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Autor: Abdullah

Ein paar Gedanken zu den Paris-Attentaten

So wie es in der Natur gewisse Gesetzmäßigkeiten gibt, so auch in der Geschichte, bzw. dem Umgang der Völker, Kulturen und Religionsgemeinschaften miteinander. So wie sich Umweltsünden früher oder später negativ auswirken, so haben auch Übergriffe auf andere und Unterdrückung von Völkern und Regimen anderen gegenüber früher oder später ihre negativen Auswirkungen auf die Nachkommen der früheren Täter. Das byzantinische Reich bspw. sah sich als Erbe des gesamten Römischen Reiches und strebte danach, dessen Einheit unter seiner Führung wiederherzustellen. Daher vernichteten die byzantischen Streitkräfte unter Kaiser Justinian das Reich der Ostgoten in Italien und der Vandalen in Nordafrika, wobei noch der Aspekt der unterschiedlichen christlichen Konfession hinzukommt, da diese germanischen Völker der arianischen Richtung des Christentums angehörten, die von den Byzantinern als Vertretern der katholisch-orthodoxen Staatskirche als Häresie verfolgt wurde. Doch es vergingen nur ungefähr eineinhalb Jahrhunderte, bis da byzantische Reich die Gebiete Großsyriens und ganz Nordafrika an die muslimischen Araber verlor. Vielleicht kann man dies als eine solche Gesetzmäßigkeit gewissermaßen ausgleichender Gerechtigkeit – im Hinblick auf ganze Staaten und nicht die Individuen – ansehen. Nicht Justinian, sondern sein Nachfolger Heraklios erlebte diese Niederlagen und Verluste.

Und wie sieht es diesbezüglich mit Frankreich aus? Kann man Karl Martells Sieg über die Araber in der Schlacht von Tours und Poitiers noch als Verteidigung der Heimat gegen fremde Eindringlinge sehen, so waren es die Kreuzzüge auf jeden Fall nicht.

Papst Urban II, der zum ersten Kreuzzug mit der Parole aufrief: „Gott will es!“ war Franzose, und er rief dazu von französischem Boden aus. Die Kreuzzüge wurden von Franzosen dominiert, und die Deutschen und Angehörigen anderer europäischer Völker waren mehr oder weniger nur Mitläufer. Bei der Analyse der Kreuzzüge kommt heraus, daß diese eigentlich wirtschaftliche und gesellschaftspolitische Ursachen hatten, während die religiöse Motivation teilweise nur ein übergestülpter Deckmantel war. In den westeuropäischen Gesellschaften herrschte damals ein Geburtenüberschuß, weswegen es zahlreiche unvermögende niedrige Adelige gab, für die ihr Erbanteil zum Leben nicht ausreichte. Daher ließen sie sich auf das Abenteuer ein, in Übersee Land zu erobern, auf dem sie leben konnten, nämlich in den Kreuzfahrerstaaten. Je mehr die Muslime nach der Rückeroberung Jerusalems durch Saladin (Salah ad-Din al-Ayyubi) die Oberhand zurückgewannen, die Kreuzfahrerstaaten an Boden verloren und das angebliche Ziel, die Herrschaft über Jerusalem auszuüben, immer unmöglicher wurde, wurde das eigentliche Ziel, die Eroberung fruchbaren Bodens in den Ländern der Muslime deutlich. So führte König Ludwig IX von Frankreich einen gescheiterten Kreuzzug gegen Ägypten, um die Wirtschaftskraft der Muslime zu schwächen, aber auch, um diese landwirtschaftlich intensiv genutzten Flächen zu kontrollieren und den besitzlosen Abenteurern aus Frankreich dort Einkommen zu geben. Dieser gescheiterte Kreuzzug und sein Versprechen, nicht mehr gegen die Muslime zu kämpfen, hielten ihn jedoch nicht von einem weiteren gescheiterten Kreuzzug gegen Tunesien ab. Hier lag das angegegriffene und zu erobernde muslimische Land sogar noch weiter als Ägypten vom ursprünglichen Ziel Jerusalem entfernt. Das war praktisch der Anfang des europäischen Kolonialismus.

Nachdem das christliche Europa stark und das Osmanische Reich als Beschützer der Muslime schwach geworden war und sich im Niedergang befand, setzte Napoleon Bonaparte mit seinem Feldzug nach Ägypten ein Zeichen für neue und weitere Schritte des europäischen Kolonialismus in muslimischen Ländern.

Darauf folgte im Jahre 1830 die zuvor genau geplante französische Invasion in Algerien mit Landnahme und einer zuvor kaum dagewesenen Eroberungsstrategie der verbrannten Erde. Erst 132 Jahre später gelang es den Algeriern mit über einer Million Menschenopfern sich von der französischen Fremdherrschaft zu befreien. Die Vertreter des französischen Staates haben sich dafür bis heute nicht entschuldigt. Frankreich hat sich nach der formellen Unabhängigkeit der von ihm eroberten und beherrschten Länder in Afrika jedoch nicht praktisch von dort zurückgezogen, sondern übt hinter den Kulissen immer noch seine Kolonialherrschaft aus, was immer wieder bei verschiedenen Ereignissen sichtbar wird.

Das heutige Frankreich unterdrückt die in ihm lebenden Muslime – darunter französische Staatsbürger – in falsch verstandenem – oder (vorsätzlich?) falsch interpretiertem Säkularismus – durch ein Kopftuchverbot nicht nur für Lehrerinnen, sondern auch für Schülerinnen und ein Gesichtsverhüllungsverbot in der Öffentlichkeit.

Während ihres Aufstandes gegen das Osmanische Reich im Ersten Weltkrieg hatten sich die Araber als Belohnung von den Aliierten ein eigenes arabisches Reich erhofft. Doch, durch das Sykes-Picot-Abkommen hintergangen, erhielt Frankreich Syrien als Mandatsgebiet und setzte seinen Anspruch mit Gewalt durch. Interessanterweise trennte die damals bereits offiziell als säkularistischer Staat definierte Französische Republik den Libanon von Syrien ab, um den mit der römisch-katholischen maronitischen Christen einen von ihnen dominierten Staat zu schaffen. Der französische General Henri Gouraud, Hochkommissar der Levante, stieß in Damaskus mit dem Fuß gegen Saladins Grab und sagte: „Komm heraus! Wir sind wieder da.“ – Nun, Saladin selbst ist nicht wieder aus dem Grab auferstanden, noch hatten die Syrer mit ihrem Aufstand im Jahre 1926 gegen die französische Besetzung Erfolg, aber irgendwann scheint das alles, was die Franzosen den Syrern von den Kreuzzügen an bis heute angetan haben, auf sie zurückzufallen – heute nicht durch ein in ritterlichem Edelmut kämpfenden muslimischen Heer, sondern in Form von Anschlägen einer terroristischen Organisation, die im mißbrauchten Namen des Islams handelt. – Ironie des Schicksals oder Folge einer Gesetzmäßigkeit – wie oben angedeutet? Offensichtlich war der französische Kolonialismus tiefgreifender und nachhaltiger als der britische. Syrien war zwischen den beiden Weltkriegen französisches Mandatsgebiet und Marokko Protektorat, also keine Kolonien, doch verfuhren die Franzosen damit so, als wären es Kolonien, Besitz der Kolonialmacht.

In den letzten Jahrzehnten wurde das Thema der französischen Mandatsbesetzung in zahlreichen syrischen Fernsehspielen als Bewältigung der Vergangenheit immer wieder aufgearbeitet, teils als Haupthandlung, teils als Neben- oder Hintergrundshandlung. Der IS nennt als Anlass für die Anschläge von Paris zwar Frankreichs Engangement mit Luftangriffen in der gegen ihn von den USA geführten Koalition, aber vielleicht sind im Unterbewußtsein vieler syrischer IS-Kämpfer auch noch die genannten Fernsehspiele präsent.

Nach dieser Gesetzmäßigkeit treffen die Folgen meist nicht individuell die Täter und Unterdrücker, sondern erst spätere Generationen desselben Staatswesens, Kulturkreises und der Religionsgemeinschaft, Personen, die selbst nicht für das von ihren Vorfahren verübte Unrecht verantwortlich sind. Aber es trifft sie: das ist die Gesetzmäßigkeit, die auch im Koran angedeutet ist. Die Folgen des übermäßigen CO 2 -Ausstoßes treffen – nach den Regeln der Gesetzmäßigkeit – nicht die Verursacher, sondern andere, meist Unschuldige.

Wenn Allah ein ungerechtes Volk strafen will, kann er dies tun, indem Er den Gläubigen, den Muslimen oder Rechtschaffenen Gewalt über sie gibt. Oder Er kann sie strafen, indem Er die einen Ungerechten durch die Gewalt anderer Ungerechter zunichte macht. Wie es in einem Hadith heißt, trifft Allahs Strafe dann alle in dem jeweiligen Volk oder Kulturkreis, auch die Rechtschaffenen.

Um nicht mißverstanden zu werden: Im Islam ist es unzulässig, ein an einem begangenes Unrecht durch ein anderes Unrecht zu vergelten und Vergeltung an Personen zu üben, die nicht selbst für dieses Unrecht verantwortlich sind. Außerdem verbietet der Islam Angriffe auf Zivilisten, gleich welcher religiösen, nationalen oder rassischen Zugehörigkeit. Daher sind die jüngsten Anschläge in Paris – wie ähnliche auch – als Verbrechen zu verurteilen. Aber sie sind nun einmal geschehen – anscheinend im Rahmen der erwähnten Gesetzmäßigkeit – und vermutlich nur der Anfang weiterer Anschläge ...

Daher täten die Franzosen besser daran, nicht nach Vergeltung zu rufen und die Muslime insgesamt nicht weiter pauschal zu diskriminieren, sondern ihre Einstellung und Handlungsweise ihnen gegenüber zu ändern, um so den Extremisten den Wind aus den Segeln zu nehmen. Leider ist dies jedoch nicht zu erwarten, da die viele Politiker unklug handeln und es in demokratischen Systemen mit freien Wahlen ihren vitalen Interessen zuwiderläuft, sich gegen den Mainstream zu stellen. Dieser Mainstream ist derzeit Islamfeindlichkeit, und die Provokateure warten nur auf jede Gelegenheit, pauschal gegen den Islam und dessen Angehörige zu hetzen.

Die Einwohner des Ortes Kafr Nabel, Reg-Bez. Idlib, Syrien, haben ihre Solidarität mit den Opfern der Anschläge von Ankara, Beirut und Paris bekundet, obwohl sie selbst Opfer zu beklagen haben. Dieser Ort hat sich vom Assad-Regime und jeglicher „dschihadistischen“ oder sonstigen Gruppierung befreit und verwaltet sich selbst. Nun wird er nicht mehr nur von der Luftwaffe des Assad-Regimes mit Faßbomben angegriffen, sondern auch von der russischen Luftwaffe, und hat jeden Tag Todesopfer zu beklagen. Im Westen jedoch nimmt kaum jemand davon Kenntnis, geschweige denn bekundet jemand seine Betroffenheit, Empörung oder fordert ein Ende dieser Angriffe! Der Drohnenkrieg der USA in Afghanistan, Pakistan, im Jemen und in Somalia hat bereits tausende von unschuldigen Opfern gefordert, da nur ungefähr 4 Prozent von ihnen überhaupt zu den verdächtigten Personen gehören, die ja nicht einmal gerichtlich zum Tode verurteilt sind.

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