Tauhid.net

Licht am Ende des Tunnels

Viele Leute in der Welt erkennen, wie sich vor ihren Augen die NWO bildet, und gegen eine totalitäre Technokratie sind natürlich fast alle. Was als groteske Folge hat, dass man als Muslim plötzlich mit Querdenkern, Anarchos und selbst islamfeindlichen Rechtsextremen in einem Boot sitzt. Die meisten Gegner der NWO wollen allerdings nur zum Status Quo früherer Jahre zurück, oder einen stärkeren Nationalstaat gegen die Globalisierung aufbauen. Dies, weil sie die tiefere Ursache des Übels nicht erkennen.

Wir können uns und unsere Familien aber nicht retten, wenn wir dieses Übel nicht verstehen und versuchen, uns selbst davon zu heilen und unseren Weg zu korrigieren. Denn auch wenn es eine Verschwörung einer machthungrigen Kabale durchaus gibt, sie könnte nicht so erfolgreich sein, wenn die Menschheit als solche nicht dem gleichen Trug aufsäße und an der gleichen Krankheit litte wie die Kabale selbst.

Einer derjenigen, die einen wichtigen Aspekt der Misere erkennen, ist Professor Mattias Desmet, ein klinischer Psychologe an der Universität Gent. Was bemerkenswert ist, dass er durch seine Ausbildung selber ein Kind eben der Weltanschauung ist, die er nun kritisiert. Und zwar erläutert er, wie der Rationalismus, der seinen Siegeszug in der Zeit der Aufklärung in Europa antrat, den Menschen ihren Sinn im Leben nahm und einen mechanistischen Materialismus etablierte. Die Menschen wurden berauscht durch die Wissenschaft und den technischen Fortschritt, was sie glauben ließ, dass die logisch-rationale Sichtweise der Welt die einzig wahre ist und alles andere mehr oder weniger Aberglaube:

„Die materialistische Wissenschaft geht von der Vorstellung aus, dass die Welt aus materiellen Teilchen besteht. Doch gerade diese Wissenschaft zeigt, dass die Materie eine Form des Bewusstseins ist, dass es keine Gewissheit gibt und dass der menschliche Verstand die Welt nicht erfassen kann. Der dänische Physiker und Nobelpreisträger Niels Bohr vertrat beispielsweise die Ansicht, dass sich die Elementarteilchen und Atome auf eine radikal irrationale und unlogische Weise verhalten. Seiner Meinung nach ließen sie sich mit Hilfe der Poesie besser verstehen als mit Hilfe der Logik.

Etwas Ähnliches werden wir auf politischer Ebene erleben. In naher Zukunft werden wir den vielleicht historisch weitreichendsten Versuch unternehmen, alles auf technologische, rationale Weise zu kontrollieren. Letztlich wird sich dieses System als untauglich erweisen und zeigen, dass wir eine völlig andere Gesellschaft und Politik brauchen. Das neue System wird sich mehr auf den Respekt vor dem, was sich dem menschlichen Geist letztlich entzieht, und auf den Respekt vor der Kunst und der Intuition stützen, die für die Religionen von zentraler Bedeutung waren.

Diese Krise läutet das Ende eines kulturhistorischen Paradigmas ein. In den Wissenschaften hat ein Teil des Übergangs bereits stattgefunden. Die Genies, die die Grundlagen der modernen Physik, der Theorie komplexer und dynamischer Systeme, der Chaostheorie und der nichteuklidischen Geometrie gelegt haben, haben bereits verstanden, dass es nicht nur eine, sondern viele verschiedene Logiken gibt, dass allem etwas Subjektives innewohnt und dass die Menschen in direkter Resonanz mit der sie umgebenden Welt und der gesamten Komplexität der Natur leben. Außerdem ist der Mensch ein Wesen, das in seiner energetischen Existenz von seinen Mitmenschen abhängig ist. Die Physiker wissen das schon seit einiger Zeit, nun auch wir anderen! Wir erleben jetzt das jüngste Aufbäumen der alten Kultur, die auf Kontrolle und logischem Verstand beruht, und die mit rasender Geschwindigkeit zeigen wird, was für ein völliges Versagen sie mit sich bringt und dass sie nicht in der Lage ist, eine Gesellschaft wirklich anständig und menschlich zu organisieren.“

(Die entstehende totalitäre Dystopie – Interview mit Mattias Desmet)

Dass die logisch-rationale Sichtweise basierend auf hellenistischer Philosophie ein Irrweg ist, hatte bereits Imam Ghazali gesehen, der sie in seinem Buch „Die Zurückweisung der Philosophen“ scharf kritisierte, auch wenn er nicht ahnen konnte, was für ein Horror diese Art von Realitätswahrnehmung tausend Jahre später zeitigen würde.

In Wirklichkeit geht es aber noch tiefer und zu den menschlichen Ursprüngen zurück, nämlich zu dem Moment, als Adam und Eva vom Baum der Erkenntnis aßen, anfingen zu reflektieren, dadurch ihre Scham erkannten (nämlich die Polarität männlich-weiblich) und in diese Welt der Gegensätze absteigen mussten. Das Reflektieren war der Sündenfall. Es bescherte, wie Satan ihnen versprochen hatte, gottgleiche Macht, führte aber auch zum Tod der Seele, wie Gott sie gewarnt hatte.

Was der Grund für den Sündenfall war, ist aber auch ein Mittel zur Heilung. Durch Reflektion können wir erkennen, dass Reflektion uns kein wahres Bild von Wirklichkeit liefert. Unser Hirn entwirft ein sehr vereinfachtes Bild unseres Universums und versucht, Kausalzusammenhänge zu schaffen, um sich besser darin zurechtzufinden. Eine Kultur einigt sich dann kollektiv auf gewisse Kausalzusammenhänge zur Orientierung und einen Sinn im Leben, und Individuen, die an andere Kausalzusammenhänge glauben, gelten als verrückt, eben ver-rückt von der gesellschaftlichen Norm.

In vielen Kulturen wurde die Ursache des Donners zum Beispiel einem Donnergott zugeschrieben, und man tat gut daran, ihm etwas zu opfern, um seinen Zorn zu beschwichtigen. Dies gab den Menschen das Gefühl, dass alles seine Ordnung habe, und vermittelte den Menschen einen Sinn und einen Platz in der Schöpfung. Heute führen die Menschen den Donner auf Naturgesetze zurück, was ihnen wiederum das Gefühl gibt, alles hätte seine Ordnung.

Aber weder erschafft ein Donnergott noch die Naturgesetze den Donner. Naturgesetze sind Theorien, nach welchen Gesetzmäßigkeiten Phänomene generell ablaufen. Sie beschreiben und können (bedingt) prädikative Aussagen treffen, aber sie erschaffen selber nichts. Wenn ich zum Beispiel ein Brot backe, den Teig mische und in den Ofen schiebe, dann läuft der ganze Prozess nach chemischen und physikalischen Gesetzen ab. Und wenn ich noch ein weiteres Brot backe, dann sagt das mathematische Gesetz, dass ich nun zwei Brote habe. Aber nicht diese Gesetze haben meine Brote gebacken! Sie haben nur den Vorgang beschrieben. Wenn ich darauf warten will, dass Naturgesetze meine Brote backen, werde ich lange warten müssen!

Selbst sollte es ein materialistisches Universum geben (was die Wissenschaft ja selbst bereits lange verneint hat, aber seit Newton immer noch in den Köpfen der Menschen klebt), in dem alles wie in einem gigantischen Uhrwerk nach dem Ursache-Wirkung-Prinzip abläuft (und ich als Bäcker im obigen Beispiel auch nur das Resultat von Naturgesetzen wäre), muss es irgendetwas geben oder gegeben haben, dass am Anfang das Uhrwerk geschaffen und zum Laufen gebracht hat. Es muss eine Ursache aller Ursachen geben. Und diese Ursache muss konsequenterweise jenseits der Schöpfung selbst sein, also jenseits des Urknalls, und damit ergo auch jenseits aller Theorie und Verstandeskraft.

(Wissenschaftler umschiffen nun elegant diese Tatsache, indem sie sagen, es hätte nicht einen Big Bang gegeben, sondern einen Big Bounce, wodurch das Universum einen ewigen, gottgleichen Charakter erhält. Es war halt immer schon da, und genau wie Gott, ohne Anfang und Ende. Aber in diesem Artikel wollen wir diese Thematik nicht weiter vertiefen.)

Prophet Ibrahim a.s. erkannte die transzendente Natur Gottes:

Als die Nacht über ihn hereinbrach, sah er einen Himmelskörper. Er sagte: „Das ist mein Herr." Als er aber unterging, sagte er: „Ich liebe nicht diejenigen, die untergehen'." Als er dann den Mond aufgehen sah, sagte er: „Das ist mein Herr." Als er aber unterging, sagte er: „Wenn mein Herr mich nicht rechtleitet, werde ich ganz gewiß zum irregehenden Volk gehören." Als er dann die Sonne aufgehen sah, sagte er: „Das ist mein Herr. Das ist größer." Als sie aber unterging, sagte er: „O mein Volk, ich sage mich von dem los, was ihr (Ihm) beigesellt. Ich wende mein Gesicht Dem zu, Der die Himmel und die Erde erschaffen hat, als Anhänger des rechten Glaubens, und ich gehöre nicht zu den Götzendienern.“ (Al-Anam 76-79)

Ibrahim a.s. erkannte, dass alles, was er mit seinen Sinnen und Verstand erfassen konnte, eben nicht Gott ist, eben nicht die wahre Realität (al-Haq). Er erkannte, dass alle Vorstellungen von Realität nur Konstrukte des Geistes sind. Nur Allah ist Schöpfer und wahre Ursache von allem. Und diese Einsicht verhalf Ibrahim a.s., sogar die Angst vor den größten Schmerzen zu überwinden, die ein Menschen erleiden kann: Verbrennen am lebendigen Leibe! Als er von den Götzenanbetern ins Feuer geworfen wurde, kam der Engel Gabriel a.s. und bot ihm seine Hilfe an, aber Ibrahim a.s. meinte, er bräuchte nur Allah. Und Allah bewies, dass keine Naturgesetze diese Welt regieren, sondern nur Er allein, und Er befahl dem Feuer, für Ibrahim a.s. kühl zu sein.

Was analog zu absoluten Realität steht, also was der Wahrheit entspricht, muss man intuitiv erkennen. Solche analogen Wahrheiten erscheinen unserem polar-reflektierendem Denken oft als paradox und sind in dem Format: „Ich weiß, dass ich nichts weiß!“ Dies ist ein Beispiel für eine Wahrheit, die logisch-rational keinen Sinn macht, aber die wir intuitiv erfassen oder „sehen“ können.

Allah hilft uns zu sehen, indem Er uns Zeichen gibt, die auf das zeigen, was Er will, dass wir es erkennen (was letztendlich Er selbst ist). Und Er gibt uns eine ganze Flut von Zeichen:

„In den Himmeln und auf der Erde sind wahrlich Zeichen für die Gläubigen. Und in eurer Erschaffung und in dem, was Er an Tieren sich ausbreiten läßt, sind Zeichen für Leute, die überzeugt sind. Und (auch in) dem Unterschied von Nacht und Tag und in dem, was Allah an Versorgung vom Himmel herabkommen läßt und dann damit die Erde nach ihrem Tod wieder lebendig macht, und im Wechsel der Winde sind Zeichen für Leute, die begreifen. Dies sind Allahs Zeichen, die Wir dir der Wahrheit entsprechend verlesen. An welche Aussage nach derjenigen Allahs und Seinen Zeichen wollen sie denn sonst glauben? Wehe jedem durch und durch sündigen Lügner, der hört, wie ihm Allahs Zeichen verlesen werden, und hierauf hochmütig (in seinem Unglauben) verharrt, als ob er sie nicht gehört hätte!“ (al-Gatiya 3-8)

„Schau, wie mannigfaltig Wir die Zeichen dartun, und dennoch wenden sie sich davon ab.“ (Al-Anam 46)

Wir müssen unsere Aufmerksamkeit auf die Zeichen richten, die Gott uns zu jeder Zeit gibt und sie mithilfe unserer Intuition erkennen. Das „Erkennen“ basierend auf Intuition und Inspiration aber ist ein Gottesgeschenk und entzieht sich unserer Macht.

Niemand kann zum Beispiel mit Sicherheit sagen, was wirklich in den Impfungen ist. Alle Informationen entstammen nur der Scheinwelt des Internets. Aber unsere Intuition sagt uns, dass ohne Zweifel an der offiziellen Geschichte etwas oberfaul ist!

Doch so klar wir dies intuitiv erfassen, für andere Menschen, die wesentlich intelligenter sein mögen als wir selbst, ist diese Einsicht völlig abwegig! Für sie sind wir Spinner und Verschwörungstheoretiker! Und soviele „Beweise“ (d.h. Zeichen) wir ihnen auch vorlegen, sie sehen es einfach nicht, weil sie an andere „Beweise“ glauben bzw. glauben wollen. Denn wenn sie zugeben würden, dass diese „offiziellen Beweise“ Betrug sind, fiele nicht nur das Covid-Narrativ zusammen, sondern ihre ganze Welt, in der sie vielleicht lange Jahre investiert haben. Alle Ordnung, die ihnen ihr Hirn bislang präsentiert hatte, um sich in der Welt zurechtzufinden und ihnen eine Orientierung im Leben gab, würde sich in Chaos verwandeln. Deswegen sagt ihnen ihr Selbsterhaltungstrieb, dass unsere „Beweise“ einfach falsch sein müssen, denn heftige Kurskorrekturen sind sehr gefährlich und existenzbedrohend. Eine neue Ordnung und ein neuer Sinn im Leben kann sich gemeinhin nur langsam bilden.

Man kann Intuition nicht erzwingen. Gott leitet, wen Er will. Doch unsere Bereitschaft zuzugeben, dass wir keine Macht über irgendetwas haben und hilflos Gottes Gnade ausgeliefert sind, macht uns gerade eben empfänglich für diese Gnade, weil dies Demut und Hingabe an Gott ist, ganz im Gegensatz zur Arroganz der heutigen Gesellschaft, die glaubt, mit Hilfe ihres Wissens und ihrer Technologie gottgleiche Macht gewinnen und alles „in den Griff kriegen“ zu können. Die geistige Einsicht kommt vom Licht Allahs, das Er denen schenkt, die sich ihm aufrichtig zuwenden.

„O die ihr glaubt, wenn ihr Allah fürchtet, bestimmt Er euch Unterscheidungkraft, tilgt euch eure bösen Taten und vergibt euch. Und Allah besitzt große Huld.“ (Al-Anfal 28)

Es ist Allah der alles erschafft, und deswegen sind wir von nichts abhängig außer Allah. Alle unsere Gedanken, unser Wille, unser Glaube und unsere Taten werden alle von Allah erschaffen. Wir existieren nur wegen Ihm und durch Ihn! Deswegen muss man sich Allah hingeben und Gott durch einen wirken lassen.

Natürlich ist dies wieder ein Paradox: Warum muss ich mich Allah hingegeben, wenn er mich und alle meine Taten erschafft? Warum werde ich für meine Taten verantwortlich gemacht, wo ich sie doch gar nicht selbst erschaffe? Der Koran gibt dieses Paradox zu und erklärt, dass menschliche Logik nur Vermutungen sind, die die Realität nicht erfassen können:

Diejenigen, die (Ihm) etwas beigesellen, werden sagen: „Wenn Allah gewollt hätte, hätten wir Ihm nichts beigesellt, und auch nicht unsere Väter, und wir hätten nichts Verbotenes getan." Ebenso haben diejenigen vor ihnen (ihre Gesandten) der Lüge bezichtigt, bis sie Unsere Gewalt kosteten. Sprich: Habt ihr irgendein Wissen? Dann bringt es uns zum Vorschein. Doch ihr geht nur Vermutungen nach; und ihr rätselt nur. Sprich: Allah hat das überzeugende Beweismittel. Wenn Er gewollt hätte, hätte Er euch fürwahr allesamt rechtgeleitet. (al-Anam 148-149)

Wenn Gott im Koran sagt, dass das Gute von Ihm käme, aber das Schlechte von uns selbst, können wir das so verstehen, dass wenn wir Ihn durch uns wirken lassen, das Gute erscheint, und insoweit wir unserer Selbstsucht und selbstgemachten Bildern anhängen, das Schlechte. Wir können intuitiv erkennen, dass das wahr ist, auch wenn die Logik dann wieder streiten will und meint, Selbstsucht wäre ja auch von Allah erschaffen.

Soweit die Theorie! Wie aber wird es in der Praxis umgesetzt? Wie kann ich sehen, wann etwas Eingebung, Reflektion oder Einflüsterung Satans ist? Wie kann ich sehen, wann etwas der Triebseele (Nafs) und nicht Gott und dem wahren Selbst dient? Und wie kann ich sehen, was ich in meiner persönlichen Situation zu tun habe?

Dies ist das weite Gebiet des Tassauwuf (womit ich nicht die heutigen Sufi-Tariqats meine), auf dem man sich leicht verirren kann. Da die Zeit knapp wird und wenig Hoffnung besteht, noch einen authentischen Lehrer zu finden, hier ein paar Grundregeln:

Zeichen erkennen

Zeichen erkennen ist die Grundlage unseres Glaubens. Wer die göttliche Herkunft des Koran erkennt, der ja aus Zeichen besteht (Ayat im Arabischen bedeutet sowohl Zeichen als auch Vers), wird ein Muslim. Wer die Zeichen in der Natur erkennt, erkennt die Größe und Allmacht Allahs. Wer die Zeichen in seinem Leben erkennt, wird rechtgeleitet und weiß, was er in jeder Situation zu tun hat. Aber genau wie die richtige Interpretation der Ayaat im Koran Wissen und Übung braucht, so braucht es auch Wissen und Übung, die Zeichen in unserem Leben zu erkennen und richtig zu interpretieren. Auch wenn der Koran uns lehrt, dass Inspiration sogar über der (ebenfalls inspirierten) Shariah steht (der Koran gibt als Beispiel Ibrahim a.s. und Khidr a.s., die beide einen unschuldigen Jungen töten sollten), sind das extreme Ausnahmen, die nicht für normale Gläubige gelten. Wenn wir meinen, eine Eingebung zu haben, die aber nicht mit der Shariah vereinbar ist, müssen wir sie ablehnen, weswegen es Pflicht ist, die Grundlagen des Islam zu lernen.

Zeichen können fast alles sein: was wir lesen, was wir denken, was wir fühlen oder träumen, wen wir treffen und mit ihm reden, was wir sehen usw. Normalerweise wird uns eine Sache auf verschiedene Weise kommuniziert, so als ob wir verschiedene Puzzlesteine erhalten, die wir zusammenlegen müssen, damit es ein Bild und einen Sinn ergibt.

Zeichen folgen

Wenn wir die Zeichen erkennen, müssen wir ihnen natürlich auch folgen und ihnen nicht den Rücken kehren. Versteht sich eigentlich von selbst, aber unser Nafs und Satan sind Meister darin, uns Vorwände zu liefern, warum wir den Zeichen dann doch nicht folgen sollen. Wieder ist hier Ibrahim a.s. ein Vorbild. Als er nämlich die Inspiration erhielt, er solle seinen Sohn opfern, erschien ihm Satan in Gestalt eines alten Mannes und versuchte, Ibrahim a.s. zur Vernunft zu bringen: „Das kann doch nicht sein, dass Gott dir befiehlt, deinen unschuldigen Sohn zu opfern…“ Ibrahim a.s. bewarf den alten Mann mit Kieseln, und dies ist Teil der Pilgerfahrt, was seine große Bedeutung hervorhebt.

Ähnliches erfahren wir selber oft: Wir fühlen intuitiv, wir sollten eine Sache machen, aber "unsere Vernunft" sagt uns dann; „Hast du dir das auch gut überlegt? Was ist, wenn dies und das und jenes passiert?" Normalerweise versucht einem Satan Angst vor unvorhersehbaren Konsequenzen zu machen: „Wenn du dich nicht impfen lässt, stirbst du am Virus, kannst deinen Job nicht mehr machen, nicht mehr verreisen blablabla!"

Wer Allahs Zeichen folgt, bekommt mehr Leitung; wer sie ablehnt und meint, er hätte bei Allah einen Sonderstatus, der ihm z.B. erlaube, mal ein Gebet sausen zu lassen, noch eine Freundin zu haben usw, der bekommt Leitung wieder entzogen. Allah kappt einen Strang nach dem anderen.

Sich Gott erinnern, Ihn fürchten und Ihm dankbar sein

Wer Gott vergisst, hat quasi schon verloren, denn Satan und sein Nafs können ihn beliebig in die Irre leiten:

„Und seid nicht wie diejenigen, die Allah vergessen haben und die Er dann sich selbst hat vergessen lassen. Das sind die Frevler.“ (Al-Hasr 19)

Durch Erinnern an Gott und Gottesfurcht können wir den richtigen Weg erkennen:

„Und wenn dich vom Satan eine Eingebung aufstachelt, dann suche Schutz bei Allah, denn Er ist ja Allhörend und Allwissend. Diejenigen, die gottesfürchtig sind, - wenn ihnen eine Anwandlung vom Satan widerfährt, bedenken sie, und da werden sie sogleich einsichtig.“ (Al-Araf 200-201)

Das Aussprechen der Basmallah vor einer Tätigkeit hilft uns zu reflektieren, ob diese Handlung wirklich für Allah gemacht wird oder für unser Nafs. Ich kann mir z.B. unmöglich eine Zigarette anzünden und vorher "bismillah" spechen! Das macht keinen Sinn!

Standhaftigkeit, Geduld und Dankbarkeit werden ebenfalls wiederholt erwähnt:

„Darin sind wahrlich Zeichen für jeden sehr Standhaften und sehr Dankbaren. (Ibrahim 5, Luqman 31, Saba 19, As-Sura 33)

Sich als Gottes Diener begreifen

Ein aufrichtiger Diener fragt seinen Herrn, was er tun soll und folgt dem Wunsch seines Herrn. Die meisten Gläubigen folgen ihren eigenen Wünschen und bitten Gott, ihnen ihre Wünsche zu erfüllen. Dies ist auch nicht verboten. Allah mag es sogar, wenn man Ihn bittet und keinen anderen. Und als Mensch wird man immer zu einem bestimmten Grad egoistisch bleiben. Aber wer erkennt, dass es gerade das Beste für einen selber ist, eben nicht mehr egoistisch zu handeln und zu fragen, was sein Schöpfer von ihm will, bekommt einen ganz anderen Status und ein ganz anderes Licht, um den Weg zu sehen.

Selbst Satan weiß, dass er keine Macht hat über die aufrichtigen Diener Gottes, die nur wegen Ihm handeln und nicht aus egoistischen Interessen:

Er sagte: „Mein Herr, darum, dass Du mich in Verirrung hast fallen lassen, werde ich ihnen ganz gewiß auf der Erde (das Böse) ausschmücken und sie ganz gewiß allesamt in die Irre führen, außer Deinen aufrichtigen Dienern (d.h. denen mit reiner Gesinnung)." (Al-Higr 39-40)

Nafs überkommen

Wir können nur wirklich Allah folgen, wenn wir, wie ein Reiter sein Pferd, unser Nafs unter Kontrolle haben. Je mehr wir unser Nafs disziplinieren (z.B. mit Almosen, Fasten und Nachtgebet), desto mehr können wir Allah folgen.

Hast du den gesehen, der seine persönliche Neigung (Begierde, Sehnsucht) zu seinem Gott macht? Könntest du wohl sein Wächter sein? (Al-Furqan 43)

Hast du den gesehen, der sich seine eigene Neigung zum Gott nimmt und den Allah auf Grund (Seines) Wissens zum Irrenden erklärt und dem Er Ohren und Herz versiegelt und auf dessen Augen Er einen Schleier gelegt hat? Wer sollte ihn außer Allah wohl richtig führen? Wollt ihr euch da nicht ermahnen lassen? (Al-Gatiya 23)

Was aber jemanden angeht, der den Stand seines Herrn gefürchtet und seiner Seele die (bösen) Neigungen untersagt hat, so wird der Paradiesgarten ihm Zufluchtsort sein. (An-Naziat 40-41)

Weil in der modernen Gesellschaft niemand sein Nafs unter Kontrolle hat und sich die Menschen sogar mit dem Nafs identifizieren, werden sie von Satan weit in die Irre geführt. Ein Zeichen, dass der Jüngste Tag näher rückt ist, dass die Muslime dicke Bäuche bekommen, d.h. sie folgen ihrem Nafs anstatt der Leitung Allahs.

Wer sein Nafs diszipliniert, entzieht auch gleichzeitig Satan seine Macht, denn Satan benutzt die Neigungen des Nafs, um den Mensch in die Irre zu fühen.

Vertrauen entwickeln

Vertrauen und Glaube kann man fast synonym benutzen:

Und diejenigen, die um Allahs willen ausgewandert sind, nachdem ihnen Unrecht zugefügt wurde, denen werden Wir ganz gewiß im Diesseits Gutes zuweisen. Aber der Lohn des Jenseits ist wahrlich (noch) größer, wenn sie es nur wüßten! (Sie), die standhaft sind und auf ihren Herrn vertrauen. (An-Nahl 41-42)

Wenn du nun den Qur'an vorträgst, so suche Schutz bei Allah vor dem verbannten Satan. Er hat gewiß keine Macht über diejenigen, die glauben und auf ihren Herrn vertrauen. (An-Nahl 98-99)

Der Gläubige muss lernen, den festen Boden der Vernunft und rationalen Tatsachen zu verlassen. Er muss fast genau das Gegenteil von dem tun, was ihm von der globalistischen Bildung vermittelt wurde. Das erzeugt natürlich Angst. Gott macht uns Mut, indem Er auf das Sinnbild von Vögeln hinweist:

„Haben sie nicht die Vögel gesehen, die im Luftraum des Himmels gehorsam sind? Nur Allah hält sie oben. Darin sind wahrlich Zeichen für Leute, die glauben.“ (An-Nahl 79)

Dass sich die Gläubigen auf Allah verlassen sollen, wird in vielen Versen im Koran erwähnt. Die obigen drei Verse stammen aber alle aus der Sure an-Nahl, die Biene. Die Biene ist auch ein Tier ohne Boden unter den Füßen, das auf Allah vertraut und von Ihm inspiriert wird:

„Und dein Herr hat der Biene eingegeben: „Baue dir Häuser in den Bergen und in den Bäumen und in dem, was sie errichten. Dann iss von allen Früchten und folge den Wegen deines Herrn, (die Er dir) leicht gemacht hat." (An-Nahl 68-69)

Hier wird noch ein anderes Element erwähnt: Wer der Eingebung folgt, dessen Weg wird ihm leicht gemacht. Es fällt ihm leicht, weil er dann seiner eigenen Natur folgt und dem, wofür Allah ihn erschaffen hat. Wohingegen die meisten Menschen stets am leiden sind, weil sie meinen, sie müssten „vernünftig sein“ und ihren Ideen folgen bzw. denen, die ihnen durch ihe Erziehung eingetrichtert wurden. Sie tun Tätigkeiten, die nicht ihrer Natur entsprechen, weil sie meinen, sie müssten sie des Geldes wegen tun. Zu Zeiten von Inflation und Einführung digitalen Geldes sollte man sich aber eines Besseren besinnen!

Man darf auf nichts mehr bauen als Allah. Wer dies jetzt nicht realisiert, wird beim nahestehenden Kollaps entweder ausgerottet oder ein Sklave Dajjals. Wer die Scheinsicherheiten der modernen Gesellschaft nicht hinter sich lassen kann, wird verloren sein.

„Es wird eine Zeit über die Menschen kommen, in der die Geduldigen unter ihnen, die an der Religion festhalten, wie an heißen Kohlen festhalten werden." (Tirmidhi 2260)

Dies ist der finale Glaubenstest. Wer durch diese Hölle auf Erden geht und besteht, wird ein Licht haben, dass nur wenige Gläubige jemals erlangt haben. Er wird seine eigene wahre Natur finden und sehen, wann er seinem Nafs und Dunia folgt und wann er sich Allah vertrauensvoll hingibt, d.h. ein wahrer Muslim ist. Er wird zu einem Sehenden, der von Gott zu seinem Schicksal geführt wird.

Allah (s.t) sagt (in einem Hadith Qudsi):

Demjenigen, der einen Waliyy von Mir (einen Mir Nahestehenden) zum Feind nimmt, habe Ich den Krieg erklärt, und das beste, mit dem Mein Diener sich Mir annähern kann, sind die von mir gebotenen Pflichten (fard) zu verrichten. Und mein Diener nähert sich solange durch freiwillige Taten (nafila) an mich an, bis Ich ihn liebe. Und wenn Ich ihn liebe, dann bin Ich sein Ohr, mit dem er hört, und sein Auge, mit dem er sieht und seine Hand, mit der er zupackt und sein Fuß, mit dem er geht. Und wenn er Mich nach etwas fragt, dann gebe Ich ihm. Und wenn er Mich um Zuflucht bittet, dann gewähre Ich sie ihm. (Sahih Al-Bukhari)

____________________

Verwandte Artikel:

Ein Bild im Spiegel
Die Macht des rationalen Verstandes wird uns jeden Tag eindrucksvoll vor Augen geführt, denn die gesamte moderne Technik basiert auf ihm. Dass der technische Fortschritt mit der Zerstörung des Planeten einhergeht, wird allerdings nicht der Rationalität angelastet...

Die Rolle des Messiahs in der Endzeit
Dajjal ist einäugig, und die heutige Menschheit, verblendet von seinem System, ist es auch. Sie ist spirituell blind. Nur ein Bruchteil der Menschen vertraut noch auf seinen Intuitionen und Instinkten, auf die Stimme des Herzens, in einer Welt, in der bei allen alltäglichen Handlungen Rationalität gefordert wird.

Hidaya - Gottes Führung
Rechtleitung bzw. Führung ist ein zentrales Thema des Korans, wo es weit mehr als hundert Mal erwähnt wird. Der Koran selber wird "die Führung für die Gottesfürchtigen" und "das Kriterium (von richtig und falsch)" genannt. Leider werden Koran und Sunna heute oft auf ihre Funktion als "Gesetzgeber" reduziert, und nicht so sehr als ein spiritueller Führer gesehen. ...
Das Sendschreiben Qushayris
Abd al-Karīm ibn Hūzān Abū al-Qāsim al-Qushayrī al-Naysābūrī war einer der großen Lehrer des Tassawuf, aber er war auch Theologe und fest verwurzelt im Islamischen Recht. Sein Ansehen beruht auf seinem Sendschreiben - dem wohl prominentesten Buch über Tassawuf aller Zeiten...
Was ist Tauhid?
Tauhid ist das Gegenteil von Götzendienst (Schirk): es ist reiner Monotheismus! So kurz und einfach diese Definition aussehen mag, verstehen die meisten Menschen die Implikationen nicht, die mit dieser Definition einhergehen. Dies, weil die Definition von Götzendienst sehr viel mehr beinhaltet, als nur das Anbeten von Steinen und Götterfiguren...
Pacific Rim
In einem ansonsten banalen Sci-Fi-Action-Movie der vor ein paar Monaten im Kino lief, wurde ein interessantes Thema behandelt. Mit Hilfe des Mind-Machine-Interfaces wurden zwei Hirne zusammengeschlossen. Auch sonst bot der Film etwas wert der Kontemplation...