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Dieser Artikel ist Teil der Serie In der Matrix.

II. Die Templer

Rabbi Makhir war ein Babylonischer Jude, der, wahrscheinlich wegen eines Nachfolgestreits, aus dem Zweistromland auswanderte und nach Europa ging. Er wurde der Anführer der jüdischen Gemeinde in Narbonne. Pippin III., König der Franken, brauchte seine Hilfe gegen die anrückenden Truppen der Sarazenen, die in Südfrankreich einfielen. Nach der Niederlage und Rückzug der Sarazenen und der Eroberung der Küstenlandschaft Septimanien gab Pippin Makhir ausgedehnte Ländereien zum Dank.
Nach einer Überlieferung von Abraham ibn Daud, einem in Andalusien lebenden Juden, berichtet in seiner ‚Sefer ha-Qabbalah', geschrieben um 1161, war Makhir ein Nachfahre des Hauses David. Sein Sohn war Guillaume de Gellone.

Narbonne wurde zum Zentrum der mittelalterlichen Kabbala. Es wird behauptet, dass die Kabbalisten die Kreuzzüge angestachelt hätten, um wichtige heilige Texte aus Jerusalem zu bekommen, die aber wegen der Besetzung des Heiligen Landes durch die Muslime unerreichbar waren. So wurde der Templerorden gegründet, erwiesenermaßen in Südfrankreich.

Der Templerorden war bei seiner Gründung um 1118, nach dem Malteserorden, der zweite geistliche Ritterorden, der in Folge der Kreuzzüge entstand. Sein voller Name lautete Arme Ritterschaft Christi vom salomonischen Tempel (Pauperes commilitones Christi templique Salomonici Hierosalemitanis). Die Ritter legten vor dem Patriarchen von Jerusalem ein Ordensgelübde ab. Neben den „klassischen“ Gelübden, die sich auf Armut, Keuschheit und Gehorsam bezogen, verpflichteten sich die Ordensbrüder jedoch zudem, den Schutz der Pilger sicherzustellen. Der neue König von Jerusalem, Balduin II., überließ den Templern im Jahre 1119 die Gebäude seines ehemaligen Palastes, die auf dem Gelände des alten Tempels Salomons erbaut gewesen sein sollen, daher der Name Tempelritter (Tempel Salomos merke man sich, da er noch einige Male eine wichtige Rolle spielt). Die Templer machten Ausgrabungen und fanden das ‚Sepher ha Bahir', das die verlorene mystische Tradition wiederbelebte und eine kulturelle Revolution der mittelalterlichen Kabbala in Gang setzte. Das Buch Bahir wurde erwiesenermaßen erstmals im 12. Jahrhundert in Südfrankreich veröffentlicht.

Am 29. März 1139 wurde die Organisation der Templer von Papst Innozenz II. durch die Bulle „Omne datum optimum“ erneut bestätigt und der Orden direkt dem Papst unterstellt. Dadurch war er für weltliche Herrscher nahezu unantastbar. So war er nicht nur von der Steuer befreit, sondern durfte selbst Steuern erheben. Mit diversen Finanzinnovationen wie Schecks, Wechseln und „zinslosen" Pfandleihen gelang es ihnen, das seit Moses, Jesus und Mohammed in allen Religionen geltende Zinsverbot zu umschiffen. Diese trickreiche Geldvermehrung machte den Templerorden innerhalb kürzester Zeit zu einem multinationalen Finanzkonzern, dessen Einfluss sich über das gesamte Europa und den Nahen Osten erstreckte. Etwa 15.000 Ordensmitglieder verwalteten um die 9.000 über ganz Europa verstreute Besitzungen.

Auf Wirken von Phillip II. wurde der Orden am 22. März 1312 von Papst Clemens V. aufgelöst und der letzte Großmeister des Templerordens, Jacques de Molay, in Paris auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Sowohl der König als auch der Papst starben binnen eines Jahres danach (genau wie ein Fluch Jacques de Molays - kurz vor seiner Hinrichtung auf dem Scheiterhaufen ausgestoßen - es vorhersagte).

Die Templer waren keine Juden, aber inspiriert von der Kabbala. Außerdem wurden sie beeinflusst von den Katharern, einer südfranzösischen gnostischen Sekte. Ihre daraus resultierende Anschauung dürfte ungefähr wie folgt gewesen sein: Luzifer (lat.: der, der das Licht bringt) ist nicht der aus Ungehorsam gefallene Engel, sondern hilft der Menschheit in ihrer spirituellen Entwicklung. Er wird auch ‚Der Spiegel Gottes' genannt, der erst Selbst- und Gotteserkenntnis möglich macht. (Dies ist gar nicht mal so weit von der islamischen Anschauung entfernt, denn ohne das Böse könnte sich der Mensch nicht für das Gute entscheiden, deswegen ist Satan notwendig.)

Darauf sagte die Schlange zur Frau: Nein, ihr werdet nicht sterben. Gott weiß vielmehr: Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf; ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse. [Genesis 3, 4-5]

Luzifer bringt der Menschheit nicht nur Erkenntnis, er befreit sie auch vom Dogma und Dualismus der Religionen, als auch von der Unterdrückung durch tyrannische Systeme, sowohl der Tyrannei des Papstes, eines absolutistischen Königs und sogar Gottes.

Der entscheidende Unterschied zur christlichen und islamischen Anschauung ist der folgende: Der Mensch kann, mit Hilfe Luzifers und durch einen evolutiven Erkenntnisprozess, göttliche Qualität erreichen bzw. wie Gott selber werden. Im Islam jedoch, und auch im (ursprünglichen) Christentum, kann die Schöpfung niemals eins sein mit Gott. Nichts kann Gott jemals ähneln oder Seine Qualität erreichen.

Die Templer wurden unter anderem beschuldigt, den Baphomet anzubeten, also Götzendienst zu begehen, aber nur 12 von 231 gefolterten Tempelrittern wussten überhaupt von Baphomet. Dies bedeutet, dass es innerhalb des Ordens einen Zirkel gab, dessen Wissen den anderen Mitgliedern des Ordens unbekannt war.

Nach der Zerschlagung des Ordens gingen viele der Templer in den Untergrund. Viele überlebende Tempelritter flohen nach Schottland, da dort der päpstliche Befehl nicht ausgerufen worden war und daher der Templerorden weiter existierte. Dort dienten viele von ihnen wohl unter Robert the Bruce in der Schottischen Garde. Nachfahren von Guillaume de Gellone fanden auch nach Schottland und wurden Großmeister des schottischen Freimaurerordens.

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weiter zu:

III. Freimaurerei und Humanismus
Die Frage, ob es eine eigentliche christliche Kabbala im Sinn einer originären kabbalistischen Mystik mit christlichen Elementen jemals gegeben habe, kann nicht mit letzter Gewissheit beantwortet werden. Dagegen deutlich erkennbar ist eine ungemein fruchtbare Rezeption kabbalistischen Schriftgutes im Frühhumanismus.....


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