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Autor: tauhid.net

Was ist Tauhid?

Sprich: "Mein Gebet und meine Opferung und mein Leben und mein Tod gehören Allah,
dem Herrn der Welten. Er hat niemanden neben Sich."

(Al-Anam 162)

Tauhid ist das Gegenteil von Götzendienst (Schirk): es ist reiner Monotheismus. So kurz und einfach diese Definition aussehen mag, verstehen die meisten Menschen die Implikationen nicht, die mit dieser Definition einhergehen. Dies, weil die Definition von Götzendienst sehr viel mehr beinhaltet, als nur das Anbeten von Steinen und Götterfiguren. Wir wollen versuchen, den Begriff des Tauhid dadurch zu verstehen, indem wir ihn scharf von allen Formen des Götzendienstes abgrenzen.

Als erstes müssen wir den Sinn unserer Schöpfung selbst verstehen. Im Koran steht:

Und Ich habe die Dschinn und die Menschen nur darum erschaffen, damit sie Mir dienen (sollen). [Adh-Dhariyat 56]

Und Wir schickten keinen Gesandten vor dir, dem Wir nicht offenbart haben: "Es ist kein Gott außer Mir, darum dient nur Mir." [Al-Anbyiaa 25]

Wir sind also dazu geschaffen, Gott zu dienen und ihn anzubeten. Das ist der Sinn unseres Seins. Wer diesen Sinn nicht versteht, begeht zwangsläufig Götzendienst, auch wenn er an einen Gott glauben mag. Denn er wird etwas anderem dienen als nur allein Gott, z.B. seinem Vaterland, seiner Karriere, seiner Familie, seinem materiellem Wohlstand und anderem, vor allem seinem eigenen Ego. Natürlich werden sich spätestens hier die ersten Fragen auftun, wie z.B.: "Ja, arbeitet denn ein Muslim nicht und strengt er sich nicht für die Familie an?" Doch, tut er, aber seine Intention sollte eine andere sein. Um dies zu verstehen, wollen wir die verschiedenen Formen des Götzendienstes beleuchten:

Es gibt drei Formen des Götzendienstes:

1. Den größeren Götzendienst (Schirk Akbar).

2. Den kleineren Götzendienst (Schirk Asghar).

3. Den unauffälligen Götzendienst (Schirk Khafi).

Was meint dies konkret?

1. Schirk Akbar

Wer Schirk Akbar begeht ist kein Muslim! Es ist die Sünde, die Allah nicht verzeihen wird:

Wer Allah Götter zur Seite stellt, dem hat Allah das Paradies verwehrt, und das Feuer wird seine Herberge sein. [Al Maidah 72]

Shirk Akbar unterteilt sich in vier Kategorien, und wir werden sehen, dass viele Menschen diese große Sünde begehen, ohne sich dessen bewusst zu sein.

a. Der Schirk in der Anbetung

Hierzu zählt aber nicht nur die Anbetung eines anderen Gottes neben Allah, sondern auch die Bitte um Hilfe, die nur Allah zusteht: Wenn wir jemanden darum bitten, uns den Weg zur Post zu zeigen, ist dies natürlich kein Schirk; bitten wir aber z.B. einen Arzt darum, uns vor dem Tod zu bewahren, dann ist das sehr wohl Schirk, denn dies ist eine Bitte, die nur Gott erfüllen kann. Nur Gott hat Macht über Leben und Tod.

b. Der Schirk in der Intention

Wenn wir z.B. in den Krieg ziehen unseres Vaterlandes willen und nicht wegen Allah, dann ist dies auch Schirk, und wir sterben für etwas anderes als Allah. Unsere Intention müsste sein, Gott zu dienen und Seine Religion zu verteidigen, nicht aber menschengemachte Grenzen und Verfassungen zu verteidigen.

c. Der Schirk im Gehorsam

Dies ist der Schirk, dem die meisten heutigen sogenannten Muslime zum Opfer fallen: Der Gehorsam gegenüber Gesetzen, die menschengemacht sind, dabei die Gesetze Gottes missachtend.

Als eines Tages ein Vers aus dem Koran einem Christen mit Namen 'Adi bin Hatim, der später dem Islam beitrat, vorgelesen wurde, dachte er, jemanden zum Gott nehmen hieße, sich vor ihm zu verbeugen und niederzuwerfen. Er widersprach deshalb dem Propheten s.a.w. und sagte, dass die Christen nicht die Priester und Mönche zu Göttern nehmen. Da erklärte der Prophet s.a.w. diesen Vers: "... ihre Priester als Götter neben Allah nehmen":

"Es ist wahr (die Christen werfen sich nicht vor ihren Priestern nieder),
aber wahrlich, sie verbieten etwas, was Gott erlaubt hat
und erlauben etwas, was Gott verboten hat,
woraufhin das Volk ihren Anordnungen folgt.
Und deswegen beten sie sie an!"
(Ahmad & Tarmizi)

Das bedeutet also, dass wenn ein Gelehrter / Staat etwas verbietet, was Gott erlaubt hat und umgekehrt und die Leute folgen ihm darin willentlich, dass sie ihn anbeten bzw. neben Gott stellen.

d. Der Schirk in der Liebe

Man begeht diesen Schirk, wenn man etwas oder jemanden liebt, mit einer Liebe, die nur Gott gebührt. Hier in Europa fällt einem zwangsläufig Jesus ein, der von den Christen teils nicht nur in der Anbetung neben Gott gestellt wird, sondern vor allem auch in der Liebe. Wir erinnern uns auch an den Test, den Abraham a.s. gestellt bekam, nämlich seinen Sohn, den er jahrelang nicht gesehen hatte und innigst liebte, zu opfern. Abraham bestand den Test, weil seine Liebe und sein Gehorsam gegenüber Gott stärker war als seine Liebe zu Ismael.

2. Shirk Asghar

Der kleinere Götzendienst ist Ar-Riya, eigentlich eine Form des Schirk in der Intention, allerdings ohne einen aus dem Islam treten zu lassen: Man tut seinen Gottesdienst nicht rein wegen Allah, sondern um von anderen Menschen wegen der eigenen "Frömmigkeit" gepriesen zu werden.

Allerdings kann Ar-Riya auch zum großen Schirk werden, wenn "alle" Taten fortwährend nur gemacht werden, um von der Gesellschaft gelobt zu werden (Augendienerei). Dann ist man ein Munafiq, ein Heuchler.

3. Shirk Khafi

Dieser Schirk bedeutet, dass man mit dem Schicksal unzufrieden ist, obwohl doch Allah dies bereits für einen festgelegt hat. Auch dieser weitverbreitete Schirk lässt einen nicht aus dem Islam austreten.

Die Anbetung des Ego

Die obigen Formen des Götzendienstes sind diejenigen, die gemeinhin genannt werden. Wir werden aber nun sehen, dass im Prinzip jede Sünde auch eine Form des Schirk ist! Denn nochmal: Wir sind dazu geschaffen, Gott zu dienen. Wenn wir etwas anderes dienen als Gott, ist dies Schirk. Ergo ist alles, was nicht Gott dient, auch Schirk. Und normalerweise dient alles, was nicht Gott dient, unserem Ego. Dies wird in mehreren Stellen im Koran bestätigt:

Hast du den gesehen, der seine persönliche Neigung (Begierde, Sehnsucht) zu seinem Gott macht? Könntest du wohl sein Wächter sein? [Al-Furqan 43]

Doch die Ungerechten folgen ohne Wissen ihren persönlichen Neigungen. Und wer kann den leiten, den Allah zum Irrenden erklärt? Für solche wird es keine Helfer geben. [Ar-Rum 29]

Hast du den gesehen, der sich seine eigene Neigung zum Gott nimmt und den Allah auf Grund (Seines) Wissens zum Irrenden erklärt und dem Er Ohren und Herz versiegelt und auf dessen Augen Er einen Schleier gelegt hat? Wer sollte ihn außer Allah wohl richtig führen? Wollt ihr euch da nicht ermahnen lassen? [Al-Gatiya 23]

Die meisten Menschen beten ihr Ego an und dienen ihm, indem sie ihren Neigungen und Begierden folgen. Aber, wird man jetzt fragen, man muss doch Essen und Schlafen, das sind doch ganz natürliche Neigungen. Richtig! Es muss also ein Kriterium geben, das uns sagt, wann etwas Gott dient und wo die Grenze ist, ab der wir unserem Ego dienen.

Gott hat uns als Mensch erschaffen samt unseren natürlichen Bedürfnissen. Gott in seiner Gnade hat nun festgelegt, dass wenn wir unsere (Grund-) Bedürfnisse befriedigen, dies als ein Gottesdienst gewertet wird. Wir müssen Essen, um stark zu sein für Gottesdienst. Essen selbst wird also zum Gottesdienst. Aber, alles muss in seinen festgelegten Grenzen praktiziert werden und im richtigen Gleichgewicht.

Das erste Kriterium, das diese Grenzen festlegt, ist die Shariah, das göttliche Gesetz: z.B. Essen nur was halal ist und auch nicht tagsüber im Ramadhan. Unseren Neigungen werden also Grenzen gesetzt:

O ihr, die ihr glaubt, erklärt die guten Dinge, die Allah euch erlaubt hat, nicht für verboten; doch übertretet auch nicht. Denn Allah liebt die Übertreter nicht. [ Al-Maidah 87]

Die Shariah legt fest, welche Dinge erlaubt sind und welche nicht. Doch selbst bei den guten Dingen, die erlaubt sind, gibt es eine Grenze, die man nicht übertreten soll. Die Shariah alleine allerdings reicht noch nicht aus, um diese Grenze zu definieren.

Das zweite Kriterium ist das Vorbild des Propheten s.a.w. Es ist gesagt, dass Muhammad s.a.w. das perfekte Beispiel für uns Menschen ist. Er hat uns gezeigt, wie ein gottgewolltes Leben in der Praxis aussieht. Und wenn wir Gott lieben und ihm dienen wollen, müssen wir dem Beispiel Muhammads s.a.w. folgen:

Sprich (O Muhammad): "Wenn ihr Allah liebt, so folgt mir. Lieben wird euch Allah und euch eure Sünden vergeben; denn Allah ist Allvergebend, Barmherzig." [ Ali Imran 31]

Da aber das Vorbild des Propheten s.a.w. gemeinhin für den normalen Gläubigen zwar ein leuchtendes Ideal ist, das er anstrebt, ist es gleichzeitig aber im Alltag kaum oder gar nicht zu erreichen. Deswegen kommt noch ein drittes Kriterium hinzu: Die Stimme des eigenen Herzens.

Jeder von uns muss fühlen, was in der eigenen gegenwärtigen Situation gottgenehm ist und Gott dient oder aber unserem Ego. Das Ideal ist es, unser gesamtes Leben zum Gottesdienst zu machen, angefangen von unserem Gebet, unserer Arbeit, Essen, Schlafen, Lernen, eine Reise machen, ja selbst auf Toilette gehen! Was all diese Tätigkeiten zum Gottesdienst werden lässt ist:

a) unsere aufrichtige Intention (allein für und wegen Gott) und

b) die Ausführung dieser Tätigkeit in Übereinstimmung mit dem Vorbild des Propheten s.a.w.

Unsere Intention kann aber nur dann aufrichtig sein, wenn wir "wach sind". Nur wenn wir "wach" sind können wir sehen, ob das, was wir gerade tun, wirklich Gott dient oder nicht. Eine Übung, uns wach zu halten, ist z.B. die Rezitation des Basmallahs ("Bismillahirrahmannirrahim": Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen) vor einer Tätigkeit. So können wir relativ leicht sehen, ob eine Tätigkeit gottgenehm ist oder nicht. Einfaches Beispiel: Man kann sich unmöglich eine Zigarette anzünden und dabei das Basmallah rezitieren! Rauchen kann unmöglich Gott dienen, im Gegenteil: Es zerstört unsere Gesundheit und auch unser Geld, die wir beide für unsere Religion einsetzen sollten. Ergo: es dient 100% unserem Ego, und wenn wir extrem sind, könnten wir sagen, es ist deswegen 100% Schirk. Wenn wir nach einem Teller Essen bereits satt sind, uns aber noch einen zweiten aufhäufen, weil es so gut schmeckt: wiederum, wir dienen unserem Ego und entfernen uns vom reinen Tauhid.

Jemand, der wirklich wach ist, kann seine Gedanken beobachten und wird keine Gedanken unterhalten, die nutzlos sind oder schlecht und den Begierden folgen. Sollten solche Gedanken auftauchen, wird er sich wieder auf Gott konzentrieren und sich mit produktiven Gedanken beschäftigen.

Hier benötigt man sehr viel Weisheit (und eigentlich auch einen spirituellen Führer [Sheik], den man heutzutage aber kaum noch findet). Die Kunst ist hier, nicht in Extremismus zu verfallen und einen mittleren Weg zu wählen, der sich langsam aber sicher dem Vorbild des Propheten annähert, auf dem man gleichzeitig aber nicht stolz auf das bereits Erreichte wird (und man also wiederum seinem Ego dient). Dieser Weg ist individuell verschieden und abhängig von unserer persönlichen Kraft und Fähigkeiten, von äußeren Umständen und letzlich ... von Gott!

Es ist ein schmaler Weg, und nur wenige finden ihn, die Verwirklichung des reinen Tauhid: Ein Leben rein für Gott.


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