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Autor: Abdullah

Maulid

Zweifellos ist es gut und erwünscht, die Leute bei jeder sich bietenden Gelegenheit an unseren Propheten Muhammad - Allah segne ihn und gebe ihm Heil - zu erinnern. Wirklichen Nutzen davon hat allerdings nur derjenige, den diese Erinnerung dazu bringt, dem Vorbild von Allahs Gesandtem - Allah segne ihn und gebe ihm Heil - zu folgen, d.h., diejenigen von des Propheten - Allah segne ihn und gebe ihm Heil - Eigenschaften, Charakterzügen und Handlungen, die für ihn anwendbar sind, in die Tat umzusetzen. Dazu aber ist die Erinnerung die Geschichte von Muhammads - Allah segne ihn und gebe ihm Heil - Geburt am wenigsten geeignet. Es wäre daher vorteilhafter, den Leuten bei solchen Gelegenheiten andere Teile aus seiner - Allah segne ihn und gebe ihm Heil - Sîra vorzutragen. Scheich Hassan Ayyub beklagte sich einmal darüber, daß die heutige muslimische Jugend kaum etwas z.B. über die Kriegszüge unseres Propheten Muhammad - Allah segne ihn und gebe ihm Heil - wisse. Viele Leute - nicht nur im Islam, sondern auch in anderen Religionen - hegen Liebe zu ihrem jeweiligen Religionsstifter, sind aber zu faul, zu träge und zu willensschwach, um sich zu überwinden und selbst etwas zu leisten. Daher meinen sie, es würde ihnen etwas nützen, wenn andere für sie beten, bzw. Bittgebete für sie sprechen, und suchen den Segen von sog. Heiligen durch deren Nähe. Die Teilnahme an Maulids verführt viele dazu, zu meinen, sie hätten allein schon durch das Anhören der Reden, der Gedichte und Gesänge eine gute Tat und religiöse Leistung vollbracht. Die Jahrhunderte, die seit Suyuti vergangen sind, geben seiner Meinung nicht recht; in manchen Ländern ist das Gedenken an des Propheten - Allah segne ihn und gebe ihm Heil - Geburt zu Auswüchsen mit karnevalsartigen Umzügen heruntergekommen. Die zur Schau gestellte Begeisterung und Liebe zum Propheten - Allah segne ihn und gebe ihm Heil - mag sie auch spontan und echt sein - ist bei den Teilnehmern an solchen Maulids meist rasch wieder verflogen, ohne tiefgreifende Spuren zu hinterlassen.

Gelegenheiten, daß sich die Muslime treffen und zusammen essen, gibt es auch andere, und dann sollte man sie auch wahrnehmen und aus ihrem Anlaß begehen und sie unter ihm bezeichnen und nicht als "Maulid an-Nabawi" deklarieren, wie das einige Leute tun. Weder Allahs Gesandter - Allah segne ihn und gebe ihm Heil - selbst noch seine Gefährten haben seinen oder ihren jeweiligen Geburtstag gefeiert oder irgendwie begangen. Als Kalif ´Omar - Allah habe Wohlgefallen an ihm - den Beginn der islamischen Zeitrechnung festlegte, ließ er sich nicht auf den Vorschlag ein, das Geburts- oder Todesjahr des Propheten - Allah segne ihn und gebe ihm Heil - zu nehmen, sondern wählte das Jahr der Auswanderung (Hidschra).

Fragte man mich nach dem herausragenden Ereignis im Leben unseres Propheten Muhammad - Allah segne ihn und gebe ihm Heil -, das es verdiente mit Gedenkfeiern begangen zu werden, so würde ich persönlich wahrscheinlich seine Entsendung als Prophet, das erste Erscheinen Dschibrîls (Gabriels) bei ihm und den Beginn der göttlichen Offenbarung an ihn - Allah segne ihn und gebe ihm Heil - nennen, keinesfalls aber seinen Geburtstag. Wenn Scheich al-Qaradawi den Geburtstag des Propheten - Allah segne ihn und gebe ihm Heil - den "Geburtstag des Islams" nennt, so widerspreche ich ihm darin, da die Geburt eines Menschen allein - auch wenn sie von Wundern begleitet sein sollte - nichts Besonderes ist, da jeder Mensch - außer Âdam - Friede sei auf ihm - geboren wird. Was den Propheten jedoch von gewöhnlichen Menschen letztlich unterscheidet, ist die an ihn ergangene göttliche Offenbarung: "Sag: Gewiß, ich bin ja nur ein menschliches Wesen gleich euch; mir wird (als Offenbarung) eingegeben" (Qur'ân, Sûra 18 al-Kahf 110). Der eigentliche "Geburtstag" des Islams wäre somit das genannte Ereignis der Berufung Muhammads - Allah segne ihn und gebe ihm Heil - zum Propheten und Gottesgesandten.

Weiterhin ist das genaue Geburtsdatum des Propheten - Allah segne ihn und gebe ihm Heil - gar nicht bekannt, sondern als überliefert gilt nur, daß es in den ersten Tagen des Monats Rabî´al-auwal war. Als letzter möglicher Termin wurde der 12. des Monats angenommen. Später sind viele Regierungen von sog. islamischen Ländern dazu übergegangen, den 12. Rabî´al-auwal zum offiziellen Feiertag zu machen und dadurch die Masse der Muslime in ihrer Bid´a zu bestärken.

Aus all diesen Gründen halte ich das Maulid an-Nabawi nicht für eine lobenswerte Neuerung (Bid´a), obwohl ich andererseits eine Teilnahme daran auch nicht für verwerflich halte.

´Ammân, den 10. Rabî´ al-auwal 1426 = 19.04.2005

 


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