Musik im Islam - Gelehrtenmeinungen Gelehrte

       Tauhid.net

Gelehrtenmeinungen

Zu dem Artikel "Musik" erhielten wir folgende Email:

selamun aleykum, habe euren Artikel bzgl. der Thematik Musik im islam gelesen. Mich würde interessieren, ob es noch weitere Gelehrte außer Imam Ibn hazm al Andalusi gibt, die das Hören von Musik als mubah eingestuft haben?

Abullah antwortete darauf:

Zu dem als Vertrauensperson eingestuften, aus Madina stammenden und in Bagdad gest. Hadith-Gelehrten und -Überlieferer, von dem u. a. Buchari u. Muslim überliefert haben, az-Zuhri (190-184 d.H. = 727-800) erwähnt Zirikli in seinem Werk Al-A´lam, daß dieser das Anhören von Musik für erlaubt hielt und selbst Laute spielte und dazu sang. Zu diesem Thema siehe auch Text im Anhang.

tauhid.net kommentierte dazu:

Assalamu alaikum wr wb,

Wollte nochmal zum Ausgangspunkt der Diskussion kommen: Es ging um Gelehrtenmeinungen! In dem Artikel "Warum einem Mazhab folgen" geht es darum, dass nicht jeder Dahergelaufene die heiligen Quellen interpretieren darf oder soll, was sicherlich gut und richtig ist. Das Problem ist nur, dass man heutzutage sich zu jeder Frage eine Gelehrtenmeinung heraussuchen kann, die der eigenen Neigung entspricht, was letzlich nicht viel besser ist!

Ohne jetzt noch mal die Diskussion über Musikhören aufzuwärmen, mir geht es hier um die Methodik:

In dem Text von Abdullah hören wir eine Menge Gelehrtenmeinungen, aber nur wenige Zitate direkt aus Qur'an und Sunnah! Unter anderem wurde folgender Hadith zitiert:

"Man schlug Trommeln während des Einzugs des Propheten (Allah segne ihn und seine Familie und schenke ihnen Wohlergehen!) in Medina. Da schickte Abu Bakr sich an, sie davon abzuhalten und sie zu vertreiben, woraufhin Allahs Gesandter (Allah segne ihn und seine Familie und schenke ihnen Wohlergehen!) sagte: "Lass sie, o Abu Bakr, damit die Juden wissen, dass unsere Religion einen weiten Spielraum hat." So schlugen die Frauen die Trommeln und sagten: "Wir sind die Töchter des Stammes der Nadschaar, wie trefflich ist Muhammad als Nachbar!"

Dies soll ein Hadith sein, der Musikhören als erlaubt einstuft!

Aber man stelle sich doch mal die Situation genau vor:

Rasulallah s.a.w. und Abu Bakr r.a. durchqueren zu Fuß und Kamel hunderte Kilometer Wüste zur heißesten Jahreszeit mit Minimum an Verpflegung, verfolgt von den Quraish, die sie ermorden wollen. Endlich erreichen sie Medina und bekommen einen überschwenglichen Empfang. Die Ansar begrüßen sie voller Freude und bieten den Muhajirien in selbstaufopfender Weise Schutz und Obdach an. Und in einer solchen Situation soll Abu Bakr r.a. nichts anderes im Sinne haben, als sich über Trommel schlagende Frauen aufzuregen? Das hätte er doch unmöglich getan, wenn sich der Prophet s.a.w. nicht vorher eindeutig negativ über Musik geäußert hätte!

Klarerweise wäre es aber strategisch sehr ungünstig gewesen, in einer solchen Situation gleich mit der Tür ins Haus zu fallen und die Menschen zu kränken. Die Situation war trotz herzlichem Empfang schwierig genug. Wenn Rasulallah s.a.w. zu streng mit den Menschen gewesen wäre, hätten sie sich von ihm abgewendet, wie auch im Koran erwähnt.

Dieser Hadith macht deutlich: Musik ist makruh bei bestimmten Freudenanläßen wie Hochzeit oder der lang ersehnten Ankunft einer Person, aber haram in Zusammenhang mit Alkohol oder Zina: Discomusik, Schlager- und Schunkelmusik fallen darunter! Da aber die Grenze eine fließende ist, ist es besser, darauf zu verzichten! Denn aus makruh wird hier schnell haram!

"In meiner Gemeinschaft werden sich ganz gewiss Leute befinden, die außerehelichen Geschlechtsverkehr, Seide, Alkoholika und Saiteninstrumente für schariatisch erlaubt erklären."

Eine völlig klare Aussage, ist sie es nicht ?? Nein, scheinbar nicht, weil das Wort "und" benutzt wurde !!!

Zit: Vielmehr findet die reine Naturveranlagung die schönen Töne süß und angenehm.

Ja, und die reine Naturveranlagung des Mannes findet auch schöne Frauen süß und angenehm und drängt dazu, sie zu sich ins Bett zu locken!

Zit: Auch vertraten die Gefährten und deren nachfolgende Generationen die Meinung, dass die weiteren Hadithe entweder nicht authentisch sind...

Wo bitte ist denn der Beweis für diese Behauptung?

Zit: Dann sagte Asch-Schaukaani: "Das ist eine richtige Antwort, weil das, was ohne Nutzen ist, zum Freigestellten gehört."

Wie bitte? Ich will Asch-Schaukani ja nichts Falsches nachsagen, weil ich weder den Originaltext kenne, noch den Zusammenhang, in dem er es gesagt hat. Aber so wie wie das hier steht, widerspricht es klar dem Vers: "Wahrlich, die Verschwender waren schon immer Brüder der Teufel" und dem Gebot des Propheten s.a.w., das Unnötige zu lassen! Ich möchte nicht in den Schuhen desjenigen stecken, der am Jüngsten Tag gefragt wird, was er mit seiner Zeit und seinem Geld gemacht hat, und er antwortet: "Ich habe Zeit und Geld für Sachen ohne Nutzen verbraucht. Asch-Schaukaani meinte doch, das wäre freigestellt!"

Zit: Solange es Rechtsgelehrte gibt, die die Musik freistellen...

Ja, und solange es Gelehrten gibt, die Zinsnehmen für okay erachten, solange die Ni'at ist, damit Pilgerfahrt zu machen, etc etc. Es wird dann immer der Hadith über die gute Absicht bemüht!

In diesem Text werden klare Aussagen in Qur'an und Hadith durch sogenannte "Gelehrtenmeinungen" zurecht gebogen. Und das passiert nicht nur mit Musik, sondern heutzutage mit allem. Es gibt sogar Gelehrten die meinen, es wäre die Pflicht des Muslim, an demokratischen Wahlen teilzunehmen!

Ich muss sagen, das ganze Gerede um Gelehrtenmeinungen interessiert mich immer weniger. Es ist sicherlich gut, sich die verschiedensten Meinungen anzuhören, um seine eigene Meinung zu bilden, aber letzlich kann man nur auf Allah und Seine Führung hoffen und bauen!

Da man natürlich nicht sicher sein kann, Gottes Leitung zu folgen, muss man bei Schlussfolgerung und Urteil tolerant sein! Man muss das richtige Maß finden zwischen sich einem Experten anvertrauen und sein eigenes Herz und Hirn nicht an der Garderobe abgeben!

Ali (r) berichtet, dass der Heilige Prophet (s) sagte:

»Eine Zeit wird kommen, wenn vom Islam nichts anderes mehr übrig bleiben wird als sein Name, und vom Heiligen Qur-ân nichts übrig bleiben wird als seine Buchstaben. Die Moscheen werden voller Anbeter sein; was jedoch die Rechtschaffenheit angeht, werden sie leer und verlassen sein. Ihre Ulemma (Religionsgelehrten) werden die schlimmsten aller Kreaturen unter dem Firmament des Himmels sein. Üble Verschwörungen werden von ihnen ausgehen; und zu ihnen werden sie zurückkehren.« MISHKAT

Nun wird mir vielleicht einer sagen, der obige Hadith wäre nicht authentisch. Mag sein! Wahr scheint er trotzdem zu sein!

Wasalam

 

BISMILLAH-IR-RAHMAN-IR-RAHIM
Im Namen Allahs, des Sich Erbarmenden, des Barmherzigen

As-Salamu aleykum wa rahmatullahi wa barakatuh,

liebe MusliMusic Gemeinde,

die Musik ist eine Wissenschaft, mittels derer man die Arten des Stimmklangs und der Rhythmen sowie die Art und Weise der Melodiebildung und die Schaffung der Instrumente kennen lernt. Sie bezeichnet auch den von Musikinstrumenten erzeugten Ton (Kuwaitische Enzyklopädie der islamischen Rechtslehre, Band 38, S.168 "Buchstabe mim, maazif").

Die Frage des Hörens von Musik ist eine umstrittene Frage im islamischen Recht. Sie gehört weder zu den Glaubensgrundlagen noch zu den von der Religion zwangsläufig bekannten Dingen. 

Die Muslime sollten sich also ob dieser umstrittenen Fragen einander nicht für Frevler erklären oder gegenseitig Vorwürfe machen. Denn eine Missbilligung erfolgt ja nur hinsichtlich dessen, worin Übereinstimmung erzielt wurde, wohingegen bei umstrittenen Fragen keine Vorwürfe gemacht werden. Solange es Rechtsgelehrte gibt, die die Musik freistellen - und diese gehören zu jenen, auf deren Aussagen man sich verlässt und deren Übernahme gestattet ist -, darf man die Umma ob dieser umstrittenen Fragen nicht trennen, besonders wenn es in der islamischen Scharia keinen authentischen, eindeutigen Quellentext hinsichtlich der Musik gibt; sonst ist eine Meinungsverschiedenheit diesbezüglich nicht zulässig.

Als Stütze derer, die sich für ein schariatisches Verbot aussprechen - in diesem Fall die Mehrheit der Gelehrten -, gelten die wortwörtlichen Bedeutungen einiger ehrwürdiger Quran-Verse, die eine Gruppe Quran-Exegeten auf den Gesang und klarinettenähnliche Blasinstrumente beziehen, wie die Worte des Erhabenen:

"Und unter den Menschen gibt es, wer sich ohne Wissen Plauderei zum ablenkenden Zeitvertreib erwirbt um von Allahs Weg abirren zu lassen und diesen zum Spott zu nehmen..." [31:6]

Und auch die Worte des Erhabenen:

"Und diejenigen, die sich von törichtem Gerede abwenden." [23:3]

Sowie die Worte des Erhabenen:

"Und provoziere, wen von ihnen du kannst, mit deiner Stimme..." [17:64]

Und von der Sunna führen sie einen von Al-Buchari in dessen Sammlung authentischer Hadithe überlieferten fraglichen Hadith an, in dem Abu Amier oder Abu Maalik Al-Aschari (möge Allah an ihm Wohlgefallen finden!) berichtete, dass der Prophet (Allah segne ihn und seine Familie und schenke ihnen Wohlergehen!) sagte: "In meiner Gemeinschaft werden sich ganz gewiss Leute befinden, die außerehelichen Geschlechtsverkehr, Seide, Alkoholika und Saiteninstrumente für schariatisch erlaubt erklären."

Mit dieser Bedeutung gibt es auch noch weitere Hadithe.

Viele Forscher aus den Reihen der Gelehrten - von den Prophetengefährten und deren nachfolgenden Generationen - vertraten indes die Meinung, dass das Spielen von Saiteninstrumenten und Instrumenten bloß ein Ton ist, dessen Gutes gut und dessen Abstoßendes abstoßend ist, in den Quran-Versen kein eindeutiges Verbot der Saiteninstrumente und bekannten Instrumente besteht und das im Hadith Al-Bucharis vorkommende Verbot vom Ganzen und nicht von jeden gesammelten Einzelteilen abhängt, das heißt, dass all diese Einzelteile zu einer einzigen Darstellung gesammelt werden.

Das im erwähnten Hadith genannte arabische Wort Al-Hirr bedeutet außerehelicher Geschlechtsverkehr, und die Seide ist den Männern verboten. Gemeint ist also das Verbot des üppigen Luxus und nicht der Saiteninstrumente speziell.

In den Grundlagen des islamischen Rechts ist festgelegt, dass das Verknüpfen keinen Beweis bildet. Demgemäß bildet das Verknüpfen der Saiteninstrumente durch die Konjunktion "und" mit dem außerehelichen Geschlechtsverkehr keinen Beweis für das schariatische Verbot der Saiteninstrumente.

Auch vertraten die Gefährten und deren nachfolgende Generationen die Meinung, dass die weiteren Hadithe entweder nicht authentisch sind oder etwas implizieren, was an Saiteninstrumenten vom Gedenken Allahs ablenkt oder was eine Ursache für Unanständigkeiten und von der Scharia verbotene Dinge ist. Das Authentische davon ist also nicht eindeutig und das Eindeutige nicht authentisch.

Dies ist die Rechtsschule der Medinenser und überliefert von einer Gruppe von Prophetengefährten wie Abdullah ibn Umar, Abdullah ibn Dscha´far, Abdullah ibn Az-Zubair, Hassaan ibn Thaabit, Mu´aawija und Amr ibn Al-Aas (möge Allah an ihnen Wohlgefallen finden!) sowie von Nachfolgegenerationen wie dem Richter Schuriah, Sa´ied ibn Al-Musaijib, Ataa ibn Rabaah, Az-Zahri, Asch-Scha´abi und Sa´d ibn Ibrahiem ibn Abdurrahmaan ibn Auf - der übrigens zu keinem Hadithunterricht ging ohne vorher die Laute zu spielen - und anderen.

Imamu-l-Haramain sagte in seinen Werk An-Nihaaja (Das Ende):

"Vertrauenswürdige unter den Geschichtsschreibern überlieferten, dass Abdullah ibn Az-Zubair (möge Allah an beiden Wohlgefallen finden!) die Laute spielende Dienstmädchen besaß und Abdullah ibn Umar (möge Allah an beiden Wohlgefallen finden!) einmal bei ihm eintrat, als eine Laute neben diesem lag, und fragte: «Was ist das, o Gefährte des Gesandten (Allah segne ihn und seine Familie und schenke ihnen Wohlergehen)?». Daraufhin händigte dieser sie ihm aus. Ibn Umar betrachtete sie und sagte: «Das ist eine syrische Waage!» Da sagte Ibn Az-Zubair: «Mit ihr wird der Verstand gewogen.»" Zitatende.

Diese Meinung vertreten auch die Rechtsschule von Ibn Hazm und dessen Anhänger sowie einige Schafiiten wie Abu Ishaaq Asch-Schiraazi, Al-Mawardi, Ar-Rujani, Abu-Mansur Al-Baghdaadi, Ar-Raafii, Hudschatu-Islam Al-Ghazaali, Abu-l-Fadl ibn Taahir Al-Qaisaraani, Imam Izzu-d-Din ibn Abdu-s-Salaam, der Scheich des Islam Taqi-d-Dien ibn Daqiqu-l-Id, der hanafitische Rechtsgelehrte Abdu-l-Ghani An-Nabulsi und andere.

Eine Gruppe Gelehrte klassifizierte die Musik- und Saiteninstrumente als freigestellt, wie etwa der Zahirit Ibn Hazm in seiner Abhandlung über das Hören, Ibn Al-Qaisaraani in seinem Werk As-Sama´ (Das Hören) , Al-Idfawi in Al-Imta´u bi-Ahkaami-s-Sama´ (Genuss der Scharia-Normen hinsichtlich des Hörens), der Malikit Abu Al-Mawaahib Asch-Schaazli in Farahu-l-Asmaa´i bi Ruchasi-s-Sama´ (Freude der Hörenden über die Zulässigkeit des Hörens) und viele andere.

Zu denen, die Musik- und Saiteninstrumente für freigestellt erklären, gehört Hudschatu-l-Islam Al-Ghazaali (Allah erbarme SICH seiner!), insofern als er sagte:

"Unterhaltsamer Zeitvertreib unterstützt Ernst. Niemand außer die Seelen der Propheten (Friede sei mit ihnen!) kann reinen Ernst und bittere Wahrheit standhaft ertragen. Unterhaltsamer Zeitvertreib stellt mithin ein Heilmittel für das Herz gegen Mattheit und Unlust dar. Deswegen sollte unterhaltsamer Zeitvertreib freigestellt sein. Allerdings sollte dies nicht im Übermaß geschehen, genauso wie man auch die Heilmittel nicht im Übermaß einnimmt. Mit einer derartigen Intention wird also der unterhaltsame Zeitvertreib zu einer Annäherung an Allah. Dies ist das Recht desjenigen, aus dessen Herzen das Musikhören keine lobenswerte Eigenschaft, deren Dynamik er ja erstrebt, vertreibt. Vielmehr hat er lediglich einen Anspruch auf pure genussvolle Freude und Erholung. Er soll es ergo als empfehlenswert ansehen, damit er dadurch zum von uns erwähnten Ziel gelangen kann. Ja! Dies beweist das Verfehlen des Gipfels der Vollkommenheit, denn der Vollkommene ist ja derjenige, der es nicht braucht seiner Seele Ruhe und Erholung auf umstrittene Weise zu spenden. Gute Taten der Frommen können jedoch als zu wenig Gutes der Allah Nahestehenden gelten. Wer aber umfassendes Wissen um die Heilbehandlung der Herzen und die Aspekte der Liebenswürdigkeit gegenüber den Herzen besitzt, um diese zur Wahrheit zu führen, der weiß auch genau, dass Ruhe und Erholung der Herzen durch derartige Mittel als nutzbringende und unentbehrliche Heilmethoden gelten." Zitiert nach Ihjaa´u Ulumi-d-Dien (Die Wiederbelebung der Religionswissenschaften) von Imam Al-Ghazaali.

Auch von Al-Izz Ibn Abdu-s-Salaam, dem Sultan der Gelehrten, ist überliefert, dass der Gesang sowohl mit als auch ohne Musikinstrumente ein Weg zur Herzensfrömmigkeit sein kann. Er sagte hierzu:

"Der Weg zur Herzensfrömmigkeit ist durch äußere Mittel. So kann er durch den Quran sein, und jene sind die besten Hörenden; und er kann auch durch Ermahnung und Warnung sein sowie durch aufmunternden Gesang und Hymnen und den von Musikinstrumenten, über deren Hören es verschiedene Meinungen gibt, begleiteten Gesang. Wenn also der diese Musikinstrumente Hörende dies als von der Scharia her erlaubt betrachtet, dann handelt er recht mit dem Zuhören bei dem, was ihn in eine angenehme Lage führt; allerdings lässt er die Frömmigkeit unberücksichtigt, wenn er etwas hört, über dessen Erlaubnis es unterschiedliche Meinungen gibt." Zitiert nach At-Tadschu wa-l-Iklil (Die Krone und das Diadem) von Al-Abdari Al-Maliki.

Scheich Ibn Al-Qammah sagte:
"Scheich Izzu-d-Dien ibn Abdu-s-Salaam wurde nach allen Musikinstrumenten gefragt, worauf er entgegnete, sie seien freigegeben. Da sagte Scheich Scharaf Ad-Dien At-Tilmisaani: «Er will damit sagen, dass in der Sunna kein authentischer Beweis für dessen schariatisches Verbot vorkommt - wobei er mit diesen Worten die Leute Ägyptens ansprach.» Als Scheich Izzu-d-Dien ihn hörte, sagte er: "Nein, ich wollte damit sagen, dass sie an sich freigegeben sind." (Farahu-l-Asmaa´a bi Ruchasi-s-Sama´ [Die Freude der Hörenden über die Zulässigkeit des (Musik-)Hörens], von Abu-l-Mawahib Asch-Schaazli).

Al-Qurtubi zitierte in Al-Dschaami´u li Ahkaami-l-Quran die Aussage von Al-Quschairi, der sagte:

"Man schlug Trommeln während des Einzugs des Propheten (Allah segne ihn und seine Familie und schenke ihnen Wohlergehen!) in Medina. Da schickte Abu Bakr sich an, sie davon abzuhalten und sie zu vertreiben, woraufhin Allahs Gesandter (Allah segne ihn und seine Familie und schenke ihnen Wohlergehen!) sagte: "Lass sie, o Abu Bakr, damit die Juden wissen, dass unsere Religion einen weiten Spielraum hat." So schlugen die Frauen die Trommeln und sagten: "Wir sind die Töchter des Stammes der Nadschaar, wie trefflich ist Muhammad als Nachbar!" Daraufhin sagte Al-Qurtubi: "Man sagt, dass das Verwenden der Trommel bei der Eheschließung wie das des Tamburins ist. Desgleichen ist auch das Verwenden von Musikinstrumenten beim Eheaufgebot statthaft - unter der Bedingung, dass der Liedtext akzeptierbar ist und dass es dabei keine Obszönität gibt." Zitiert nach Tafsieru-l-Qurtubi (Exegese des Al-Qurtubi).

Asch-Schaukaani zitierte in Nailu-l-Autaar (Erfüllung der Wünsche) im Abschnitt "Was über das Unterhaltungsinstrument geäußert wurde" die Meinungen der die Freigabe Vertretenden und die der das Verbot Vertretenden und wies auf die Beweise beider Gruppen hin. Anschließend kommentierte er den Hadith "Alles, womit der Muslim sich in unterhaltender Weise die Zeit vertreibt, ist nichtig, ausgenommen davon sind sein Bogenschießen, seine Pferdezucht und sein Spielen mit seiner Familie, denn das gehört zum Rechten" mit den Worten Al-Ghazaalis:

"Wir sagten, dass der Begriff des Propheten (Allah segne ihn und seine Familie und schenke ihnen Wohlergehen!) "nichtig" kein Beweis für ein schariatisches Verbot darstellt, vielmehr handelt es sich um einen Beweis dafür, dass es ohne Nutzen ist."

Dann sagte Asch-Schaukaani: "Das ist eine richtige Antwort, weil das, was ohne Nutzen ist, zum Freigestellten gehört." Dann führte er weitere Beweise in diesem Zusammenhang, zu denen der von At-Tirmidhi überlieferte und von ihm für authentisch erklärte Hadith gehört, wonach Buraida (möge Allah an ihm Wohlgefallen finden!) über die Frau berichtete, die gelobte, vor Allahs Gesandten (Allah segne ihn und seine Familie und schenke ihnen Wohlergehen!) das Tamburin zu schlagen, falls Allah diesen von einem Feldzug unversehrt zurückkehren lasse. Der Gesandte (Allah segne ihn und seine Familie und schenke ihnen Wohlergehen!) erlaubte ihr, das Gelöbnis zu erfüllen und das Tamburin zu schlagen.

Die Erlaubnis des Gesandten beweist, dass das, was sie machte, nicht als Sünde in diesem Zusammenhang angesehen wird. 

Asch-Schaukaani weist auf eine vom ihm verfasste Abhandlung hin, deren Titel Ibtalu Da´wa-l-Idschmaa´ alaa Tahriemi Mutlaqi-s-Sama´ (Die Nichtigkeit der Behauptung hinsichtlich der Übereinstimmung über das Verbieten des absoluten Musikhörens an sich) lautet (Nailu-l-Autar).

Ibn Hazm sagte hierzu: "Allahs Gesandter (Allah segne ihn und seine Familie und schenke ihnen Wohlergehen!) sagte: «Die Taten sind entsprechend den Absichten, und jeder bekommt, was er beabsichtigt hat.» Wer demnach dem Gesang zuhört, um einer Sünde gegenüber Allah dem Erhabenen Vorschub zu leisten, ist ein Frevler, und das gilt auch für alles andere als den Gesang, während derjenige, der dem Gesang zuhört, um sich aufzuheitern, damit er sich für seinen Gehorsam gegenüber Allah dem Allmächtigen und Majestätischen sowie seiner Seele Tatkraft und Energie verleiht und gute Taten verrichtet, folgsam ist und Gutes tut, und dieses sein Handeln ist recht und billig. Wer nun aber weder Gehorsam noch Sünde beabsichtigt, so handelt es sich um einen ihm nachsehbaren Zeitvertreib, wie beispielsweise das Hinausgehen eines Menschen in dessen Garten und das Spazierengehen in diesem oder das Sitzen und Beobachten eines Menschen vor der Tür dessen Hauses." (Al-Muhalla von Ibn Hazm).

Wir fassen also all das oben Erwähnte dahingehend zusammen, dass der Gesang sowohl mit einem Musikinstrument als auch ohne eine Frage ist, über die sich seit den Anfangszeiten Debatten und Dispute unter den Gelehrten des Islam erhoben.

So stimmten sie miteinander in einigen Punkten überein und waren in anderen Punkten verschiedener Meinung. Sie stimmten miteinander im schariatischen Verbot desjenigen Gesangs überein, der Unanständiges, Frevel oder Anstiften zu einer Sünde enthält, denn der Gesang ist ja nichts weiter als Worte, und was von ihnen akzeptierbar ist, wird akzeptiert, und was von ihnen abstoßend ist, wird nicht akzeptiert. Jede Rede, die etwas schariatisch Verbotenes enthält, ist verboten.

Wie wird es dann wohl sein, wenn dabei Metrum, Melodie und Einwirkung zusammenkommen?

Die Gelehrten stimmten auch in der Freistellung dessen überein, was bar jenes Unanständigen ist, wie der natürliche von Instrumenten und Aufreizen freie Gesang.

Dies gilt für legale Freudentage, wie Hochzeitsfest, Ankunft eines Heimkehrers, Feiertage und ähnliche. Dagegen waren sie verschiedener Meinung hinsichtlich des von Instrumenten begleiteten Gesangs.

Was wir als das Wahrscheinlichste bevorzugen und wozu uns auszusprechen wir neigen, ist die Zulässigkeit des Verwendens und Hörens von Saiteninstrumenten, aber unter der Bedingung das Gute auszuwählen und sich nicht mit dem zu beschäftigen, was vom Gedenken Allahs ablenkt oder was zum Unmoralischen führt oder mit der edlen Scharia unvereinbar ist. Denn es gibt weder in der Offenbarungsschrift Allahs des Erhabenen noch in der Sunna SEINES Gesandten (Allah segne ihn und seine Familie und schenke ihnen Wohlergehen!) oder in dem, was auf der Grundlage dieser beiden durch Analogieschluss und Beweisführung begreiflich wird, was das Verbieten des bloßen Zuhörens guter rhythmisch abgewogener Töne mit irgendeinem Musikinstrument erfordert. Vielmehr findet die reine Naturveranlagung die schönen Töne süß und angenehm.

In diesem Zusammenhang ist es angemessen auf einige Punkte aufmerksam zu machen:

1. Die Zulässigkeit hinsichtlich des Wählens zwischen den Rechtsschulen der sich um eine selbstständige Rechtsfindung Bemühenden und den Imamen, denen man folgt:

Hinsichtlich der Themen der edlen Scharia gibt es zwei Kategorien:

Eine Kategorie, in der allgemeiner Konsensus besteht und die von der Religion her als zwangsläufig bekannt gilt - wobei es keine Rolle spielt, ob es sich um Beweismittel mit definitiver Beweiskraft a priori handelt oder dies erst durch den Konsensus der Umma über deren Scharia-Norm herbeigeführt worden ist. Dieser Kategorie darf man nicht widersprechen, weil sie die Identität des Islam darstellt. Das herabsetzende Schmähen ihrer gilt als herabsetzendes Schmähen der dauerhaften Religionsfestwerte.

Die zweite Kategorie sind jene Themen, über deren Scharia-Norm die Gelehrten sich nicht einig sind und über die kein allgemeiner Konsensus besteht. Hinsichtlich dieser Themen ist die Angelegenheit sehr komplex, wobei die Meinungsverschiedenheit der Gelehrten eine Barmherzigkeit darstellt und ein Muslim irgendeine von deren Meinungen übernehmen darf.

2. Das Missbilligen erfolgt nur hinsichtlich unstrittiger Fragen:

Der Hochgelehrte As-Sujuti überlieferte in Al-Aschbahu wa-n-Nazaa´ir (Ähnliches und Vergleichbares): "Man sollte den Anderen nicht hinsichtlich strittiger Fragen missbilligen, sondern hinsichtlich derer, über die man sich einig ist." Das heißt, wenn sich die Vertreter der Rechtsschulen über eine Frage nicht einig sind, dürfen die Vertreter einer Rechtsschule die Vertreter einer anderen nicht missbilligen, da ja die Frage umstritten ist.

3. Unterscheidung zwischen der Grenze der Rechtswissenschaft und der Rechtsnorm sowie der Grenze der Frömmigkeit:

Die Gelehrten sind zur übereinstimmenden Meinung gelangt, dass die Grenze der Frömmigkeit weiter ist als die der Rechtsnorm, und zwar deshalb, weil der Muslim möglicherweise vieles Freigestellte aus Zurückhaltung unterlässt. Das bedeutet aber nicht, dass er das für Andere als schariatische Pflicht verbindlich macht, denn dann würde er sich ja auf das Feld des Verbotenen von etwas schariatisch Erlaubtem begeben. Ferner bedeutet dies nicht, dass er die mehrdeutigen strittigen Fragen als eindeutige unstrittige in Anwendung bringt, denn das gehört zur Schaffung der Verengung dessen, was Allah und SEIN Gesandter (Allah segne ihn und seine Familie und schenke ihnen Wohlergehen!) weit gestaltet haben. 

Vielmehr sollte er sich an die gesitteten Regeln des Disputierens halten, ebenso wie es die Methode der rechtschaffenen Vorfahren bei strittigen und der sich bemühenden selbstständigen Rechtsfindung bedürftigen Fragen war."

Und Allah weiß es am besten!