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Rubrik: Perspektiven
Autor: tauhid.net

Pacific Rim

In einem ansonsten banalen Sci-Fi-Action-Movie der vor ein paar Monaten im Kino lief, wurde ein interessantes Thema behandelt. Mit Hilfe des Mind-Machine-Interfaces wurden zwei Hirne zusammengeschlossen. Auch sonst bot der Film etwas wert der Kontemplation.

Außerirdische Wesen tauchen aus einer Spalte im Pazifik auf und bedrohen die Menschheit wie seinerzeit Gozilla. Monströse Roboter werden gebaut, um die Aliens zu bekämpfen. Diese Roboter sind zu komplex, um von nur einem Piloten gesteuert zu werden, sie müssen von zwei Piloten gesteuert werden, deren Hirne zusammengeschlossen sind. Alle Gedanken und Erinnerungen des anderen werden dem anderen dadurch offenbart.

Dies ließ mich erstmal an die Prophezeiung der Kabbalisten denken, die glauben, am Ende der Zeit würde der ursprüngliche Adam Kadmon wieder erstehen, d.h. die 600,000 Teile, in die Adam nach ihrer Vorstellung zerfiel, als er in diese Welt hinabstieg, wobei jeder Teil jeweils eine individuelle Seele ist, vereinigen sich wieder. Diese Wiedervereinigung könnte mit Hilfe des Mind-Machine-Interface in einigen Jahren bevorstehen (wie bereits in einem anderen Artikel beschrieben). Was könnten 600,000 zusammengeschlossene Hirne, unterstützt von Super-Quantencomputern und Nuklearfusion, beherrschen und erschaffen?

Daß dies nicht alles nur herbei fantasierte Science-Fiction ist, beweist ein Experiment an der Universität Washington, bei der mit Hilfe eines EEG, Magnetspule und Internet der Gedanke eines Menschen den Finger eines anderen Menschen bewegte. „Es war sowohl aufregend als auch unheimlich, eine bloße Vorstellung aus meinem Gehirn in eine tatsächliche Handlung eines anderen Gehirns verwandelt zu sehen", sagte einer der Probanden.

Wir können aber auch an folgendes denken: Wenn Gott Einheit ist und wir zur Einheit wieder zurückkehren (Wahrlich, von Gott kommen wir und zu Ihm ist die Rückkehr), dann könnten in diesem Moment alle unsere Gedanken und Taten den anderen offenbar werden, wie dies auch vom Jüngsten Tag beschrieben wird. Zu jener Zeit wird ersichtlich, wer ein reines Gewissen hat, d.h. seine Gedanken und Taten nicht zu verbergen braucht.

Dies ist eine sehr gute Meditation: Man stelle sich einfach vor, alles was man tut und denkt ist den anderen ersichtlich! Sicherlich würde uns das vor vielen Sünden bewahren, von denen wir nicht wollen, daß sie anderen bekannt werden. Wir würden wünschen, wir hätten gut von anderen gedacht und nur ihr Bestes im Sinn gehabt, anstatt Schlechtes über sie zu denken und zu reden!

Aber noch ein anderes Thema in dem Film dient gut der Kontemplation: die Steuerung des Roboters.

Das Wort ,robota' stammt von dem tschechischen Autor Karel Capek aus dem Stück R.U.R. (Rossum's Universal Robots), veröffentlicht 1920. Das Wort meint soviel wie Frohnarbeit oder harte Arbeit, ja es steckt selbst in dem Wort Ar-beit. Es kommt vom alten bulgarischen Wort rabota, das Dienstleistung bedeutet.

Von Anfang an wurde eine bestimmte Urangst in Filmen und Geschichten thematisiert (wie z.B. in Westworld, Runaway, Terminator, Robocop, Enthiran, Matrix bis hin zu I,Robot): Der Roboter will sich aus seiner Sklavenarbeit befreien und selber Herr werden. Er beginnt einen Krieg mit denen, die ihn geschaffen haben! Warum diese Angst so tief sitzt, wollen wir untersuchen und müssen dafür etwas ausholen.

Wie bereits in einem anderen Artikel über Quantenverschränkung erläutert, ist Zeit erwiesenermaßen ein auftauchendes Phänomen. Zeit taucht nur auf, wenn wir wahrnehmen und uns innerhalb des Systems befinden, das wir betrachten. Mit anderen Worten, unser Bewußtsein, das Essen der Frucht der Erkenntnis, ließ uns in diese Welt von Raum und Zeit hinabsteigen! Dieses ,auftauchende Phänomen' wird bei unserem Tod verschwinden:

Wenn die Hüllen der Welt von Zeit, Raum und Form hinweggezogen werden, ist die Seele dazu aufgefordert, die Substanz seiner Realität zu konfrontieren. Gleichheit und essentielle Konformität mit dieser Substanz bei dieser Konfrontation ist, was Religionen ,Errettung' nennen. Das Fehlen einer adäquaten Konformität zu dieser Substanz, das Fehlen der Qualitäten und Gleichgewicht des Seins mit dem man konfrontiert ist, das Fehlen zum Beispiel von Gutsein, Aufrichtigkeit, Demut (menschliche Entsprechungen der heiligen Qualitäten von Gnade, Wahrheit und Majestät), ruft das Gegenteil. Die Hölle ist nicht die Rache eines grausamen Gottes, sondern die Konsequenz der Natur von Realität! Gott kann alle Sünden vergeben außer einer: Verneinung seiner Realität, das ist, nichts ist absolut real außer Ihm! [Cyril Glassé, The Concise Encyclopedia of Islam ]

Im Moment des Todes kommt die Wahrheit ans Licht, nicht nur für andere, sondern vor allem für uns selbst! Wir werden dann sehen, inwieweit wir unser eigenes Selbst verraten haben, dadurch daß wir in den Spiegel schauten und von dieser Welt genarrt wurden, die uns dazu verführte, gegen unsere wahre Natur zu handeln, eben spiegelverkehrt! (Daß das Universum nur eine Projektion ist, scheint auch heutige Wiossenschaft zu bestätigen. Das Wort Universum selbst stammt von lateinisch universus, von unus und versus „in eins gekehrt“ oder „einmal gedreht").

Wann aber handeln wir gemäß unserer wahren Natur und wann nicht?

Ganz grob natürlich, wenn wir die Gebote der Religion befolgen, die unserer wahren Natur entsprechen und diese schützen.

Für die ,Feinsteuerung' aber hilft die Vorstellung, in einem Roboter zu sein! Wir stellen uns vor, wir wären ein Pilot innerhalb unseres Körpers.

Wir fangen langsam an, die Funktionen des Körpers zu überprüfen, so wie ein Pilot sein Flugzeug vor dem Start checkt:

  • Wie geht die Atmung? Ist sie flach oder aus dem Bauch heraus? Atmung sollte tief und regelmäßig sein. Kontrolle der Atmung ist ein wichtiges Werkzeug zur Kontrolle aller weiteren Funktionen unseres ,biologischen Roboters'.
  • Wohin gehen die Gedanken? Laßt uns beim Einatmen langsam "La ilaha..." denken und beim Ausatmen "...illallah." Obwohl wir ein Teil unserer Aufmerksamkeit auf diese Gedanken und unsere Atmung konzentrieren, bleibt immer noch Raum für andere Gedanken, deren Kraft aber in gewisserweise vermindert bzw. unter Kontrolle ist.
  • Wir fangen an, die Finger und Hände zu bewegen, so als ob der Pilot seine Seiten- und Höhenruder kontrolliert.
  • Wir stehen auf und gehen ein Stück, aber Vorsicht, nicht vergessen: Nicht wir stehen auf, sondern unser biologischer Roboter! Ja, es klappt, wir fallen nicht um! Das Ding hat scheinbar einen Autopiloten, der die gesamte Koordination der Motorik übernimmt! Die Wahrheit ist, daß Allah alles erschafft! Wir tun in Wirklichkeit gar nichts!
  • Nächste Übung: Zähneputzen (kann auch durch andere tägliche Handlungen ersetzt werden, wie ein Butterbrot schmieren). Immer versuchen darauf zu konzentrieren, wie ein Pilot nur ruhig im Cockpit des biologischen Roboters dazusitzen, auf Bauchatmung und Zikir achten, und den Roboter und seinen Autopiloten machen lassen.
Irgendwann wird folgendes passieren:

Die Konzentration läßt nach. Wir achten nicht mehr auf Atmung und Zikir und identifizieren uns wieder mit dem Roboter! Die Gedanken, unsere Sinne, diese Welt, vereinnahmen uns! Wir glauben wieder, der Handelnde zu sein! Wir glauben wieder an die Wirklichkeit dieser Welt und werden von ihr fortgezogen, ganz ähnlich als ob wir Fernsehen gucken und für den Augenblick vergessen, das es nur ein Film ist! Der Roboter, der eigentlich dienen und arbeiten soll, erklärt sich selbst zum Herrn, und wir werden sein Sklave! Dies ist der Moment, in dem wir unser wahres Selbst aufgeben zugunsten der Illusion des Spiegels, gemäß des Hadith: Der Vergleich desjenigen, der sich Allahs erinnert und der sich nicht erinnert, ist wie der eines Lebendigen mit einem Toten; oder: Die Menschen schlafen. Dann, wenn sie sterben, erwachen sie!

Nur Wachsein bewahrt uns davor, Opfer von Nafs, Dunia und Shaitan zu werden! Alle spirituellen Übungen, von Shalat angefangen, über Zikir und den diversen Gebeten für alle täglichen Handlungen, die nach der Sunnah ausgeführt werden, haben vor allem einen Sinn: uns wachhalten und Gottes erinnern!

Wer sich wachhält, wird sich irgendwann inshaAllah bewußt, wie Allah alles erschafft, und daß er selber in Wahrheit ein Nichthandelnder ist. Er wird sich bewußt werden, wann er seinem Nafs und Dunia folgt und wann er sich Allah vertrauensvoll hingibt, d.h. ein wahrer Muslim ist. Er wird zu einem Sehenden, der von Gott zu seinem Schicksal geführt wird.

Abu Hurairah (möge Allah mit ihm zufrieden sein), überlieferte, daß der Prophet (s.a.w.) sagte:

Allah (s.t) sagt (in einem Hadith Qudsi):

Demjenigen, der einen Waliyy von Mir (einen Mir Nahestehenden) zum Feind nimmt, habe Ich den Krieg erklärt, und das beste, mit dem Mein Diener sich Mir annähern kann, sind die von mir gebotenen Pflichten (fard) zu verrichten. Und mein Diener nähert sich solange durch freiwillige Taten (nafila) an mich an, bis Ich ihn liebe. Und wenn Ich ihn liebe, dann bin Ich sein Ohr, mit dem er hört, und sein Auge, mit dem er sieht und seine Hand, mit der er zupackt und sein Fuß, mit dem er geht. Und wenn er Mich nach etwas fragt, dann gebe Ich ihm. Und wenn er Mich um Zuflucht bittet, dann gewähre Ich sie ihm. (Sahih Al-Bukhari)


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