen lässt sie Höhen an Gottvertrauen, Gottesfurcht und Gottgedenken erreichen, die für den normalen Muslim undenkbar sind.

Da Satane die Sunnah hassen, sind sie es oft, die sie am besten praktizieren. Man wird auch finden, dass sie sich von Sektiererei und Debatten raushalten, weil sie wissen, dass dies alles von Satan ist. Für die Satane zählen nur die persönlichen Qualitäten des Raqi und nicht Erbsenzählerei um aufgebauschte Belang-losigkeiten. Und wenn es den Satanen egal ist, dann ist es natürlich auch Allah egal, denn Er ist es ja, durch den sich die Heilung einstellt. Gerade bei Ruqyah zeigt sich, dass Allah den Demütigen und Bescheidenen zum Sieg verhilft, und nicht denen, die immer glauben und sagen, „ich weiß es besser!“

Man wird finden, dass die besten Raqis (oder vielmehr jene, deren Ruqyah von Allah gesegnet wird) jene sind, die in den Augen der normalen Menschen recht belanglos erscheinen oder gar verächtlich. Aber wenn die Dschinn sie sehen, bekommen sie sofort eine Heidenangst, sodass die Patienten (bzw. die Dschinn in ihnen) oft schon schreien und weglaufen wollen, wenn sie gerade mal den Raqi gesehen haben.

Von Ahmad bin Hanbal, dem Gründer der hanbali-tischen Rechtsschule, wird erzählt (1), er hätte einmal in der Moschee gesessen, als ein Bekannter hereinkam und erzählte, in Jariyah, der Dienerin des Kalifen, wäre ein Dschinn eingefahren. Ahmad bin Hanbal betete zu Allah und gab dann eine seiner Sandalen dem Bekannten und sagte ihm, er solle die Sandale nehmen, sie der Dienerin (bzw. dem Dschinn in ihr) zeigen und sagen: „Fahr aus dem Körper von Jariyah, oder Imam Ahmad wird dich 70-mal (mit dieser Sandale) schlagen“, worauf der Dschinn sofort den Körper der Dienerin verließ.

Will man jetzt Imam Ahmad vielleicht vorwerfen, er hätte Bid'ah betrieben, weil Rasulallah s.a.w. und die Salaf keine Sandalen bei Ruqyah benutzt hätten? Bei Ruqyah zählen nur die wahren Qualitäten des Raqi, wie seine Gottesfurcht und sein Gehorsam gegenüber Allah, und man sei sich sicher: genau diese Qualitäten zählen auch am Jüngsten Tag!

In Granada sagte der Imam der Moschee im Albaycin einmal einem neuen Konvertiten, der etwas verwirrt war wegen der ganzen verschiedenen Gruppen im Islam: „Sorge dich nicht darüber, worüber die Muslime uneins sind. Sorge dich darüber, worüber sie sich einig sind!“ Das war sehr weise auf den Punkt gebracht!

Alle Muslime wissen, dass es Pflicht ist, fünfmal zu beten, zu fasten, sich von Sünden fernzuhalten und so weiter! Und dass uns Allah auffordert, einig zu sein, und nicht in Gruppen zu zersplittern [Ali Imran 103]. Deswegen wird auch das Ruqyah von denen angenommen, die sich fern von den Debatten halten, weil sie es ja sind, die Allah gehorsam sind, und nicht jene, die sich auf unzähligen Webseiten und Foren darüber ereifern, welches der „wahre Islam“ ist und was die anderen Muslime alles falsch machen, dabei aber letztlich genau das sagen, was auch Iblis gesagt hat: „Ich bin besser als er!“ (Al-A‘raf 12)

Es ist ein großes Plus, wenn der Raqi sich auch in prophetischer Medizin auskennt, vor allem Hijamah (Schröpfen), da Dschinn sich normalerweise in der Blutbahn aufhalten und oft dort, wo das verschmutzte Blut sich akkumuliert, weswegen man sie oft zusammen mit dem Blut rausgezogen bekommt. Auch sich im Körper befindende Magie muss oft mit dem Blut ausgesogen werden.

Genauso wie man seine Umgebung und sich äußerlich sauber halten sollte, so sollte man dies auch innerlich tun, z.B. durch Hijamah, Fasten oder Schwitzen. Auch dies schwächt die Dschinn. Wenn man deswegen sieht, dass das Haus des Raqi nicht sauber ist, kann man getrost direkt wieder gehen. Geschweige denn, er selbst ist nicht sauber oder stinkt nach Zigarettenqualm!

Sünden aller Art auf Seiten des Raqi schwächen enorm die Wirkung des Ruqyah und bieten den Dschinn Gelegenheit, sich zu rächen. Wer z.B. eine Frau mit Begierde anschaut, dem wird der Dschinn im Traum vielleicht als schöne Frau begegnen, und da die Abwehr durch die Sünde geschwächt ist, kann der Dschinn ihm schaden. Ein Raqi kann sich deswegen wenig Übertritte erlauben, was natürlich ein exzellentes Training für ihn ist, aber auch ein sehr anstrengendes.

Der Raqi muss sich auch darauf vorbereiten, dass er gelegentlich von Zauberern angegriffen werden wird, wenn sie sehen, dass man ihre Magie zunichtemacht. Man sollte deswegen öfters sich selbst, die Familie und auch das Haus behandeln, und schnell erkennen, wenn irgendetwas nicht stimmt. InshaAllah wird einen Allah behüten und Engel zum Schutz schicken. Man sollte aber, gerade als Anfänger, eine Grenze ziehen, und sich nicht Dinge aufladen, die zu schwer für einen sind. Man soll nicht das Wohlbefinden der eigenen Familie opfern für andere und sein eigenes Leben aus der Balance bringen. Das bedeutet auch, dass man nicht zu emotional involviert wird und nicht für andere leidet, sondern nur versucht, ihnen zu helfen.

Generell muss ein Raqi ein striktes Programm von Dhikr einhalten, aber speziell nach jedem Ruqyah. Es ist gut, regelmäßig ein Ruqyah-Bad zu nehmen. Für diejenigen, die nur sporadisch heilen, genügt es inshaAllah, siebenmal den Thronvers nach jedem Pflichtgebet zu rezitieren und das drei Tage lang.

Der Prophet s.a.w. hat nicht dagegen protestiert, dass die Gefährten Bezahlung für Ruqyah genommen haben, er hat im Gegenteil sich sogar einen Anteil erbeten. Leute müssen verstehen, dass ein Raqi, der professionell arbeitet, sehr viel investiert, und dass es nur fair ist, wenn er für seinen Aufwand bezahlt wird. Den Patienten muss außerdem klar gemacht werden, dass Heilung nur von Allah kommt, und sie deswegen nicht garantiert werden kann.

Als Anfänger sollte man es den Leuten überlassen, wieviel sie zahlen wollen. Wenn man weiter fortschreitet, sollt man jedoch faire Tarife festlegen für die investierte Zeit, allerdings niemals Behandlung Leuten verweigern, die nicht zahlen können.

Raqis sollten sich in ihrem Land organisieren, ihre Heilmethoden teilen; und ihre Erfolge, aber auch ihre Misserfolge, dokumentieren. Je mehr man nachweisen kann, dass Ruqyah oft bei Problemen hilft, bei denen die westliche Medizin versagt hat, desto besser wird das Image von Ruqyah und damit auch von Islam an sich.

(1) In Thabaqat Al Hanabilah von Ibnu Abi Ya'la

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Das Heilen
Der Heiler sollte sich über die Beschwerden gut informieren und eine Diagnose stellen können. Im Rahmen der Anamnese erfolgt die Befragung der Vorgeschichte eines Patienten in Bezug auf seine aktuellen Beschwerden...

Ruqyah - Islamischer Exorzismus

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