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Rubrik: Disput
Autor: tauhid.net

Suche nach Einheit

Und hätte Allah es gewollt, hätte Er euch sicherlich zu einer einzigen Gemeinde gemacht;
jedoch Er läßt irregehen, wen Er will, und führt richtig, wen Er will,
und ihr werdet gewiß zur Rechenschaft gezogen werden für das, was ihr getan habt
.
(An-Nahl 93)

Ich erinnere mich noch, wie ich vor über 20 Jahren dem Islam beitrat. Eine neue Welt lag vor mir, darauf wartend, entdeckt zu werden! Soviele Dinge, die man zu lernen und an die man sich zu gewöhnen hatte.

Unglücklicherweise waren nicht alle Dinge, die ich lernte und anfing zu praktizieren, wirklich islamische Lehren, sondern lokale indonesische Traditionen. Meine Beine, nicht daran gewöhnt, stundenlang in einer Yoga-artigen Position zu verharren, protestierten ziemlich heftig, aber weil mein lieber Lehrer mir sagte, die Leute würden es nicht mögen, wenn ich anders säße, versuchte ich, die Qual geduldig zu ertragen. Ich sagte mir, wenn dies Islam von mir verlangte, wäre ich willens, mich daran zu gewöhnen. Und wie in diesem kleinen Beispiel, lernte und praktizierte ich eine Menge Dinge, die nichts mit Islam zu tun haben, weil ich sie als Teil des Islam betrachtete.

Langsam entdeckte ich dann, dass es viele verschiedene Ansichten zu unterschiedlichen Themen gibt, was mich doch etwas verwirrte. Ich versuchte, das für mich zu nehmen, was mir am vernünftigsten erschien, meinen eigenen Intellekt benutzend. Zu dieser Zeit war das Internet noch unbekannt, und ich war auch weit von Gelehrten entfernt.

Wie ich nun damit beschäftigt war herauszufinden, wie denn die Dinge nun nach dem "wirklichen Islam" gemacht werden sollten, und dabei viel Zeit an sekundären Problemen verschwendend wie etwa, ob die Hände beim Gebet nun ein paar Zentimeter höher oder tiefer zu halten waren, merkte ich, dass der Geist, die Seele, fort war! Wieviel Anstrengung hatte es mich gekostet, meinen Weg zum Islam zu finden! Wie nahe kam ich Gott auf der Suche nach der Wahrheit! Und als ich sie schließlich fand, verlor ich die Spiritualität ... auf die es letzendlich ankommt!

Kurzzeitig glaubte ich ein Heilmittel für diese Katastrophe gefunden zu haben, als ich von 'Salafi' hörte und dem Ruf, zu 'Qur'an und Sunnah' zurückzukehren. "Ja, genau", dachte ich, "lasst uns all diesen Müll über Bord schmeißen, der sich in all den Jahrhunderten angesammelt hat, und wieder zurück zu den authentischen Quellen gehen!" Und ich war recht enthusiastisch in dieser Mission, jedem erzählend, man sollte all diese bid'ah sein lassen und zum wirklichen Islam zurückkehren.

Glücklicherweise dauerte es nicht lange bis ich erkannte, dass mit nur zu den Quellen zurückkehren noch nicht viel gewonnen ist, da es stets einer Interpretation dieser Quellen bedarf. Und das genau jene Leute, die anderen 'taqlid' vorwerfen, noch viel fanatischer ihren Ulamas anhängen als irgendein Anhänger einer Rechtsschule, da sich ein Anhänger einer Rechtschule im Allgemeinen recht bewusst ist, dass seine Rechtsschule nur eine mögliche Interpretation des Heiligen Gesetzes ist und nicht das Heilige Gesetz selber, wohingegen viele wirklich glauben, sie würden nur dem Heilgen Gesetz folgen und nichts anderem! Diese Arroganz hat zu so einer Aggression geführt, dass manche Muslime andere zu Mushrik erklärten, gegen sie kämpften und töteten, und damit den Engländern, gesteuert von Dajjal, halfen, Kontrolle über den Nahen Osten zu gewinnen, das Kalifat zu zerstören, und den Zionisten zu erlauben, ihre schmutzigen Füße nach Palästina zu setzen.

Die Suche nach meiner verlorenen Spiritualität führte mich zu vielen Gruppen und ich sah viel Gutes bei allen. Als ich z.B. ein paar Sufi-Brüder in Deutschland und Spanien besuchte, war ich beeindruckt von der Atmosphäre, die sie schaffen, indem sie viele Sunnahs leben, angefangen von Turban tragen bis hin zu ein wenig Salz vor dem Essen zu nehmen. Aber mit anderen Dingen konnte ich weniger anfangen, vor allem damit nicht, allen Quatsch, den der Scheich erzählt, annehmen zu müssen, selbst das Bush und Blair Heilige sein sollen!

Und ich fing an zu erkennen, dass sich die Extreme und Gegensätze oft treffen, beide genau der gleichen Sache zum Opfer fallend. Auch wenn z.B. Sufis und Salafis so viele konträre Punkte haben, hier treffen sie sich doch: Beide geben der anderen Gruppe schlechte Namen und beschuldigen sie, in die Irre zu gehen!

Der Prophet s.a.w. sagte: "O ihr Gläubigen, seid Brüder", und Allah befiehlt uns:

Und haltet alle zusammen an Allahs Seil fest, und zerfallet nicht, und gedenket der Gnade Allahs gegen euch, da ihr Feinde waret, und Er eure Herzen so zusammenschloß, daß ihr durch Seine Gnade Brüder wurdet; und da ihr am Rande einer Feuergrube waret, und Er euch ihr entriß. (Ali Imran 103)

Er macht uns weiterhin klar, dass zwar nur Er die Herzen vereinen kann, aber nicht den Zustand eines Volkes ändert, wenn das Volk nicht selber Anstrengung unternimmt!

Muslim überliefert, daß der Prophet – Allah segne ihn und gebe ihm Heil – sagte: „Bei Dem, in dessen Hand meine Seele ist! Ihr werdet den Paradiesgarten nicht betreten, bevor ihr nicht gläubig seid; und ihr werdet nicht (wirklich) gläubig sein, solange ihr euch nicht gegenseitig liebt ...“

Nun lasst uns fragen, was wir zu tun haben, um unsere Einheit wieder zu gewinnen und wieder zu Brüdern werden, um unsere Stärke wieder zu erlangen. Ich glaube nicht, dass man ein Gelehrter sein muss, um zu realisieren, was zu tun ist, denn es erscheint mir recht logisch und einleuchtend. Wenn aber jemand glaubt, er gehöre bereits der einzig rechtgeleiteten Gruppe an, die von den 73 Gruppen ins Paradies kommt, und der alle anderen Muslime irgendwann folgen müssen, dann sollte man nun seine Zeit sparen und nicht weiter lesen.

1) Als erstes müssen wir die gleiche Identität haben! Wir dürfen uns keinen anderen Namen geben, als den, den uns Allah selbst gegeben hat, und das ist Muslim!

2) Zweitens dürfen wir nicht neue Dinge in Islam einbringen, denen nicht jeder zustimmen kann!

Nehmen wir als Beispiel Maulid: Es ist wahr, Salawaat dem Propheten s.a.w. geben ist höchstens empfohlen. Aber warum um Himmels willen müssen wir eine neue Sache aufsetzen, die der Prophet s.a.w. niemals befohlen hat und seine Gefährten r.a. niemals praktiziert haben? Es ist doch klar, dass dies Diskussionen, Debatten, schlechte Gefühle und Spaltung der Ummah zur Folge hat, auch wenn wir gute Gründe dafür haben, dass die Neuerung an sich gemäß den Prinzipien des Islam ist ("Wie kann Salawaat geben und Allah lobpreisen eine Handlung sein, die zum Höllenfeuer verurteilt ist?"), worüber ich nicht debattieren will. Nichtsdestotrotz gibt es auch genug Argumente dagegen, wie z.B. dass das genaue Geburtsdatum des Propheten s.a.w. gar nicht bewiesen ist und dass der 12. Rabiul Awwal auch gut der Todestag des Propheten s.a.w. sein könnte, nicht gerade ein Anlass für fröhliche Stimmung! Der Prophet s.a.w. verbot uns strengstens, die Christen zu imitieren, die den Geburstag von Jesus feiern, und andere Argumente wie, dass der Propehet s.a.w. sagte: "Übertreibt nicht in meiner Lobpreisung, wie die Christen Jesus, den Sohn der Maria, gepriesen haben. Ich bin nur ein Sklave, deswegen nennt mich Sklave Allahs und Sein Botschafter."

Wir können nicht erwarten, dass alle anderen Muslime ihren Mund halten und "tolerant" sind, denn sie werden sicher uns aufzeigen, warum nach ihrer Meinung nach es keine lobenswerte Neuerung ist, vor allem wenn wir es in der Öffentlichkeit praktizieren, die Moscheen benutzen, Einladungen verschicken und um Spenden bitten! Und wir dann auch noch beleidigt sind, wenn die anderen nicht unsere Ansicht teilen, unseren Einladungen nicht folgen und nichts spenden!

Dazu kommt noch, dass viele ungebildete Mulisme nicht unterscheiden können, was ein "zusätzlicher Gottesdienst" ist, eine Neuerung, lokale Tradition und was wirkliche islamische Lehre ist, da sie weit entfernt von verlässlichen Quellen sind. Durch "Extra-Gottesdienst" wird Islam entstellt. Und jemand, der ruhig darüber nachdenkt, was z.B. in einem rückständigen Land wie Indonesien passiert, mit all seiner örtlichen bid'ah, wird da zustimmen müssen.

Der Gesandte Allahs s.a.w. sagte: "Wer etwas Neues dieser unserer Sache (Islam) hinzufügt, wird es (von Allah) zurückgewiesen bekommen." (Bukhari und Muslim)

Ja, es gibt neue Dinge im Islam, die von großem Nutzen sind, und kein Muslim würde dem widersprechen, wie z.B. die Niederschrift des Qur'an als Mushaf durch 'Uthman r.a., oder die Etablierung der verschiedenen Rechtsschulen des Fiqh, als auch Grammatik, Arithmetik oder Bücher über Themen wie Erbschaftsgesetze, die auf Aussprüchen und Anordnungen des Propheten s.a.w. fußen.

Nehmen wir als Beispiel den Qur'an selbst:

Das Original-Schriftstück des Qur'an hatte noch keine Vokalzeichen, in Arabisch tashkîl genannt, die helfen, die Wörter korrekt auszusprechen und Fehler zu vermeiden. Die Einführung der ebensolchen war eine Neuerung, aber sicher eine lobenswerte! Als der islamische Staat expandierte, studierten immer mehr Nicht-Araber den Koran, deswegen nahm die fehlerhafte Aussprache und falsche Leseweise zu. Die Einführung der Vokalzeichen durch Abû al-Aswad tat dem Abhilfe.

Der Qur'ân von Uthmân, dem dritten rechtgeleiteten Kalifen
ohne Vokalzeichen. Aufbewahrt in Taskent.

Es gibt viele Dinge in diesem Zusmmenhang die zeigen, dass der Hadith "Hütet euch vor den neu eingeführten Dingen, da alles Neueingeführte eine ‚Neuerung‘, jede Neuerung ein Irregehen ist, und jedes Irregehen ins (Höllen)feuer führt.“ nicht generell gültig ist.

Dem Propheten s.a.w. wurde spezielle Geschenke von Allah gegeben. Eines davon war, dass seine Ummah nicht kollektiv einem Fehler zustimmen würde! Nach meinem besten Wissen hat niemals jemand gegen oben genannte Neuerung protestiert, auch nicht über den Gebrauch von Computern zum Wissenserwerb, der Gebrauch von Flugzeugen anstatt Kamelen, um zum Hajj zu reisen und dergleichen.

Das Beispiel oben zeigt auch: Es gibt Neuerungen, die gerade eben den ursprünglichen Islam erhalten! Und meinem Verständnis nach, genauso wie die Rechtsschulen die Shariah bewahren und eine Methode bereitstellen, um sie leicht zugänglich zu machen, hatte der ursprüngliche Tassauwuf die Aufgabe, den Geist des Islam zu schützen und auch eine Methode bereitzustellen, um sich diesen zu erarbeiten. Er sollte niemals neue Dinge erfinden, denen viele Muslime nicht zustimmen würden, dadurch die Ummah spaltend und genau gegen jenen Geist verstoßend, den Tassauwuf eigentlich bewahren sollte!

Der Historiker Ibn Khaldun bemerkt in seiner Muqaddima über Tassauwuf:

„Dieses Wissen ist ein Zweig der in der Glaubensgemeinschaft neu eingeführten islamischen Religionswissenschaften. Der Weg jener Leute wird von seinem Anfang an von der frühen muslimischen Gemeinschaft und ihren führenden Leuten, den Prophetengefährten, deren Nachfolgergeneration sowie deren Nachfolgern als Weg der Wahrheit und Rechtleitung angesehen. Seine Grundlage bildet die Widmung für den Gottesdienst, die völlige Hingebung an Allah, den Erhabenen, die Abwendung vom Putz und Schmuck des Diesseits, der Verzicht auf die Freuden, den Besitz und das Ansehen, denen sich die meisten Menschen zuwenden, und sich von anderen zum Gottesdienst allein zurückzuziehen. Das war unter den Prophetengefährten und den frühen Muslimen allgemein verbreitet. Doch als sich vom zweiten islamischen Jahrhundert an die Beschäftigung mit den diesseitigen Dingen verbreitete und die Leute sich in die Weltlichkeit hineinziehen ließen, wurden diejenigen, die sich dem Gottesdienst zuwenden, im Besonderen als Sūfiyya oder ‚Leute des Tassauwuf‘ bezeichnet.“

Es ist wahr; der Begriff Tassauwuf existierte nicht zur Zeit der Sahabas r.a.! Aber so war es auch mit vielen anderen Namen der Islamischen Wissenschaft. Es gab sie nicht, weil sie nicht zu existieren brauchten. Der einfache Grund war, dass die Gefährten Rasulallah s.a.w. als leuchtendes Beispiel direkt vor sich hatten.

Nun lasst uns einen Augenblick reflektieren: Wenn es im Islam wirklich nur um das Gesetz ginge, die man in Ahadith festhalten kann, also in Worten, müssten wir nicht dann einen wesentlich besseren Status haben als die Sahabas r.a.? Denn wir haben fast alle Ahadith zusammengestellt und klassifiziert, und mit Hilfe des Computers ist uns jeder Koranvers und Hadith über jede Sache in Sekunden zugänglich, wohingegen das Wissen jedes Gefährten begrenzt war. Zusätzlich haben wir auch noch die moderne Wissenschaft zur Verfügung, die uns auch einen erweiteren Horizont vermittelt. Haben wir also einen höheren Status als die Prophetengefährten r.a.?

Natürlich nicht! Nicht im Geringsten! Und warum nicht?

Wiederum: Die Prophetengefährten stehen so weit über uns im Rang, weil sie Rasulallah s.a.w. direkt vor sich hatten und sahen und fühlten, was es heißt, Islam zu praktizieren und zu leben. Ganz wie normales Eisen zum Magnet wird, wenn es mit einem Magnet zusammengebracht wird, oder Dinge zu duften anfangen, wenn sie mit Parfum in Berührung kommen, so werden auch Menschen voll Licht, wenn sie mit Licht in Berührung kommen!

Der Geist des Islam liegt in der Sunnah des Propheten – Allah segne ihn und gebe ihm Heil. Die Aufrichtigkeit gegenüber Allah (Al-Ihsan), die es erfordert, war unter den frühesten Muslimen die Regel, für die dies einfach ein namenloser Seinszustand war, während es erst ein ausgeprägter Wissenszweig wurde, als die Mehrheit der Gemeinschaft sich von diesem Zustand entfernt und gewandelt hatte. Muslime der nachfolgenden Generationen benötigten systematische Bemühungen, um ihn zu erlangen, und es war wegen des Wandels in der islamischen Umgebung nach den frühesten Generationen, daß ein Wissenszweig mit dem Namen Tassauwuf entstand.

Nehmen wir das Gebet (Shalat) als Beispiel: Man kann alle Ahadith dazu sammeln und das Gebet äußerlich perfekt machen, aber heißt das, dass man auch dadurch khusyu bekommt und sich Allah nähert? Überhaupt nicht! Rasulallah s.a.w. sagte, dass am Ende der Zeit vom Shalat nur der Name übrigbleibt.

Man stelle sich das khusyu der Sahabas vor: Man konnte einen Pfeil aus ihrem Körper ziehen und sie würden es nicht merken (so überliefert von Ali r.a.)! Wohingegen heutzutage eine einzige Mücke fähig ist, unser Shalat zu versauern.

Der Geist, "Allah anzubeten und zu dienen, als ob man Ihn sähe", musste bewahrt werden, genauso wie die Shariah bewahrt werden musste, was natürlich eine wesentlich schwierigere Aufgabe war. Und die Muslime versagten in dieser Aufgabe. Der Prophet s.a.w. sagte:

„Gewiß, Allah nimmt das Wissen nicht hinweg, indem Er es aus dem Gedächtnis der Menschen herausreißt, sondern Er nimmt das Wissen hinweg, indem Er die Gelehrten sterben läßt. Wenn Er dann keinen von ihnen mehr übrig gelassen hat, nehmen die Menschen unwissende Köpfe, die gefragt werden und die dann Urteile ohne (Grundlage des) Wissen(s) geben, so daß sie selbst in die Irre gehen und auch (die anderen) in die Irre führen.“ [Fath al-Bari, 1.194, hadith 100]

Ich denke, es ist ziemlich offensichtlich, dass mit diesem Hadith nicht die äußere Wissenschaft der Shariah gemeint ist, denn wir sehen, dass die äußere Wissenschaft immer noch gut bewahrt ist, vor allem in der Zeit des Computers! Aber der Geist ist weg! Und nur Allah kann ihn wiederbeleben! Man sollte es nicht "Sufismus" nennen, da dieser Begriff gründlich ruiniert wurde! Lasst es uns lieber 'Ihsan' nennen.

Kann der Lohn für Güte (Ihsan) (etwas) anderes sein als Güte (Ihsan). [Ar-Rahman 60]

Die wichtigsten Bewahrer der Shariah sind die Rechtsschulen, die ein System hervorbrachten, dass die Quellen klassifiziert, um das richtige Verständnis (Fiqh) zu gewinnen. Die Rechtsschule ermöglichen es außerdem, schnell eine Lösung für ein Problem zu finden, ohne erst den ganzen Qur'an und den Hadith durchzuforsten, um die Antwort zu finden. Ein Interview zwischen Professor Muhammad Sa‘id al-Buti und einem Salafi, das in Damaskus stattfand, verdeutlicht dies. Buti fragte ihn:

Buti: "Was ist deine Methode, um die Gesetze Allahs zu verstehen? Nimmst du sie von Qur'an und Sunnah, oder den Imamen des Ijtihad?"

Salafi: "Ich untersuche die Positionen der Imame und ihre Beweisführung, und nehme dann die, die am nächsten dem Beweis von Qur'an und Sunnah entspricht."

Buti: "Du hast 5000 Syrische Pfund, die du bereits sechs Monate lang besitzt. Du kauftst dann Waren und beginnst zu handeln. Wann musst du Zakat auf die Waren bezahlen, nach sechs Monaten oder nach einem Jahr?"

Salafi: [Denkt nach und sagt,] "Deine Frage impliziert, dass du glaubst, Zakat müsste auf Geschäftskapital gezahlt werden."

Buti: "Ich frage nur! Du solltest auf deine eigene Art antworten. Hier vor dir ist eine Bücherei, die Bücher koranischer Exegese enthält, Hadith, und die Werke der Imame des Mujtahid."

Salafi: [Er reflektiert einen Moment und sagt dann,] "Bruder, das ist Din und keine einfache Angelegenheit! Man könnte vorschnell antworten, aber es erfordert Denken, Nachforschung und Studieren; dies alles braucht Zeit. Und wir sind hier her gekommen, um etwas anderes zu diskutieren."

Hier wird offensichtlich, dass selbst ein Ulama, ein Hadith-Experte, nicht schnell eine recht simpel gestrickte Frage beantworten kann, die jederzeit auftauchen kann! Und es ist auch klar, dass der normale Muslim nicht die Resourcen und Zeit hat, solche Fragen zu untersuchen, und schon gar nicht ist er in der Lage, die Beweisführung eines Imam des Mujtahid zu beurteilen. Er muss sich also einer vertrauenswürdigen Quelle anvertrauen, die bereits alle verschiedenen Ayaat und Ahadith zu einem bestimmten Problem untersucht hat und eine Regel dafür aufgestellt hat. Und dies bringt uns zum dritten Punkt:

3) Wenn wir Einheit erreichen wollen, müssen wir uns auf eine bestimmte Rechtsgrundlage einigen, ohne fanatisch darüber zu sein. Mit allem Respekt, aber nur ein Idiot kann glauben, dass wir in der Lage sind zu wissen, was ganz genau vor 1400 Jahren passiert ist. Nur der Koran ist geschützt von Allah (und selbst bei ihm gibt es unterschiedliche Lesarten), nicht der Hadith. Nur Allah allein weiss, wie weit die Heuchler in der Lage waren, den Hadith zu verfälschen. Deswegen muss Toleranz bei dem Muslimen herrschen.

Wir können nicht das Tragen des Tschadar anderen aufzwingen, wenn es Beweise dafür gibt, dass Hände und Gesicht sichtbar sein dürfen, behauptend, dass all diese Beweise "dhaif" sind. Wir können auch nicht nach unseres Nachbarn Füßen fischen, obwohl wir sehen, dass er es nicht mag, weil wir selber denken, es wäre von allergrößter Wichtigkeit, die Füße beim Shalat aneinander zu tun, obwohl keine Rechtsschule dieser Auffassung ist und die dahingehenden Ahadith symbolisch interpretiert.

Eine Rechtsschule ist menschengemacht. Sie beinhaltet deswegen Fehler. Aber deswegen kann nicht jeder Otto-Normal-Muslim ohne höhere islamische Bildung daherkommen, einen Hadith aus seiner Reclam-Taschenausgabe von Bukhari ziehen und einen Mujtahid-Imam herausfordern und ihm sagen, dass dieser Hadith seiner Interpretation des Heiligen Gesetzes widerspricht!

Wir sind nicht Sklaven eines Mazhab und folgen ihm blindlings, sondern wir wählen mit einer Rechtsschule die vertrauenswürdigste Quelle die es momentan gibt, um Debatten vorzubeugen wie z.B. der, ob der Zeigefinger im Tashahud rauf und runter bewegt werden soll oder nicht. Wir haben wirklich Wichtigeres zu tun! InshaAllah wird es nicht mehr lange dauern, bis al-Mahdi sich offenbaren wird und alle Dinge gerade richtet! Zu dieser Zeit werden wohl die meisten von uns erstaunt sein, was Islam wirklich ist! Und alle Rechtsschulen, alle erfundenen Namen wie Sufi, Da'i, Salafi, Shia, Leute des Tauhid und der Sunnah und so weiter und so fort, werden dann aufhören zu existieren.

Wir sind alle Muslime und sollten nichts anderes sein! Wir sind alle Geschwister und haben uns zusammenzuschließen, wenn wir erfolgreich sein wollen! Und dies ist nicht möglich ohne Opfer! Wir müssen Dinge aufgeben, die uns trennen, auch wenn sie uns liebgeworden sind, und uns auf eine gemeinsame Basis einigen! Diese Basis wird von ihrer Natur unvollkommen sein und nur zeitweise bestehen ... bis der rechtgeleitete Amir dieser Ummah erscheint.

Und sprich: "Gekommen ist die Wahrheit und dahingeschwunden ist die Falschheit; wahrlich, das Falsche verschwindet bestimmt." (Al-Isra' 81)

Allah gibt uns ein Gleichnis im Fruchtbaum: Ein Fruchtbaum muss ab und zu zurückgeschnitten werden, damit er gesünder wächst und mehr Früchte bringt!

Um es noch einmal kurz zusammenzufassen:

  • Wir dürfen uns nur Muslim nennen und nichts anderes!
  • Wir dürfen nur praktizieren, was fest in Qur'an und Sunnah verankert ist, oder wo Einstimmung bei den Muslimen herrscht. Wenn Zweifel herrschen, aber man für sich selber festen Glaubens ist, dies wäre eine wichtige Sache, dann wenigstens diese aus der Öffentlichkeit raushalten, niemanden anders dazu einladen und keine Diskussionen darüber anfangen!
  • Wir dürfen nicht unsere Interpretation der Shariah anderen aufzwingen, so lange die anderen Rückhalt in Qur'an und Sunnah haben, oder das Urteil einer Rechtsschule (in welchem Fall man annehmen muss, dass ein solcher Rückhalt besteht).

Ich bin sicher, die rechtgeleitete Gruppe von den 73 Gruppen, die es laut Rasulallah s.a.w. gibt, ist die, die immer noch den anderen Muslimen die Hand reichen kann, das Gute in allen Gruppen sucht und nach Einheit strebt! Diese sind es, die wirklich den Propheten s.a.w. lieben, denn sie verstehen, wie der Prophet s.a.w. leiden würde, wenn er seine Ummah in diesem desolaten Zustand gegenseitigen Hasses sehen würde! Diese sind es, die Al-Ahad und Al-Wahid dienen! Unser Gott ist eins, unsere Ummah sollte auch eins sein!

Diese eure Gemeinschaft ist eine einheitliche Gemeinschaft;
und Ich bin euer Herr, darum dient Mir.
[Al-Anbiya 92]


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