English Site Kontakt Newsletter Startseite Impressum
Autor: Abdullah

Offener Brief
an das islamophobe niederländische
Parlamentsmitglied Geert Wilders

Sehr geehrter Herr Wilders,

man sagt, man kann ein Pferd nur zum Wasser führen, nicht jedoch dazu veranlassen, zu trinken. Menschen sind jedoch keine Pferde, und anders als Pferde kann man sie dazu bringen, logisch zu denken.

Ich richte diese wenigen Bemerkungen an Sie in der blassen Hoffnung, daß Sie der Vernunft zugänglich sind.

Sie beziehen sich auf Ihre jüngste Rede auf die patriotische Allianz in New York, in der Sie ein apokalyptisches Bild der "Islamisierung Europas " zeichnen. Sie beschreiben einige europäische Städte mit muslimischen Vierteln in abschreckenden Worten. Es ist eine Welt, in der "Frauen in gestaltlosen Zelten" einherwandeln. "Ihre Ehemänner, oder Sklavenhalter, wenn man das vorzieht, gehen drei Schritte voraus."

Herr Wilders, ich lebe sehr nahe bei einem solchen Gebiet in West-London. Ich besuche häufig Whitechapel und Edgware Road - Teile unseres bunten Londonistan -, doch habe ich niemals eine muslimische Frau hinter ihrem Mann gehen sehen. Vielmehr spazieren die Mütter in stolzer, würdevoller Manier neben den Männern.

Nichts in ihrem Verhalten deutet auf eine untergeordnete Rolle hin, geschweige denn Sklaverei. Und es gibt dort eine große Anzahl von lebhaften, ja sogar resoluten muslimischen Mädchen, die jede Art von Kleidung tragen.

Es stimmt, daß sie sich in der Regel nicht wie freizügige, befreite weibliche Wesen verhalten, das Fleisch entblößen, in der Öffentlichkeit ihre Partner umarmen und küssen, nein.

Ich möchte wetten, daß die meisten von ihnen vor der Heirat nicht mit Jungen schlafen. Aber seit wann sind Keuschheit, Bescheidenheit und Zurückhaltung so schlecht? Die traditionellen christlichen Sitten der westlichen Zivilisation, von der Sie behaupten, sie aufrechtzuerhalten, pflegten solche Dinge zu preisen, nicht wahr?

"In genau 12 Jahren von jetzt an werden 25 Prozent der Bevölkerung in Europa muslimisch sein. "

Jemand sagte, verdammte Lügen und Statistiken.

Wenn Sie aber wollen, daß die eingeborenen Europäer in ihrer Zahl vorherrschen, was tun Sie denn dafür, um sie dazu anzuspornen, mehr Kinder zu bekommen? Sie dazu drängen, keine Verhütungsmittel zu gebrauchen, keine Pillen? Abtreibung zu unterlassen? Die Werte der Familie ermutigen?

Hören Sie auf damit, den Islam schlecht zu machen!

Nehmen Sie die christliche Religion mit ihren konservativen und intakten Traditionen an, und alles wird koscher sein.

"Tausende von Moscheen überall in Europa, mit größeren Versammlungen als in Kirchen", bemerken Sie. Nun, wessen Fehler ist das? Stehen vielleicht die Muslime an den Kirchentüren und halten die eifrigen Gläubigen davon ab, dem Herrn zu dienen?

Mir dünkt, Sie sollten sich vielmehr an die Christen selbst wenden. "Seht euch die Muslime an", sollten Sie sagen. "Seht euch an, wie viele von ihnen regelmäßig beten, wie leidenschaftlich sie ihre Religion befolgen. Ihr solltet dasselbe tun." Genau.

Das Aufblühen von Moscheen überall in Europa sollte den Christen als Ansporn dienen!

Ein Fenster von Gelegenheit!

Als dringende Erinnerung, zu ihren wesentlichen, lebenspendenden Wurzeln zurückzukehren - dem Dienst an dem Einen Wahren Gott. Warum fromme Muslime für das Fehlverhalten lauer Christen oder solcher, die es nur dem Namen nach sind, tadeln, eh?

In Amsterdam "werden Schwule fast ausschließlich von Muslimen verprügelt."

Entsetzlich, wenn es stimmt.

Komischerweise erinnere ich an die Worte Pym Fortuyns, des schwulen rechtsgerichteten Politikers, der von einem Fanatiker ermordet wurde: "Ich habe nichts gegen Marokkaner - Ich habe mit so manch einem von ihnen geschlafen. "

"Wegen der Sensibilität der Muslime kann die Geschichte des Holocaust nicht mehr länger unterrichtet werden. "

Wie grotesk! Erstens hat ein Patensohn von mir einen Schulausflug nach Auschwitz gemacht, als Teil eines Programms, um über die Schrecken des Krieges zu lernen. In Großbritannien beinhalten Schullehrpläne tatsächlich Projekte über den Zweiten Weltkrieg und die Verfolgung von Juden und anderer Leute.

Das Londoner Imperiale Kriegsmuseum hat eine Holocaust-Abteilung, die ich mir gerade anderentags angesehen habe. Darüber hinaus drängen die Fernsehkanäle ihren Zuschauern täglich eine Zwangsdosis an Filmen und Programmen über den Krieg und die deutschen Verbrechen auf.

Wenn sich irgendjemand über diesen Zustand beklagen sollte, dann müßten es die Deutschen sein. Er liefert Brennstoff für Germanophobie, das schlummernde, masochistische englische Laster. Verdienen die heutigen Deutschen eine solche fortwährend Anprangerung? Gehört nicht immerhin Deutschland zu den stärksten Unterstützern Ihres geliebten Staates Israel?

Der Prophet Muhammad.

Wäre er ein "Mann des Friedens gewesen wie Gandhi und Mutter Teresa in einem, so gäbe es kein Problem. Aber Mohammed war ..." Ich möchte den Rest nicht zitieren, da dies geschmacklos wäre.

Muhammad hat sicherlich nicht eine Religion wie diejenige der Quäker gegründet, nein! Und er unterscheidet sich eindeutig von Personen wie Buddha und Jesus. Warum haben Sie ihn jedoch nicht mit einem Propheten und Gesetzgeber wie Moses verglichen?

Muhammad schlachtete den jüdischen Stamm der Banu Quraiza ab, schreiben Sie. Nun, in Exodus 32,25 befiehlt Moses den Leviten, diejenigen zu töten, die das Goldene Kalb angebetet hatten, ungefähr 3000 Männer.

"Heute habt ihr euch dem Dienst des Herrn geweiht ", sagte Moses zu den Schlächtern. Schwerlich wie Gandhi, würden Sie mir zustimmen?

Sie schweigen über Moses, ich habe den Verdacht, weil Sie sich in Ihrer Rede in den Mantel eines Verteidigers von Israel hüllen.

Herr Wilders, dieser anglikanische Priester steht der Zerstörung des Staates Israel gerade entgegen. Weil ich ein Christ bin sind mir die Juden ziemlich wichtig.

Ich unterstütze sowohl einen jüdischen als auch einen palästinensischen Staat.

Ein bescheidener jüdischer Vatikan im Heiligen Land ist eine realistische Lösung.

Bernard Wassersteins zum Nachdenken anregendes Buch "Israel und Palästina" weist den Weg. Wasserstein zeigt, welcher Unsinn Ihre Fantasie von Israel als ein heldenhafter Außenposten des Westens gegen den hereinbrechenden Dschihad ist.

Tatsächlich braucht die israelische Gesellschaft heute Einwanderer so sehr, wie Europa sie braucht. Und es werden keine jüdischen Einwanderer sein.

Trotz Ihres erstaunlichen Mülls über den aufkommenden Antisemitismus in Frankreich (von einem jüdischen Präsidenten regiert!), sind die Juden auf der ganzen Welt glücklich dort, wo sie sind - sie wandern nicht nach Israel aus - oder sollte ich sagen "Isra-hell", wie mein israelischer Freund Ronen einmal schrieb?

Ok, Sie mögen Muslime nicht.

Doch werden sie nicht weggehen.

Ihr Fall entspricht demjenigen jemandes, dessen Garten von Marienkäfern befallen wurde. Sie waren überall.

Er mochte sie nicht. Er versuchte mehrere Methoden, um sie loszuwerden. Sprays, Insektizide, dies und jenes, doch nichts half.

Die Marienkäfer blieben da. Tatsächlich vermehrten sie sich. Der Mann fühlte sich von ihnen verfolgt, wurde paranoid, verbittert.

Schließlich schickte er einem weisen alten Freund, einem erfahrenen Gärtner, eine E-Mail: "Was soll ich wegen der verdammten Marienkäfer machen?"

Die Antwort lautete: "Ich schlage dir vor, zu lernen sie gern zu haben."

Reverend Frank Julian Gelli
29. Oktober 2009

___________________________________

übersetzt von Abdullah Bubenheim


Diese Seite teilen oder drucken.

Share on FacebookTweetShare on Google+Send emailPrint

Tauhid.net - (Kein Copyright! Alle Artikel dürfen vervielfältigt werden.)