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Autor: tauhid.net

Die Bedeutung der Kavallerie
in der islamischen Geschichte

Kavallerie (vom Französischen cavalerie; cheval - 'Pferd'), waren Soldaten oder Kämpfer zu Pferd. Kavallerie war historisch die drittälteste (nach Infanterie und Streitwagen) und die beweglichste aller Waffenarten. Von frühesten Zeiten an hatte Kavallerie den Vorteil hoher Mobilität, was es zu einem Instrument machte, dass den Kampfwert selbst kleiner Einheiten vervielfachte und ihnen erlaubte, den Gegner zu überflügeln, zu überraschen und zu überwältigen oder auch sich schnell zurückzuziehen, je nach den Erfordernissen des Augenblicks.

Ein Mann, der zu Pferd kämpfte, hatte den Vorteil einer größeren Höhe, Geschwindigkeit und Masse über einen Gegner zu Fuß. Ein weiteres Element berittener Kriegsführung war die psychologische Wirkung, die berittene Soldaten einem Gegner zufügen konnren. Die Beweglichkeit und der Schockwert der Kavallerie wurden hoch geschätzt und von den antiken und mittelalterlichen Streitkräften ausgiebig genutzt. Manche Armeen bestanden fast ausschließlich aus Kavallerie-Truppen, vor allem in den nomadischen Gesellschaften Asiens, wie die der mongolischen Armeen. Mit der Einführung der Feuerwaffen und von Stacheldraht verlor Reiterei schließlich seinen Wert, war aber selbst noch im 2. Weltkrieg im Einsatz, vor allem in Ost-Europa, und wird auch heute noch von Spezialeinheiten genutzt.

Der Aufstieg des Islam

Arabische Kavallerie unter dem frühen Kalifat war eine leichte, mit Lanze und Schwert bewaffnete Kavallerie, deren Hauptaufgabe es war, die feindlichen Flanken und von hinten zu attackieren. Die Rüstung war relativ leicht. Die Kavallerie der Muslime wurde in den späteren Jahren der islamischen Eroberung des Morgenlandes der stärkste Teil der Armee. Zu seiner Zeit war diese Armee eine der effektivsten militärischen Kräfte der Welt, und nur Muslime durften ihr beitreten. Die Größe der Kalifats-Armee war ursprünglich 13.000 Soldaten im Jahre 632, aber als das Kalifat sich ausweitete, wuchs die Armee innerhalb von fünf Jahren auf 100.000 Soldaten an.

Die beiden erfolgreichsten Generäle der Kalifats-Armee waren Khalid ibn al-Walid, der das persische Mesopotamien und das römische Syrien eroberte, und 'Amr ibn al-As, der das römische Ägypten eroberte. Vor seiner Bekehrung zum Islam war Khalid für die Niederlage der Muslime in der Schlacht von Uhud verantwortlich, wo er mit seiner Reiterei in den Rücken der Muslime fiel. Später wurde er „das Schwert des Islam" genannt. Von Khalid wird gesagt, er hätte während seiner militärischen Laufbahn in hundert Schlachten gekämpft, sowohl große Schlachten und als auch kleinere Scharmützel.

Wenn die Kalifats-Armee auf dem Marsch war, wurde immer am Freitag Halt gemacht. Kein Tagesmarsch durfte so lang sein, dass er die Truppen ermüdete. Die Etappen wurden in Bezug auf die Verfügbarkeit von Wasser und anderer Verpflegung ausgewählt. Ein bemerkenswertes Merkmal dieser Armee war es, dass sie unabhängig von Kommunikationslinien war. Es gab keine Versorgungslinie und keine logistische Basis, deswegen konnte sie nicht von ihrem Nachschub abgeschnitten werden. Alle Lebensmittelvorräte wurden an einem Ort gesammelt und trotteten mit der Armee einher. Die Streitmacht brauchte keine Straßen für ihre Fortbewegung, da sie keine Wagen hatte. Alles wurde auf Kamelen getragen. So konnte diese Armee überall hingehen und jedes Gelände durchqueren, so lange es einen Weg gab, über den Menschen und Tiere sich bewegen konnten. Diese Leichtigkeit der Bewegung gab den Muslimen einen enormen Vorteil gegenüber den Römern und Persern in Mobilität und Geschwindigkeit. Wenn sie auf dem Marsch war, zog diese Armee wie eine Karawane und machte den Eindruck einer ungeordneten Horde; aus Sicht der militärischen Sicherheit war sie so gut wie unverwundbar.

Die wichtigsten Verhaltensgrundsätze wurden vom ersten Kalifen Abu Bakr r. a. in Form von zehn Regeln gefasst:

„Halt, ihr Leute, dass ich Euch zehn Regeln zur Orientierung auf dem Schlachtfeld geben kann. Verübt keinen Verrat und weicht nicht vom rechten Wege ab. Verstümmelt keine Leichen. Tötet weder ein Kind, noch eine Frau, noch einen alten Mann. Fügt keinen Schaden den Bäumen zu, noch verbrennt sie mit Feuer, vor allem solche nicht, die fruchtbar sind. Schlachtet nicht die Herden des Feindes, es sei denn für euer Essen. Ihr werdet Menschen begegnen, die ihr Leben dem Dienst im Kloster gewidmet haben; lasst sie in Ruhe." Ali r. a. hat noch hinzugefügt, dass Muslime nicht die Wasserversorgung unterbinden dürfen, um ihre Gegner zu schwächen.

Die beste Verwendung der leicht bewaffneten, sich schnell bewegenden Kavallerie offenbarte sich in der Schlacht von Yarmouk Im Jahre 636 n.Chr., bei der Khalid ibn Walid die Wirksamkeit seiner Reiterei verwendete, um das Blatt in jeder wichtigen Phase der Schlacht zu wenden, mit ihrer Fähigkeit zum schnellen Angriff und Rückzug, in die Flanke des Gegners zu fallen oder ihn von hinten anzugreifen.

Ein starkes Kavallerie-Regiment wurde von Khalid gebildet, dem die Veteranen der Feldzüge des Irak und Syrien angehörten. Frühe muslimische Historiker haben ihr den Namen Mutaharrik Tulai'a (Mobile Garde) gegeben. Sie wurde als Vorhut verwendet und als eine starke Schlagkraft, die die gegnerischen Armeen mit ihrer größeren Mobilität ausmanövrieren konnte.

Khalid ist neben Hannibal einer der beiden Militärkommandanten in der bekannten Geschichte, die erfolgreich die Zangenbewegung gegen einen zahlenmäßig überlegenen Gegner ausgeführt haben. Die Zangenbewegung oder doppelte Umfassung ist ein Militärmanöver, bei dem die Flanken des Gegners gleichzeitig in einer Zangenbewegung angegriffen werden, nachdem der Gegner in Richtung Mitte der Armee vorangeschritten ist. Die Armee weicht zur Seite aus und greift die Flanken des Gegners an und umkreist ihn. Dieses Manöver wurde in der Schlacht von Walaja in Mesopotamien (Irak) im Februar 633 gegen die persische Armee angewendet, die mindestens dreimal so groß wie die muslimische Armee gewesen sein soll.

Kavallerie war die wichtigste Kampfeinheit in der islamischen Eroberung. Die Schlacht von Talas im Jahre 751 war ein Konflikt zwischen dem arabischen Abbasiden-Kalifat und der chinesischen Tang-Dynastie um die Kontrolle über Zentralasien. Chinesische Infanterie wurde von der arabischen Kavallerie in der Nähe des Flusses Talas aufgerieben.

Später wurden Mameluken als Kavalleriesoldaten ausgebildet. Mameluken waren dem Diktat der Furusiyya unterworfen, einem Verhaltenskodex, der nicht nur Werte wie Mut und Großzügigkeit enthielt, sondern unter anderem auch Lehren von Taktik, Reiten, Bogenschießen und der Behandlung von Wunden.

Ein Mameluken-Soldat war ursprünglich ein Sklave, der zum Islam konvertiert war. Das „Mameluken-Phänomen" war von großer politischer Bedeutung und war außerordentlich langlebig. Es dauerte vom 9. bis zum 19. Jahrhundert. Im Laufe der Zeit wurden die Mameluken eine mächtige Militärkaste in verschiedenen muslimischen Gesellschaften. Vor allem in Ägypten, aber auch in der Levante, dem Irak und Indien, hielten Mameluken politische und militärische Macht. In einigen Fällen erreichten sie sogar den Rang eines Sultans, in anderen regionalen Mächten den eines Emirs oder Beys. Vor allem in Ägypten und Syrien ergriffen Mameluken-Fraktionen die Macht in einer Periode, die als Mameluken-Sultanat bekannt wurde (1250-1517). Das Mameluken-Sultanat schlug bekanntlich die Mongolen zurück und kämpfte gegen die Kreuzfahrer. Es überlebte bis 1517, als es durch das Osmanische Reich erobert wurde. Der osmanische Sultan Selim I. eroberte Kairo, wonach das Zentrum der Macht nach Istanbul wechselte. Viele der Mameluken-Kämpfer wurden später von den Osmanen rekrutiert.

Die osmanische Armee war einst die modernste Streitkraft der Welt, und einer der ersten, die Musketen und Kanonen verwendete, z.B. während der Belagerung von Konstantinopel im Jahre 1422. Die osmanische Kavallerie setzte mehr auf hohe Geschwindigkeit und Mobilität denn auf schwere Rüstung. Sie verwendete Bögen und kurze Schwerter auf schnellen Turkmenen und Arabern (Vorläufer der Vollblut-Rennpferde) und wendete oft Taktiken an ähnlich denen des mongolischen Reiches, wie z.B. vorzugeben, sich zurückzuziehen, während man in Wirklichkeit die feindlichen Kräfte in einer sichelförmigen Formation umkreist und dann den wirklichen Angriff macht.

Ein wichtiger Teil der osmanischen Kriegsführung waren die sechs Divisionen der Kavallerie (Alti Bölük), und die wichtigste dieser Divisionen war die Eliteeinheit der Sipahis. Der Status der Sipahis ähnelte dem der Ritter des mittelalterlichen Europa. Sie waren das berittene Gegenstück zu den Janitscharen, die zu Fuß kämpften.

Die sogenannten Akincis plünderten feindliches Gebiet bevor die reguläre Armee anrückte. In einer Schlacht war ihre Hauptrolle, die gegnerische Armee in einen Zustand der Verwirrung und Schocks zu versetzen und zu demoralisieren. Sie konnten mit einer Sense auf einem Weizenfeld verglichen werden. Sie beschossen den Feind mit Pfeilen und ließen sich normalerweise nicht in einen Nahkampf ein, sondern zogen sich wenn bedrängt zurück, während sie noch nach hinten weiter schossen. Sie konnten schwere Kavallerie problemlos hinter sich lassen, weil sie nur leicht bewaffnet waren und ihre Pferde auf Geschwindigkeit gezüchtet wurden und nicht auf Stärke. In einigen osmanischen Feldzügen, wie der Schlacht auf dem Krbava Feld, waren Akinci die einzigen Truppen, die eingesetzt wurden, ohne dass die Ottomanen von ihrer schweren Kavallerie oder Infanterie Gebrauch machen mussten. Aufgrund ihrer Mobilität wurden Akinci auch für die Aufklärung und als Vorhut verwendet, um den Feind vor Ankunft der regulären osmanischen Truppen konfus zu machen.

Der Niedergang des Islam

So bedeutend die Kavallerie für die Ausbreitung des Islam war, so war es auch eine der Hauptursachen für seinen Niedergang. Mit wenigen Ausnahmen wie der Schlacht von Tours, wo Karl Martell die Invasion Frankreichs durch die Sarazenen nur mit Infanterie stoppte, wurde die Niederlage am häufigsten mit Kavallerie zugefügt.

Damalige muslimische Zeitzeugen glaubten, dass die Kreuzzüge und mongolischen Invasionen eine Strafe Gottes waren. Wie fast jedes Reich in der Geschichte, wie das griechische, römische, und persische (und zur Zeit „der Westen"), gab es eine Phase des Aufstiegs, in der die Menschen fleißig und stark waren und einen großen Fortschritt machten, bis sie einen Höhepunkt erreichten und der Dekadenz verfielen. Man muss nur mal die ursprünglichen Märchen aus 1001 Nacht lesen und man kann sich das Ende des „Goldenen Zeitalter des Islam" gut vorstellen, als Bauchtanz und der Konsum von Alkohol weit verbreitet waren.

Der Prophet s.a.w. meint in einem Hadith überliefert von Buchari, dass er keine Angst hätte, dass die Muslime arm wären, sondern davor, dass ihnen Reichtum in Hülle und Fülle gegeben werde, wie es früheren Nationen gegeben wurde, und Sie anfangen werden, darum Wettbewerb zu führen, wie es die früheren Nationen taten, und sie das vom Guten ablenken werde, wie es die früheren Nationen abgelenkt hatte.

Wir haben Berichte aus der Zeit, in der die Mongolen in den Irak einmarschierten und die Herrschaft der Abbasiden in einem verheerenden Sturm ausradierten:

„Sie fegten durch die Stadt wie hungrige Falken, die Tauben jagen, oder wie bluthungrige Wölfe, die Schafe jagen, mit losen Zügeln und schamlosen Gesichter, mordend und Terror verbreitend ... mit Gold und Juwelen verzierte Betten und Kissen wurden mit Messern in Stücke geschnitten und in Fetzen gerissen. Die sich hinter den Schleier des großen Harem versteckten wurden durch die Straßen und Gassen geschleppt ... jede von ihnen wurde ein Spielzeug ... während die Bevölkerung unter den Händen der Eindringlinge starb." (Abdullah Wassaf wie von David Morgan zitiert)

Viele historische Berichte berichten detailliert die Grausamkeiten der mongolischen Eroberer.

Die große Bibliothek von Bagdad, die unzählige wertvolle historische Dokumente und Bücher enthielt von Fächern, die von Medizin bis Astronomie reichten, wurde zerstört. Überlebende erzählten, dass das Wasser des Tigris schwarz geworden wäre von der enormen Menge an Büchern, die in den Fluss geworfen wurden, und rot von den getöteten Wissenschaftlern und Philosophen. Die Bürger versuchten zu fliehen, wurden aber von mongolischen Soldaten abgefangen und abgeschlachtet. Martin Sicker schreibt, dass fast 90.000 Menschen gestorben sein. Andere Schätzungen gehen viel höher. Wassaf behauptet, es wären mehrere hunderttausend gewesen. Ian Frazier von der Zeitschrift „The New Yorker“ sagt, Schätzungen der Todesrate reichten von 200.000 bis zu einer Million. Die Mongolen plünderten und zerstörten hernach Moscheen, Paläste, Bibliotheken und Krankenhäuser. Riesige Gebäude, die die Arbeit von Generationen gewesen waren, wurden bis auf den Boden abgebrannt. Der Kalif wurde gefangen genommen und gezwungen zu beobachten, wie seine Bürger ermordet wurden und seine Schätze geplündert. Der Mongolenführer Hulagu musste sein Lager auf die Wind abgewandte Seite verlegen, wegen des Gestanks von Fäulnis, der aus der zerstörten Stadt herangeweht wurde. Bagdad war eine entvölkerte, zerstörte Stadt für mehrere Jahrhunderte.

Wenn man sich die Zahl der Todesopfer im Vergleich zu der der Angreifer betrachtet, fragt man sich, warum sie nicht bis zum Tode kämpften, sondern sich und ihre Familien ohne großen Widerstand abschlachten ließen. War es, weil die Krankheit „wahn“ in den Herzen der Muslime herrschte, wie der Prophet Muhammad s.a.w. es voraussagte: „Liebe für die Welt und Angst vor dem Tod“? Dschingis Khan sagte selber, wenn eure Sünden nicht groß wären, hätte Gott mich nicht zu euch als Strafe gesandt."

Auch die Kreuzfahrer konnten Zehntausende von Muslimen bezwingen. Charles Mills sagt über die Kreuzfahrer und den Kreuzzug von 1099:

„Sie ließen sich hin zu jeder Rohheit und Zügellosigkeit. Weder öffentliche Schätze noch Privatbesitz wurden verschont. Weder Jungfräulichkeit noch eheliche Tugend waren ein Schutz. Unter den Kreuzfahrern waren zweitausend Normannen (Franzosen), die sich besonders auszeichneten durch ihre Wildheit. Dass sie Kinder an der Brust ihrer Mütter töteten und ihre zitternden Glieder in der Luft zerstreuten, dass ihre Verbrechen enorm waren, ist das allgemeine Bekenntnis der lateinischen Schriftsteller. Die Christen zerrten die Leichen aus den Gräbern und beraubten sie ihrer Kleidung und Schmuckes. Sie trennten die Köpfe von den Körpern, und fünfzehnhundert von ihnen wurden auf Spießen den weinenden Türken präsentiert. Einige wurden an den Kalifen von Ägypten als Beweis des Sieges gesandt. Die Würde des Alters, die Hilflosigkeit der Jugend und die Schönheit des schwachen Geschlechts blieb unbeachtet von den lateinischen Barbaren. Häuser boten keine Zuflucht, und der Anblick einer Moschee bewirkte neues Aufwallen der Grausamkeit.

Die Begleiter und Anhänger des Heerlagers plünderten die Häuser von Antiochien, sobald die Tore geöffnet wurden, aber die Soldaten stillten zuerst ihren Blutdurst und dann ihre Habgier. Erst als jede Art von Wohnung, vom Marktstand bis zur gemeinsten Baracke, eine Schlachtszene war, erst als die engen Gassen und die weiten Plätze alle mit menschlichem Blut getränkt waren und überfüllt mit verstümmelten und entstellten Kadavern, erst dann wurden die Mörder zu Räubern und so gierig, wie sie gnadenlos gewesen war. Sie brachen die Gräber der Muselmanen auf; sie rissen die Bäuche der Toten auf bei der Suche nach Gold, und aßen Fragmente des Fleisches. Ihre Grausamkeit konnte nicht durch eine unblutige Eroberung gestillt werden; Ausrottung, nicht Milde, markierte den Sieg.

Lasst euch das eine Lektion sein, o Muslime! Nicht nur dort wurden die Muslime verheerend geschlagen, sondern auch in Andalusien und im späteren osmanischen Reich, wo sie ebenfalls im Luxus lebten und augenscheinlich diese Welt dem Jenseits vorzogen. Das Heldentum der frühen Muslime wurde stattdessen von ihren Feinden praktiziert:

Als die osmanischen Armeen durch Osteuropa fegten und der Hauptkörper der Kaiserlichen Armee des Heiligen Römischen Reiches vollständig von mehr als 200.000 türkischen Kriegern umzingelt war, befahl der polnische König Jan Sobieski in der Schlacht vor Wien im Jahre 1683 einen der wohl tapfersten Kavallerieattacken in der Geschichte. Der Angriff wurde von den geflügelten Husaren gemacht, einem polnischen Elite-Kavallerie-Regiment.

Diese extrem schwere Kavallerie-Einheit hatte ihr Können bereits unter anderem im Jahre 1577 bewiesen, als sie eine deutsche 12.000 Mann starke Armee aus Danzig zerschlug, bis alles nur noch ein gut zertrampelter Teppich aus Rot war, wo die feindliche Armee einst zu stehen pflegte. Eigene Verluste in dieser Schlacht betrugen nur etwa 88 Mann, und die meisten von ihnen waren nicht einmal Husaren. Im Jahre 1601 dann schlugen tausend Husaren eine viermal so große schwedische Reiterei. In der Schlacht von Kircholm vier Jahre später sandten die Husaren (deren Kommandeur das Motto hatte: „Tötet zuerst, plant später") aus irgendeinem Grund 1000 Lanzenreiter gegen 11.000 schwedische Infanteristen und Kanonen. Trotz der lächerlich erscheinenden Idee, die Elite-Truppen auf eine solch unmögliche Mission zu senden, rammten die Husaren ihre Lanzen in alles was sie finden konnten und gingen nicht nur als Sieger hervor, sondern schlachteten die gegnerische Armee regelrecht ab, während sie noch vom Schlachtfeld zu fliehen versuchte. In der Schlacht von Klushino im Jahre 1610 waren die Husaren wiederum zehn zu eins in der Unterzahl und kamen erneut irgendwie als Sieger hervor. Sie vernichteten ein Heer von 40.000 Schweden und Russen mit nur 4000 Lanzenreitern.

Die Waffen und Rüstungen der Husaren ähnelten denen der Osmanen. Sie trugen gekrümmte Säbel an einem Hüftgürtel und zusätzlich ein langes gerades Schwert, das an der linken Seite des Pferdesattels befestigt war. Der polnische Husar benutzte dieses Schwert als Stoßwaffe, wenn seine fast sechs Meter lange Lanze zerbrach. Wurde er in ein Handgemenge verwickelt, oder wenn er in einer weniger geordneten Formation kämpfte, verließ er sich auf seinen Säbel. Die Rüstung der Husaren war hochpoliert, so dass sie in der Sonne strahlte (die meisten Ritter zur Zeit der Renaissance bevorzugten eine schwarze Rüstung, da sie resistent gegen Rost war). Die Husaren schnallten sich riesige Flügel auf den Rücken. Diese Flügel, die aus auf Holzrahmen geklebten Straußen- oder Adlerfedern bestanden, machten einen wahnsinnigen pfeifenden Lärm, wenn die Husaren herangeritten kamen. Dadurch wurde der Feind völlig verschreckt und terrorisiert, und kaum konnte er sagen: „O Gott, was ist das?" wurde ihm auch schon ein Kebab-Spieß in die Augenhöhle gerammt. Einige der Husaren schmückten ihre Lanzen mit abgeschlagenen Köpfen, was ebenfalls für die nötige Stimmung sorgte. Die Husaren waren sehr gut ausgebildet und in der Lage, selbst während einer Kavallerieattacke Richtungswechsel durchzuführen und ihre Formation zu ändern, und dann durch den Feind zu pflügen, ihn zu umkreisen und wieder von hinten anzugreifen.

Mit ihren Flügel flatternd und heranschwirrend wie gruselige, lanzenbespickte Raubvögel, brachen dreitausend geflügelte Husaren in das türkische Heer, schlugen es zurück und trieben die Türken vom Schlachtfeld. Das Osmanische Reich würde sich niemals weiter nach Westen ausdehnen. Lobende Erwähnung hat der osmanische Großwesir Kara Mustafa verdient, der während der Schlacht persönlich mitkämpfte und versuchte, seinen Männer zu helfen, selbst dann noch, als seine gesamte Leibgarde bereits getötet war. Er zog sich erst zurück, als er das Heilige Banner, das einst dem Propheten Mohammed gehört hatte, davor bewahrte, in christliche Hände zu fallen. Mustafa wurde für sein Heldentum damit belohnt, dass man seinen abgehackten Kopf in einem Samtbeutel dem Sultan sandte. Nun, was kann man tun - es ist nicht immer einfach, einen Sultan zufrieden zu stellen - vor allem, wenn man es zugelassen hatte, dass dreitausend Husaren das fast hundertmal größere Heer besiegten.

Einer der letzten erfolgreichen Kavallerieattacken in der Geschichte war auch gegen die Muslime gerichtet, und zwar in der entscheidenden Schlacht von Beerscheba im Jahr 1917, die den Sieg der Briten und ihrer Verbündeten über die türkischen Streitkräfte markierte, und damit die Eroberung Palästinas und schließlich das Ende des Kalifats. Sie wurde als "The charge of the 4th Light Horse Brigade" berühmt.

Die australische 4. Leichte Pferdebrigade reihte sich in drei aufeinander folgende Staffeln auf (drei Wellen), mit jeweils etwa 500 Meter zwischen den Reihen. Sie waren mit Bajonetten bewaffnet; ihre Gewehre wurden über die Schultern geschlungen. Das australische 11. Leichte Pferderegiment und die britische 5. Berittene Brigade folgten langsam hinten an, während die britische 7. Berittene Brigade sich von Süden her näherte.

 

Die türkische Artillerie eröffnete das Feuer mit Schrapnell aus der zweiten Reihe, aber es war unwirksam gegen die weit auseinander gestreuten Reiter. Türkische Maschinengewehre, die Feuer von links eröffneten und schwere Verluste den Reitern hätten zufügen können, wurden schnell von Schüssen der reitenden Artillerie zum Schweigen gebracht. Als die erste Linie der Reiter in Reichweite der türkischen Gewehrschützen in den Gräben kam, begannen sie, Opfer zu beklagen, aber die Verteidiger schafften es nicht, sich der Geschwindigkeit der Angreifer richtig anzupassen und ihre Gewehre schnell genug umzustellen, sodass die Kugeln meist über die Köpfe schwirrten. Dies hielt die Zahl der Opfer gering.

Die Reiter sprangen über die vorderen Gräben und stiegen dann vom Pferd, um die Türken mit den Bajonetten anzugreifen. Die Türken waren in vielen Fällen so demoralisiert, dass sie schnell aufgaben. Ein Australier, der beim Sturz ohnmächtig wurde, nachdem man sein Pferd unter ihm erschossen hatte, war erstaunt als er wieder zu Bewusstsein kam, und fünf Türken mit erhobenen Händen vor sich stehen sah, die darauf warteten, von ihm gefangen genommen zu werden. Die späteren Wellen von Reitern ritten weiter durch die Stadt, die die Türken in Panik verließen.

Scham und Schande auf die Muslime!
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Man könnte nun argumentieren, dass Kavallerie sicherlich die schnellste und stärkste Waffe in alten Zeiten war, ähnlich der heutigen Luftwaffe, und deswegen natürlich einen großen Einfluss auf die islamische Geschichte hatte. Also, warum überhaupt einen solchen Artikel zusammenstellen?

Nun, zunächst hoffe ich, dass es trotzdem eine interessante Lektüre war. Zweitens sollten wir vielleicht über das Folgende nachdenken:

Werden die Muslime jemals mehr Atombomben und andere Massenvernichtungswaffen als ihre Gegner bauen können? Sind solche Waffen in der islamischen Kriegsführung überhaupt erlaubt, wenn wir uns an die oben genannten Gebote von Abu Bakr r.a. erinnern? Wenn die Antwort „nein“ ist, wie kann Islam jemals wieder siegreich werden, wie es immerhin prophezeit ist? Indem die Muslime Star-Wars-Raumschiffe bauen oder mit AK-47 heroisch gegen die High-Tech-Armeen der Welt kämpfen?

Ich persönlich bin davon überzeugt, dass diese „modernen Zeiten" mit all ihren technischen Errungenschaften bald zu einem Ende kommen wird. Ein Krieg wie heutzutage, wo einige Leute gemütlich in Los Angeles sitzen, während sie mit ferngesteuerten Raketen von unbemannten Drohnen „illegale Kämpfer" in Afghanistan oder anderswo abschießen, wird nicht die Art und Weise sein, wie ein Krieg bei der Wiederkunft von Jesus a.s. geführt werden wird. Ein EMP-Effekt, der durch einen Atomkrieg oder einen Sonnensturm verursacht wird, eine Seuche oder ein wirtschaftlicher Zusammenbruch, wird uns zurück in die Zeit senden, und Kavallerie und Tapferkeit werden wieder der entscheidende Faktor sein, bei der größten Schlacht aller Zeiten inshaAllah, Malhama al-Kubra! Besser jetzt schon mal mit Kavallerie-Ausbildung beginnen, oder man wird zu Fuß gehen müssen ;-)! In Deutschland kann man dazu z.B. einen Kurs bei den Steppenreitern machen, und wird inshaAllah einen deswegen eine Belohnung bekommen, weil man verlorene Sunnah wiederbelebt.

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