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Autor: Abdullah

IS - Terror

Die Masse der Muslime hat bezüglich der von den Angehörigen des sogenannten „Islamischen Staates“ (IS) verübten Greueltaten keine Bringschuld und muß sich für nichts entschuldigen.

Eine Anzahl von international anerkannten islamischen Religionsgelehrten hat in einem offenen Brief den selbsternannten Kalifen des IS, Abu Bakr al-Baghdadi, auf die von ihm und seinen Leuten begangenen Fehler hingewiesen und damit den Standpunkt der Mehrzahl der Gelehrten aufgezeigt (http://madrasah.de/leseecke/islam-allgemein/offener-brief-al-baghdadi-und-isis). Es ist wichtig, daß all jene Muslime, die mit dem Gedanken spielen, sich dem IS anzuschließen, diesen Brief in voller Länge lesen, um damit von ihrem Vorhaben abgebracht und zu einem Umdenken bewegt zu werden. Das wäre vielleicht eine bessere Vorbeugung, als ihnen die Ausreise aus der BRD zu verweigern.

In dem genannten offenen Brief an den selbsternannten Kalifen des „Islamischen Staates“ (IS) heißt es bezüglich der Christen im Irak und in Syrien: „... Diese Christen haben nicht gegen den Islam gekämpft, noch sich gegen die Muslime erhoben, sondern sind Freunde, Nachbarn und Mitbürger. Seit 1400 Jahren leben sie unter vertraglicher Regelung mit den Muslimen zusammen, und die Regeln des Dschihâd sind nicht auf sie anwendbar. ... Kurzum: Sie sind keine Fremden, sondern gehören seit vorislamischer Zeit zu den Bewohnern dieses Landes. In allen Kriegen haben sie (zusammen mit den Muslimen) ihr Land gegen die Kreuzfahrer, die europäischen Kolonialmächte, Israel usw. verteidigt. Wie könnt ihr sie da als Feinde behandeln?“

Was die Ersatzsteuer (dschizya) betrifft, so ist sie nach der Scharîa zweierlei Art: 1. die von denjenigen erhoben wird, die gegen den Islam gekämpft haben ... und die sie unter Demütigung zu entrichten haben ... 2. von denjenigen, die nicht gekämpft haben, wird sie ohne deren Demütigung und ohne Zwang anstelle der wohltätigen Abgabe (zakât) erhoben, die die Muslime zu leisten haben, wobei sie häufig weniger beträgt als letztere. Sie kommt in die Staatskasse und wird von dieser für bedürftige christliche Mitbürger ausgegeben.

Ihr habt die Jesiden (Êzîden) den Regeln des Dschihâd unterstellt, obwohl sie weder gegen euch noch andere Muslime gekämpft haben. Ihr betrachtet sie als „Teufelsanbeter“ und habt ihnen die Wahl zwischen dem Tod oder der zwangsweisen Annahme des Islams gelassen (Zwangsbekehrung ist im Islam unzulässig). Ihr habt hunderte von ihnen getötet und in Massengräbern verscharrt; ihr habt den Tod und das Leid hunderter anderer verursacht. Hätten nicht die Amerikaner und Kurden eingegriffen, so wären zehntausende von ihnen, Männer, Frauen, Kinder und Greise ums Leben gekommen. Das alles sind abscheuliche Verbrechen. Nach dem islamischen Religionsrecht sind sie den Zoroastriern gleichzustellen, auf Grund der Worte des Gesandten Allahs – Allah segne ihn und gebe ihm Heil: „Wendet auf sie (die Zoroastrier) die Handlungsweise gegenüber den Angehörigen der anderen Offenbarungsreligionen an.“ [Mâlik, Muwatta', Nr. 617; asch-Schâfi´î, Musnad, Nr. 1008] Folglich sind sie wie die Angehörigen anderer Offenbarungsreligionen zu behandeln. Allah, der Erhabene, sagt: Gewiß, diejenigen, die glauben, und diejenigen, die dem Judentum angehören, und die S â bier und die Christen und die M adschû s und diejenigen, die Göt­zendiener sind – gewiß, Allah wird am Tag der Auferstehung zwischen ihnen entscheiden; Allah ist ja über alles Zeuge.“ [Qur 'â n , 22,17] Zahlreiche Gelehrte unter den rechtschaffenen Früheren (as-Salaf as- Sâlih ) haben sie auf Grund der vorstehenden prophetischen Überlieferung (hadîth) der Regel für die Zoroastrier zugerechnet. Die Umayyaden sahen die Hindus und Buddhisten als Leute mit Schutzvertrag (Ahl a dh - Dh imma) an. Der bekannte Qur 'â n-Kommentator al-Qur t ub î sagt hierzu: „Nach al-Auzâ ´ îs Meinung wird die Dschizya von jedem Anbeter von Götzen oder des Feuers entgegengenommen, von jedem Gottesleugner oder Abstreiter. Ebenso ist es nach Mâliks Rechtsschule, der die Meinung vertritt, daß die Dschizya von allen Arten von Polytheisten und Leugnern, Arabern oder Nichtarabern angenommen wird, ... außer von Apostaten.“ [Tafsî r al -Qurtubî]

Im Internet ist ein Video veröffentlicht worden, in dem zu sehen ist, wie drei unbewaffnete LKW-Fahrer von einer IS-Patrouille angehalten werden. Die drei sagten über sich selbst, sie seien Muslime. Der Anführer der Patrouille fragte sie nach der Zahl der Rakaas in einigen Gebeten, die diese nicht richtig beantworteten. Daraufhin urteilte der IS-Mann über die drei, daß sie ungläubige Alawiten seien, und er und die anderen Mitglieder erschossen sie kaltblütig. Diese im Islam verbotene Tat ist ein abscheuliches Verbrechen.

Kurz zusammengefaßt: Es ist unzulässig, einen Muslim leichtfertig als außerhalb des Islams stehend (kâfir) zu erklären. Dazu muß man ihm nachweisen, daß er vorsätzlich etwas geäußert oder getan hat, was ihn außerhalb des Islams stellt. Die Leugnung von Dingen oder Dogmen, über die unter den islamischen Religionsgelehrten Meinungsverschiedenheit besteht, darf keinesfalls zum Anlaß der Bezichtigung der Ungläubigkeit (takfîr) genommen werden. Die im Video gezeigte Prüfung der drei Gefangenen ist zur Feststellung des Unglaubens jener Personen völlig ungeeignet.

Außerdem ist es eine ganz andere Frage, ob diese Personen hätten getötet werden dürfen, selbst wenn sie außerhalb des Islams Stehende (kuffâr) gewesen wären. Zivilisten, die dem kämpfenden Feind Nahrung, Munition oder andere Versorgung bringen, ohne selbst zu kämpfen, dürfen nicht als Kämpfer behandelt werden und nicht getötet, sondern nur gefangen genommen werden.

Der Islam ist dazu ausgelegt, die Sklaverei im Laufe der Zeit aufhören zu lassen und abgeschafft sein zu lassen, und die Freilassung von Sklaven wird im Qur'ân an zahlreichen Stellen als eine verdienstvolle Tat erwähnt . Nachdem die offizielle Abschaffung der Sklaverei seit ungefähr hundert Jahren weltweit gelungen ist und bei den Muslimen Konsens über die Aufhebung der Sklaverei besteht, verstoßt ihr dagegen, indem ihr Frauen zu Sexsklavinnen macht. Auf diese Weise habt ihr erneut auf der Erde Verderben gestiftet ... und den Vertrag gebrochen, den die muslimischen Staaten bezüglich des Verbots von Sklaverei unterzeichnet haben. Ihr werdet die Verantwortung für dieses schwere Verbrechen zu tragen haben, das in der Zukunft vielleicht zu für alle Muslime negativen Reaktionen führen wird.

All das scheinen die Leute vom IS und ihr „Kalif“ zu ignorieren, und es ist typisch für sie und selbst für friedliche islamische Gruppen mit ähnlicher Ideologie, zu meinen, sie hätten die (vermeintliche) Wahrheit für sich allein gepachtet und hinsichtlich der Folgen ihres Handelns auf nichts und niemanden auf der Welt Rücksicht nehmen zu müssen, in dem irrigen Glauben, damit Allahs Wohlgefallen zu erlangen, obwohl der Islam unmißverständlich lehrt, daß seine Anhänger unter den Menschen Frieden stiften und nicht Anlaß zu Zwietracht, Bürgerkrieg und Feindseligkeit geben sollen.

In der Sammlung des Nu´aim ibn Hammâd (I, 210, Nr. 573) mit Überlieferungen zu den Versuchungen, bzw. Heimsuchungen und Bürgerkriegen, bringt er die folgende auf ´Alî ibn Abî Tâlib zurückgehende Überlieferung. Da es sich hier um die Voraussage eines zukünftigen Ereignisses handelt, kann ´Alî sie nur vom Propheten Muhammad – Allah segne ihn und seine Familie und schenke ihnen Wohlergehen – haben. Ihre Richtigkeit wird außerdem dadurch bestätigt, daß sie heute tatsächlich eingetreten ist:

„Wenn ihr die schwarzen Fahnen seht, dann bleibt im Lande und bewegt weder eure Hände noch eure Füße. Sodann werden schwache Leute auftreten, von denen man keine Notiz nimmt. Ihre Herzen sind wie Eisenbrocken. Sie sind die Leute des „Staates“. Sie halten weder eine Abmachung noch eine Vereinbarung ein. Sie rufen zur Wahrheit auf, doch gehören sie nicht zu denjenigen, die diese vertreten. Ihre Namen sind Beinamen (mit dem dem Wort Abû ... am Anfang); sie nennen sich nach ihren Herkunftsorten (oder -Ländern). Ihr (langes) Haar hängt lose herunter wie das Haar von Frauen. (Sie werden wirksam sein) bis sie sich untereinander uneinig werden. Hierauf wird Allah die Wahrheit (oder: das Recht) demjenigen geben, wem Er will.“

Es ist verblüffend, daß Allahs Gesandter – Allah segne ihn und seine Familie und schenke ihnen Wohlergehen – ihr Auftreten vorausgesagt und wie genau er sie beschrieben hat. Im folgenden Video erläutert der Berliner Imam ´Abd al-´Adhim Kamouss die in der Überlieferung aufgezählten Eigenschaften eingehend: http://www.youtube.com/watch?v=qOAJHcNEqOk

In dem genannten Hadith wird als eines ihrer Merkmale genannt: „sie sind die Leute des Staates“ In den arabischen Berichterstattungen kann man bemerken, daß viele Leute anstatt „Ad-Daula al-Islamiyya“ einfach nur „Ad-Daula – der Staat“ sagen. Damit ist dieser Satz so, als würde man sagen: „Sie sind die Leute des IS“. Deutlicher kann der Hinweis gar nicht mehr sein, zusätzlich zu den anderen Merkmalen, die alle zutreffen. Am Anfang der Überlieferung heißt es: „Wenn ihr die schwarzen Fahnen seht, dann bleibt im Lande und bewegt weder eure Hände noch eure Füße.“ Was ist aus dieser Aussage zu verstehen? – Höchstwahrscheinlich, daß man sich ihnen weder anschließen noch gegen sie kämpfen soll (vielleicht, weil sie letztlich ja doch auch Muslime sind und wenigstens äußerlich eine islamische Ordnung haben, und weil andere es übernehmen, gegen sie zu kämpfen).

„Am Ende werden sie sich entzweien, und Allah wird die Wahrheit (oder: das Recht) demjenigen geben, wem Er will.“

Der Weg dieser vorgeblichen Mudschahidin, die von den sachunkundigen westlichen Journalisten „Gotteskrieger“ oder „Dschihadisten“ genannt werden, führt nicht ins Paradies, sondern in die Hölle, und in einem anderen Hadith, in dem Allahs Gesandter – Allah segne ihn und seine Familie und schenke ihnen Wohlergehen – diese Leute beschreibt, nennt er sie „Hunde des Höllenfeuers“ – wenn das Hadith einwandfrei, der Wortlaut genau überliefert ist und die Beschreibung sich tatsächlich auf sie bezieht.

http://www.youtube.com/watch?v=fm6j5BYsoIg&feature=youtu.be

Der „Islamische Staat“ im Irak und in Syrien hat gewissermaßen zwei Seiten: die eine ist die Errichtung einer islamischen Ordnung auf den von ihm beherrschten Gebieten, in der das islamische Recht – nach Auslegung der IS-Führung – angewandt wird. Andererseits hat er auch die unverkennbaren Kennzeichen einer terroristischen Organisation: seine Kämpfer begehen Greueltaten, die ihnen als Erfüllung islamischer Vorschriften dargestellt werden, für die sie Allahs Lohn erhalten. Von der Führung heißt es, sie sei von Agenten und V-Leuten verschiedener Geheimdienste unterwandert und die militärische Führung bestehe aus ehemaligen Generälen von Saddam Husseins Streitkräften, die erst seit 2003 religiös geworden sind (falls sie Religiosität nicht sogar nur vortäuschen). Die für die Propaganda Zuständigen kämen aus Saudi Arabien und verbreiteten die wahhabitische Takfir-Lehre. Die meisten der ausländischen Mitglieder des IS sind jung und haben weder Lebenserfahrung, um Echt von Falsch zu unterscheiden, noch eine islamische Bildung, um zu wissen, daß die Greueltaten, die sie begehen, mit dem Islam nicht vereinbar sind. So kann ihnen die IS-Führung eine heile islamische Welt vorspiegeln, während sie selbst sich im Geheimen nicht an die islamischen Vorschriften hält. Die in den Gebieten einheimische Bevölkerung und mögliche Kritiker werden mit der Takfir-Keule in Schach gehalten, indem man berechtigte Kritik als Auflehnung gegen das islamische Kalifat interpretiert. Lossagung vom IS wird mit Massakern nicht nur an den Bewaffneten, sondern sogar an Frauen und Kindern beantwortet.

Das alles ist sehr weit vom idealen islamischen Staat des Gesandten Allahs – Allah segne ihn und seine Familie und schenke ihnen Wohlergehen – und der Gesellschaftsordnung der ersten Muslime in Madina entfernt, der kein totalitärer Staat war, sondern in dem jeder sich als ein Teil von ihm betrachtete, der sich seiner Verantwortung bewußt war. Der IS ist auf seiner Seite als Staatsgebilde wohl mehr ein totalitäres Regime nach dem Vorbild heutiger totalitärer Staaten als ein von einer von ihnen heraus vom islamischen Bewußtsein getragenen Gesellschaft, die kaum äußeren Zwangs bedarf, um den Islam zu verwirklichen.

Durch ihre Eigenbezeichnung als „Islamischer Staat“ und die Verwendung islamischer Symbole diskreditieren sie den Begriff vom idealen islamischen Staat und erniedrigen Fahnen und Spruchbänder mit dem islamischen Bezeugungsbekenntnis derart, daß manche sie allein deswegen schänden. Das Auftreten dieser Terroristen im mißbrauchten Namen des Islams bedeutet einen Rückschlag für die Bemühungen um die Errichtung einer wirklich islamischen Ordnung irgendwo auf der Welt.

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Ist der Krieg der von den USA geführten Koalition gegen den IS auch ein Krieg gegen den Islam als Religionsgemeinschaft? – Ja und nein.

In einem heimlich gemachten Video wird eine französische Muslima in einem Internetcafé oder Telefonladen in der Stadt ar-Raqqa, der Hochburg des IS, gezeigt, die in einem Gespräch mit ihrer Mutter in Frankreich sagt, daß es ihr im IS gefalle und sie nicht zurückkehren möchte. In Frankreich ist Muslimas das Tragen einer Gesichtsbedeckung in der Öffentlichkeit per Gesetz verboten („Burka-Verbot“), während es im IS vorgeschrieben ist. Wohin soll eine französische Muslima gehen, außer in den „Islamischen Staat“, wenn ihr in ihrem Heimatland diese Form der Religionsausübung verboten ist und sie in anderen islamisch geprägten Ländern keine Aufenthaltserlaubnis bekommt?! Und nun bombardiert die französische Luftwaffe auch noch das Land, in das ihre Staatsbürgerin vor den säkularistischen Repressalien in ihrer Heimat geflohen ist!

Ohne die von den Kämpfern des IS begangenen Verbrechen beschönigen zu wollen, muß man doch sagen, daß die Berichterstattung der westlichen – und auch arabischen – Medien völlig einseitig und tendenziös ist und versucht, den IS als das absolut „Böse“ darzustellen. In einem Video (https://www.youtube.com/watch?v=AUjHb4C7b94&app=desktop), das anscheinend von einem westl. Berichterstatter mit Erlaubnis und unter Aufsicht Verantwortlicher des IS gemacht wurde, werden einige der Errungenschaften des „Islamischen Staates“ gezeigt, wie die Schließung der Läden zu den Gebetszeiten, die Durchsetzung des Verbots von Alkohol und anderen Drogen und Tabakgenuß, die Sorge für das sittliche Verhalten der Bevölkerung in der Öffentlichkeit, die Öffnung und Abschaffung der unsinnigen und schikanösen, von den ehemaligen Mandatsmächten Großbritannien und Frankreich (Sykes-Picot-Abkommen) gezogenen Grenze zwischen Syrien und dem Irak.

In einem Artikel werden die Kurden, die derzeit aus der Stadt Ain al-Arab, bzw. Kobanê, und den umliegenden Dörfern vor den anrückenden Kämpfer des IS in die angrenzende Türkei fliehen, gewissermaßen als unschuldige Engel dargestellt, während ein Kommentator – zu Recht – den Einwand erhebt, daß diese Kurden von der PYD („Partei der Demokratischen Union“), einer Schwesterpartei, der als terroristische Organisation eingestuften PKK, regiert werden. Zwar sind die meisten Zivilisten unschuldige Opfer, das sind sie jedoch auch auf der Gegenseite. Es heißt dann in jenem Artikel weiter, die türkischen Sicherheitskräfte würden jeden Flüchtling bei der Einreise gründlich nach Waffen untersuchen, um sicherzustellen, daß keine Mitglieder des IS mit hineinkommen. Letztere Aussage ist als eine Irreführung der Leser zu sehen, da die türkischen Sicherheitskräfte die Einreise von PKK-Terroristen verhindern wollen und Kämpfer des IS vermutlich kein Interesse daran haben, in die Türkei auszureisen, sondern allenfalls von dort in den IS einreisen.

Es ist über Videos berichtet worden – deren Echtheit man anzweifeln kann –, in denen die Hinrichtung einiger weniger westlicher Geiseln, insbesondere Journalisten, durch einen vermummten Terroristen zu sehen ist. Darüber gerät die westliche Weltöffentlichkeit derart in Erregung, daß sie sich zu Vergeltunsmaßnahmen gegen den IS hinreißen läßt. Die Ermordung und Folterung zahlreicher einheimischer syrischer Berichterstatter durch den IS dagegen, darunter eines, der den Aufstand gegen das Assad-Regime und die von diesem verübten Greueltaten von Anfang an dokumentiert hat, findet im Westen so gut wie keine Beachtung! Der Westen handelt immer noch aus kolonialistischem Herrenmenschendenken heraus, wonach das Leben eines einzigen von ihnen mehr wiegt als das tausender Nicht-Abendländer. Und von „islamistischen Terroristen“ verfolgte orientalische Christen, Êzîden (Jesiden) oder Angehörige anderer nicht-islamischer Religionen sind ihnen dann immer noch mehr wert als vom Assad-Regime verfolgte und massakrierte Muslime. Die von den Kämpfern des IS an ersteren verübten Verbrechen haben das militärische Eingreifen des Westens unter Führung der USA bewirkt, das die von Assads Leuten, Hizbollah und andern, in Syrien eingedrungenen schiitischen Milizen an sunnitischen Zivilisten begangenen Verbrechen nicht bewirkt haben. Von den Muslimen in den westlichen Ländern wird gefordert, sich vom Terror des IS zu distanzieren, von den Regierungen der westlichen Länder wird jedoch nicht gefordert, sich für ihre bisherige völlig verfehlte Politik im Nahen Osten zu entschuldigen oder diese zu korrigieren. Die Muslime sind der Sündenbock, dem die vom Westen begangnenen Verfehlungen aufgeladen werden.

Ein solches militärisches Eingreifen hätten sich die Muslime bei der Verfolgung der Rohingya, der Muslime in Myanmar (Birma), durch die Buddhisten gewünscht, die nicht weniger grausam war als die Verfolgung der Êzîden durch die Kämpfer des IS, aber niemand hat auch nur einen Finger gerührt, außer zu humanitären Hilfsmaßnahmen wie bei einer Naturkatastrophe. Führende buddhistische Mönche in Myanmar hatten die Bevölkerung gegen die Muslime aufgehetzt; warum fordert niemand eine Distanzierung der Buddhisten weltweit von diesen Greueltaten, wie sie jetzt von den Muslimen von den Greueltaten des IS gefordert wird? Zweifellos wird mit zweierlei Maß gemessen. Was man den buddhistischen Mönchen und dem buddhistischen Mob durchgehen läßt, läßt man dem selbsternannten Kalifen des IS und seiner „Terror-Miliz“ jedoch nicht durchgehen!

Auf oben geschilderte Weise wird mit Desinformation massiv gegen den IS gehetzt, um diesen als etwas absolut Böses darzustellen, obwohl er nur relativ böse ist. Damit ist dieser Krieg der USA und ihrer Koalition zum Teil auch ein Krieg gegen den Islam, und ich würde wetten – wenn dies im Islam erlaubt wäre –, daß der Westen und seine arabischen Vasallen ihren Krieg gegen den „Islamischen Staat“ auch dann fortsetzen würden, wenn dieser jegliche terroristischen Aktiviäten einstellen und sich strikt an die Regeln der islamischen Religion und die vom Islam anerkannten Menschenrechte halten würde. Sie würden schon irgendeinen Vorwand dafür finden oder auf Grund eines Falseflag-Anschlags behaupten, der Islamische Staat hätte den Terrorismus nicht aufgegeben.

Der Krieg gegen den IS ist zum Teil auch ein Krieg gegen den Islam als solchen und gegen die Muslime. Allein die Errichtung einer wirklich islamischen Ordnung in irgendeinem Land der Welt – selbst mit friedlichen Mitteln und der Zustimmung einer Bevölkerungsmehrheit – wird vom Westen per se als etwas „Böses“ angesehen, das mit allen Mitteln verhindert und bekämpft werden muß.

Der saudische Prediger ? Abd al- Aziz al Tarifi meint in einem Tweet: Wenn der Westen sagt, er sei kein Feind des Islams, dann lügt er, oder wir haben nicht den richtigen Islam. Letzteres trifft auf die Regierungen jener arabischen Staaten zu, die sich am Krieg gegen den IS beteiligen; sie sind überwiegend Heuchler.

Zuerst werden Stellungen der „Terrormiliz“ bombardiert, und wenn das nichts bewirkt, dann die unter ihrer Kontrolle stehenden Ölraffinerien, und wenn das nichts bewirkt ... wird am Ende die Infrastruktur des von ihr beherrschten Landes zerstört, und die Mehrheit der Bevölkerung, die nicht an Kampfhandlungen teilgenommen und keine Greueltaten begangen hat, hat darunter zu leiden. Was ist, wenn die kurdischen Peschmerga in überwiegend von Arabern bewohnte oder gemischte Gebiete vordringen? Dann werden sie vermutlich eine ethnische Säuberung durchführen und die Araber vertreiben, um das so eroberte Gebiet demjenigen ihres zukünftigen unabhängigen kurdischen Staates hinzuzufügen.

Wenn es nach dem Wunsch der USA und ihrer Verbündeten geht, soll die konservative sunnitische Bevölkerung jener Gebiete zurück unter die Herrschaft einer überwiegend schiitischen Regierung im Irak und einer überwiegend säkularistischen Regierung in Syrien, die beide keine wirklich islamische Ordnung haben wollen. Die von den ehemaligen Mandatsmächten Großbritannien und Frankreich im Ersten Weltkrieg im Sykes-Picot-Abkommen gezogene unsinnige Grenze zwischen Syrien und dem Irak, die bisher verhinderte, daß Verwandte diesseits und jenseits der Grenze sich besuchen konnten, und die der IS kürzlich abgeschafft hat, soll dann wieder Gültigkeit besitzen.

Ein Ziel der Mächte, die hinter dem IS stehen, ist es, den Islam und dessen Symbole und im Islam hochgeachtete Begriffe nicht nur in der Westlichen, sondern auch in der Islamischen Welt zu diskreditieren und schlecht und selbst bei gemäßigten „Islamisten“ verhaßt zu machen, wie die Begriffe „Islamischer Staat“ und „Dschihad“.

Die Symbole des Bezeugungsbekenntnisses "La ilaha ill allah" -Es gibt keinen Gott außer Allah, Muhammad ist Allahs Gesandter- werden mißbraucht und besudelt, indem diese Terroristen sie als ihre Fahne verwenden. Insbesondere der Gebrauch des Siegelabdrucks des Propheten – Allah segne ihn und seine Familie und schenke ihnen Wohlergehen – auf ihrer Fahne kann man als inakzeptablen Mißbrauch ansehen. Der Gebrauch der schwarzen Fahne mit diesen allen Muslimen heiligen Symbolen in dieser vom IS verwendeten Form und Zusammenstellung ist nun in der BRD gesetzlich und unter Strafandrohung verboten – eine sehr bedenkliche und gefährliche Entwicklung für alle Muslime.

Wie in dem offenen Brief an den selbsternannten Kalifen Abu Bakr al-Baghdadi erwähnt, kann der Kampf von Muslimen gegen andere Muslime nicht als „Dschihad“ bezeichnet werden. Daher erklärt der IS kurzerhand alle seine Gegner zu vogelfreien, außerhalb des Islams stehenden Ungläubigen, um seine unbedarften Kämpfer und Mitläufer darüber zu täuschen und sie glauben zu lassen, ihre bewaffnete Auseinandersetzung sei der „Dschihad“. Durch die Mißachtung der im Islam geltenden Regeln für kriegerische Handlungen im Dschihad wird dieser Begriff nicht nur in den Augen der westlichen Nichtmuslime, sondern der Muslime selbst immer mehr mit „Terrorismus“ gleichgesetzt und damit diskreditiert.

Ebenso ist es mit den Worten „Allahu akbar – Allah ist am größten“, indem diese überwiegend mit der Begehung von Greueltaten in Verbindung gebracht werden – man denkt dabei nur noch an Köpfe Abschneiden –, anstatt als eine gewöhnliche Form des Dhikr, des Gedenkens Allahs, in verschiedenen Situationen.

Das alles ist als eine Form des Krieges gegen den Islam selbst anzusehen. D. h., wir haben hier einen Krieg, der militärische, propagandistische und psychologische Element umfaßt und Verschwörungen beinhaltet. Das Gesamtbild richtet sich dann nicht gegen den IS, das Assad-Regime oder die USA, sondern gegen den Islam als solchen und als Befreiungsbewegung gegen den westlichen Postkolonialismus.

Unter dem Titel „ Krieg gegen die Bevölkerung – Syrien: US-Luftangriffe auf IS-Terroristen treffen vor allem Zivilisten“ schreibt Rainer Rupp in der Zeitschrift Junge Welt am 30.09.2014:

Bei Luftangriffen der USA und ihrer Verbündeten auf Syrien sind in der Nacht zum Montag offenbar mehrere Zivilisten getötet worden. Das teilte die in London sitzende »Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte« unter Berufung auf in Syrien aktive Oppositionsgruppen mit. Die Angreifer hatten demnach eine von den Milizen des »Islamischen Staates« (IS) kontrollierte Erdgasanlage sowie einen Getreidespeicher bombardiert. Der Agrarkomplex sei möglicherweise für einen IS-Stützpunkt gehalten worden, hieß es. Bei den Toten handele es sich um Mitarbeiter der Anlage, die Lebensmittel für die Bevölkerung hergestellt hätten. Die US-Administration äußerte sich zunächst nicht zu dem Vorfall.

Zu Beginn ihres Luftkriegs in Syrien hatten die USA in Ermangelung von IS-Militärkomplexen ihre Angriffe unter anderem gegen mobile Ölraffinerien gerichtet, die bis zu 60000 Liter Benzin pro Tag herstellen können. Etwa ein Dutzend von diesen wurde zerstört, um – so das Pentagon – die Mobilität der IS-Milizen einzuschränken. Da die Dschihadisten jedoch schnell gelernt haben, ihre »mobilen Tankstellen« besser zu verstecken, attackierte die US-Luftwaffe in den letzten Tagen vor allem größere, fest installierte Raffinerien in Nordsyrien.

US-Regierungsvertreter begründeten die Angriffe damit, daß die Raffinerien eine wichtige Finanzierungsquelle der Gruppe darstellten. Zugleich sind die kleinen Industrieanlagen aber oft die einzigen zivilen Beschäftigungsmöglichkeiten in den von Krieg und wirtschaftlichen Katastrophen zerrütteten Gebieten und stellen einen bedeutenden Faktor der zivilen Infrastruktur Nordostsyriens dar. Im Norden und Osten des Landes sind Benzin und Diesel für Normalbürger in den letzten Tagen zunehmend knapp geworden, der Preis habe sich verdoppelt, meldeten nordamerikanische Medien.

Das Vorgehen der USA in Syrien folgt dem gewohnten Muster: Da IS-Ziele nur schwer auszumachen sind, wird ohne Rücksicht auf die Auswirkungen für die Zivilbevölkerung alles bombardiert, das auch nur entfernt von wirtschaftlichem Wert für die IS-Terrorgruppe sein könnte. Dabei folgt man der aus anderen US-Kriegen bekannten Strategie: Wenn man das eigentliche Ziel nicht treffen kann, zerstört man die ganze Region. Das bedeutet, daß den durch Not und Krieg ohnehin traumatisierten Menschen in Nordostsyrien noch größeres Elend bevorsteht. Zugleich stellt sich die Frage, wie diese Region je wieder auf die Füße kommen soll, wenn der IS einmal von einer anderen Rebellengruppe verdrängt wird. ... [Zitatende]

Der auf diese Weise auch gegen muslimische Zivilisten geführte Krieg, die gewissermaßen Geiseln einer terroristischen Organisation sind, ist in dieser Hinsicht ein Krieg gegen den Islam, jedenfalls gegen einen Teil seiner Angehörigen.

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